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Nettetal
Zugbegleiter immer selbst ansprechen

Nettetal: Zugbegleiter immer selbst ansprechen
Ein Triebfahrzeug der Eurobahn im Viersener Bahnhof, gegenüber hat ein Zug der DB-Regio gehalten. Die Eurobahn wird auch weiterhin die Linie des RE 13 zwischen Venlo, Düsseldorf und Hamm bedienen. FOTO: Busch
Nettetal. Die Eurobahn rät ihren Kunden, Fahrscheine zur eigenen Sicherheit auch im Handy abzuspeichern. 60 Euro werden fällig, wenn jemand kein Ticket hat. Der Einsatz von Kameras in den Zügen hat die Sicherheit erkennbar erhöht. Von Ludger Peters

Was ist zu tun, wenn im fahrenden Zug plötzlich festgestellt wird, dass der Fahrschein fehlt? Mike Scheider empfiehlt: "Sofort losgehen und den Zugbegleiter suchen, um ihm das zu erklären. Es ist besser, sich zu melden als es darauf ankommen zu lassen, erwischt zu werden." Die Ehrlichkeit erspart möglicherweise Ärger, aber nicht das "erhöhte Beförderungsentgelt" über 60 Euro. Scheider ist mehr als 20 Jahre als Zugbegleiter unterwegs gewesen und ist seit einiger Zeit Berater im Kundencenter der Eurobahn, die unter anderen die Linie des Regionalexpress (RE) 13 bedient.

Im Kundencenter laufen alle erdenklichen Beschwerden von Reisenden auf. Den Ärger über die 60 Euro, die zu zahlen sind, wenn der Fahrschein nur vergessen wurde, kann Scheider nachvollziehen. "Unsere Zugbegleiter haben aber keinen Ermessensspielraum. Den Betrag hat das Verkehrsministerium festgelegt." Etwas glimpflicher kommt weg, wer einen persönlichen Fahrschein, beispielsweise eine namentlich ausgestellte Monatskarte oder ein Semesterticket, nicht vorweisen kann. "Dann werden sieben Euro Bearbeitungsgebühr fällig, die ein Inkassodienst erhebt." Auch das sei festgelegt und keine Abzock-Idee. Liegt am Automaten eine technische Störung vor, wissen die Zugbegleiter das. "Sie gehen da kulant vor. Es gilt aber: Selbst aktiv werden und gleich Bescheid geben", betont Mike Scheider. Generell raten die Eurobahn-Mitarbeiter dazu, Fahrscheine in Handys einzuscannen, um glaubhaft Nachweis führen zu können.

Im Kundencenter an der Düsseldorfer Immermannstraße 65b laufen aber auch andere Beschwerden auf. "Häufig klagen Reisende darüber, dass Ansagen in Bahnhöfen unverständlich seien oder gar nicht kämen oder dass Gleiswechsel nicht angezeigt werden. Dafür ist die Deutsche Bahn verantwortlich, weil ihr die Gleistrasse und die Technik gehören. Die Eurobahn nutzt nur den Schienenweg der DB."

Eher etwas ändern könnte das Unternehmen hinsichtlich der Kapazitäten in den Zügen. Aber "wenn in einem Bereich alle Sitzplätze belegt sind, gehen die Kunden häufig nicht weiter durch den Zug. Sie bleiben stehen", hat Eurobahn-Sprecherin Danica Dorawa beobachtet. Die Unart, Koffer oder Taschen auf Sitzplätze zu stellen, ist allerdings auch oft zu beobachten. Verlängern kann die Eurobahn ihre Züge nicht beliebig, selbst wenn das möglich wäre. In Verträgen mit dem VRR ist genau festgelegt, ob "Doppeltraktion-" für 400 oder "Einfachtraktion-Züge" für 200 Fahrgäste eingesetzt werden. Regelmäßig werden Fahrgastzahlen an allen Wochentagen ermittelt, um auf Veränderungen im Kundenverhalten reagieren und gegebenenfalls mehr Plätze anbieten zu können.

Das hilft nicht, wenn Züge erst gar nicht kommen. Die Eurobahn twittert Informationen über Zugausfälle und Ersatzverkehre auf ihren Linien. Ursachen sind vielfältig. Am Rosenmontag wehte der Sturm ein Werbebanner auf ein Gleis und legte den Betrieb längere Zeit still. Eine mobile Werkstattgruppe beseitigt kleinere Defekte im laufenden Betrieb. Mehr als 1000 solcher Arbeiten hat sie im vergangenen Jahr erledigt und längere Werkstattaufenthalte verhindert.

Neben technischen Defekten an den Triebfahrzeugen selbst gibt es auch andere Gründe: Die Eurobahn ist verpflichtet, innerhalb eines konkret festgelegten Zeitraums Graffiti an den Wagen zu entfernen. Da steht dann schon mal ein Halbzug zur Reinigung in der Werkstatt, anstatt Fahrgäste zu transportieren. Weil in vielen, bei weitem aber nicht in allen Eurobahn-Zügen Begleitpersonal an Bord ist, hält sich Vandalismus drinnen in Grenzen.

Dazu beigetragen haben auch die Überwachungskameras, die bei Bedarf ausgewertet werden und zusätzlich für Sicherheit sorgen. Wer ein Smartphone hat, kann sich der QR-Codes bedienen, die in den Wagen eingescannt werden können. "Mit ihrer Hilfe können wir Nachrichten von Fahrgästen aufnehmen und feststellen, wo sich jemand gerade befindet", erklärt Dorawa. Scheider räumt allerdings ein, dass der Umgangston immer rauer wird und die Hemmschwelle bis zur Gewalttätigkeit sinkt. Er rät im Konfliktfall dazu, dass Reisende, die sich gefährdet fühlen, sehr laut werden und andere Mitreisende gezielt ansprechen sollten, sie zu unterstützen. Das eigene Personal sei in der Deeskalation geschult - ist aber eben nicht immer an Bord.

Quelle: RP
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