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Nettetal
Zukunft des "Real"-Gebäudes ungewiss

Nettetal. Die Metro-Gruppe prüft noch, wie das leerstehende Warenhaus, in dem Allkauf und Real untergebracht waren, in Hinsbeck-Wevelinghoven weiter verwendet werden kann. Ursprünglich sollte dort Tennis gespielt werden. Von Manfred Meis

Besenrein, aber leer steht seit Ende September 2015 das Gebäude des früheren Real-SB-Warenhauses an der Niedieckstraße im Hinsbecker Ortsteil Wevelinghoven. Es wartet auf eine weitere Verwendung. Die "Metro Properties", die Immobiliengesellschaft der Muttergesellschaft Metro, prüft nach Auskunft ihrer Pressestelle verschiedene Verwendungen. Eine Entscheidung stehe noch aus. Das werde wohl noch ein paar Monate dauern. Die Stadt Nettetal hat inzwischen ihre Glascontainer von Parkplatz II entfernt.

Zu dem Selbstbedienungs(SB)-Warenhaus kam die Stadt Nettetal im Herbst 1976 wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Sechs Jahre lang hatte der Hallenbau, aus dem eigentlich eine Tennishalle werden sollte, im halbfertigen Zustand leer gelegen. Mittlerweile gehörte sie dem in Kaldenkirchen wohnenden und in Bracht produzierenden Möbelfabrikanten Elmar Terstappen. Er hatte sie aus der Konkursmasse der Maschinenfabrik Stiels preisgünstig erworben. Terstappen investierte rund 2 Millionen Mark und vermietete an den Mönchengladbacher Kaufmann und Bauunternehmer Hubert Haller. Der richtet unter dem Namen "Condor" ein SB-Warenhaus ein, das am 14. Oktober 1976 mit großem Pomp eröffnet wurde: Lebensmittel im Erdgeschoss, Non-Food in der ersten Etage, erreichbar über Rolltreppen im Inneren.

Doch Haller ging schon nach fünf Wochen finanziell die Luft aus. Zwar zählte er sich einst zu den Mitgründern der erfolgreichen Allkauf-Selgross-Gruppe um Eugen Viehof und Gerhard Ackermans. Er hatte somit in dieses in Deutschland verhältnismäßig neue Verkaufsmodell hineingeschaut. Doch offensichtlich hatte er unterschätzt, dass dazu eine ausreichend dicke Kapitaldecke nötig ist. Vielleicht hatte er auch zu optimistische Umsatzerwartungen (25 Millionen Mark) an das Haus in Nettetal geknüpft, nachdem seit dem Frühjahr eine "Condor"-Neueröffnung in Mainz-Laubenheim gut lief.

Schon bevor Haller offiziell für seine "Condor"-Häuser am 15. November 1976 Konkurs anmeldete (von Insolvenz sprach man erst viele Jahre später), hatte Terstappen am 9. November einen neuen Mietvertrag mit "Allkauf" in Mönchengladbach abgeschlossen. Der damals vor allem linksrheinisch agierende Handelskonzern (Umsatz 1,4 Milliarden. Mark) baute das Haus etwas um und eröffnete es am 13. Dezember 1976 neu. Terstappen verkaufte Grundstück und Gebäude wenig später an Allkauf. Die Präsenz des Handelsriesen rief vor allem den heimischen Einzelhandel auf den Plan. Er fürchtete die Konkurrenz "auf der grünen Wiese". Andererseits hatte er sich mit dem Karstadt-SB-Warenhaus, dessen bevorstehender Bau auf dem Brockerhof-Grundstück mitten in Lobberich in diesen Wochen detailliert mitgeteilt wurde, schon angefreundet. Es versprach, neue Kunden in den Ortskern zu bringen.

Obwohl Ende 1976 eine Veränderungssperre für das Allkauf-Gebäude erlassen wurde, kam es im Laufe der nächsten Jahre immer wieder zu kleinen "Erweiterungen" der 3.200 Quadratmeter Verkaufsfläche: Wegfall der Rolltreppen in der Mitte und Ersatz durch Treppenhaus und Aufzug an der Seite, Erweiterung des Kassenbereichs, Verlagerung des Getränkemarktes in ein Gebäude auf einem Nebengrundstück, zusätzlicher Parkplatz auf der nördlichen Seite der Abzweigung Wevelinghoven, neben der Schlosserei Schmitz. Allkauf zog viele Kunden an, vor allem auch aus den Niederlanden. Als die Allkauf-Eigner, die Gebrüder Viehof, ihr Unternehmen mit 110 Warenhäusern 1998 an die Metro-Gruppe verkauften, die dann mit einer Eingliederung in deren SB-Warenhauskette Real einherging, erhielt auch das Gebäude in Wevelinghoven das neue Firmenzeichen.

Die Niederlassung überstand zwar im Jahre 2008 die erste Sparwelle des Unternehmens, das seit vielen Jahren rote Zahlen schreibt. 2014 war es dennoch so weit: Nettetal werde Ende 2015 geschlossen, weil sich die Umsatzerwartungen auf den "wenigen Quadratmetern" nicht realisieren ließen, hieß es seitens des Konzerns.

Real geht heute von SB-Warenhäusern mit rund 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche aus, um schwarze Zahlen zu schreiben. Mit der Schließung des Nettetaler Hauses verschwanden rund 60 Arbeitsplätze. "Condor" hatte vor knapp 40 Jahren mit 50 Mitarbeiter(inne)n angefangen.

Quelle: RP
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