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Nettetal
Zwei Männer arbeiten hundert Jahre

Nettetal: Zwei Männer arbeiten hundert Jahre
Wolfgang Diegner (links) und Hans Peter Holtappels haben vor 50 Jahren die Lehre bei Albert Steffens begonnen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Zwei Männer und ein Betrieb: Hans Peter Holtappels und Wolfgang Diegner sind in 50 Jahren Berufsleben einem Arbeitgeber treu geblieben. Von Ludger Peters

Heinz Peter Holtappels wollte "immer Schreiner werden". Der gebürtige Kaldenkirchener hatte als kleiner Junge in einem Betrieb in der Nähe des Elternhauses großen Gefallen daran gefunden, Holz zu bearbeiten. Aus dem Kindertraum wurde jedoch nichts. Holtappels wurde Kraftfahrzeugmechaniker. Am 1. April ist er bei Mercedes Steffens seit 50 Jahren beschäftigt. Nur unwesentlich kürzer hat der Boisheimer Wolfgang Diegner dort an Fahrzeugen herumgeschraubt. Er hat aus gesundheitlichen Gründen im Herbst Abschied nehmen müssen.

"So'n Hals" hatte Hans Peter Holt-appels, als sein Vater ihm stolz die neue Lehrstelle bei Steffens, damals noch im Fongern in Breyell, präsentierte. "Es war seinerzeit üblich, dass Eltern Lehrstellen aussuchten. Aber dass ich nicht Schreiner werden durfte, hat mich anfangs schwer getroffen", gesteht er. Die Familie wohnte seit 1963 in den Rötzel-Wohnungen in Breyell, und die Mutter wollte wohl nicht, dass der 14-Jährige mit dem Fahrrad den gefährlichen Weg über die Landstraße nach Kaldenkirchen nahm.

Da stand er nun am 1. April 1966, innerlich widerwillig, und lernte das Kfz-Handwerk. "Ich habe fast drei Jahre gebraucht, um mich einzufügen" gesteht Holtappels heute, 50 Jahre später. Albert Steffens sei ein insgesamt sehr freundlicher Lehrherr gewesen, dem aber dann doch einige Male der Geduldsfaden riss. "Mein Vater musste ein paar Mal kommen, weil der Chef unzufrieden war", schmunzelt er.

Mit Wolfgang Diegner schätzt er bis heute die familiäre Atmosphäre im Betrieb. "Es wurde einiges verlangt, was man heute als Lehrherr wahrscheinlich nicht wagen würde. Andererseits hatten wir so etwas wie Familienanschluss", erinnert sich der Boisheimer, der ein Jahr später die Lehre aufnahm. Die Mutter hatte nachgefragt, und Albert Steffens meinte: "Komm einfach mal." So tummelte er sich schon vor dem Beginn der eigentlichen Lehre samstags auf dem Werkstattgelände. Ausgerechnet den Start in die Lehre verpasste Wolfgang Diegner - durch ein Missverständnis nahm er erst einmal Urlaub.

Beide lernten ihr Handwerk zunächst an Pkw, nach zwei Jahren arbeiteten sie an den Lkw. Das ist bis heute so geblieben. Es ging nicht nur um Reparaturen an Motoren und anderen Teilen, sondern auch um die Behebung von Unfallschäden. Holtappels fand Gefallen an den damit verbundenen Blecharbeiten. In den drei Lehrjahren verdienten die Jugendlichen zunächst 40, dann 70 und schließlich 110 bis 125 Mark im Monat.

Als der Betrieb 1976 umsiedelte an die Ecke Dülkener Straße/ Lötscher Weg 71, hatten die Gesellen auch am Neubau mitgearbeitet. Natürlich verklärt sich mit wachsendem Abstand die Arbeitswelt, dessen sind sich beide bewusst. Samstags wurde immer bis 17 Uhr gearbeitet, auch Heiligabend und Silvester waren Arbeitstage. Heute undenkbar sind Einsätze irgendwo im Bundesgebiet, wenn der Lkw eines Kunden liegengeblieben war. "Wir haben auf Parkplätzen komplette Getriebewechsel durchgeführt", erinnert sich Diegner. Die Intensität und Struktur der Arbeit habe sich innerhalb weniger Jahre erheblich verändert. Schnelligkeit und Effizienz stünden im Mittelpunkt, die Begeisterung über die digitalisierten Rahmenbedingungen ihres Arbeitsplatzes hält sich bei beiden in Grenzen. "Früher war vieles für uns einfacher, aber manche Arbeit ist heute gar nicht mehr gefragt. Wir haben noch gelernt, zu schweißen und zu löten", sagen beide übereinstimmend.

Wolfgang Diegner hat sein Berufsleben auch mit der Gesundheit bezahlt. Er hätte liebend gerne weitergearbeitet, aber ein Schlaganfall setzte ihm eine Grenze. Er pflegt zu Hause sein Federvieh und kümmert sich um den großen Garten. Seine Leidenschaft gehört außerdem der St.-Petri-Bruderschaft, für die er Büroarbeiten erledigt und häufig auch Veranstaltungen organisiert.

Hans Peter Holtappels hat sehr gut Fußball in seinem Heimatverein SuS Schaag gespielt. Die Knie haben darunter gelitten, also widmet er sich dem Schießsport und dem Wallensteiner-Zug in der St.-Hubertus-und-Anna-Bruderschaft. Der 1200 Quadratmeter große Rasen muss gepflegt werden, er hegt Renovierungspläne am Haus und freut sich darauf, mehr mit dem Enkel zusammen zu sein. "Man muss etwas tun", sagt er. Langeweile wird er im Ruhestand jedenfalls keine haben.

Quelle: RP
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