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Neukirchen-Vluyn
Aus für die Bücherei - und das Hochhaus?

Neukirchen-Vluyn. Trotz der Überreichung von mehr als 2000 Unterschriften hat der Rat gestern die Schließung der Vluyner Bibliothek beschlossen. Zugleich beauftraget die Politik den Bürgermeister, über den Kauf des Hochhauses in Vluyn zu verhandeln. Von Stefan Gilsbach

So eine "falsche Debatte" habe er selten erlebt, verkündete gestern Abend Ratsveteran Kurt Best (CDU). Beim Beschluss über die Schließung der Bücherei in Vluyn prallten in der Sitzung die unterschiedlichen Meinungen derb aufeinander, angefeuert durch die Anwesenheit vieler Bürger, die hörbar von den Schließungsplänen nichts wissen wollten. Als ihr Sprachrohr fungierte Klaus Wallenstein, der Fraktionschef von NV AUF gehts. Er erklärte: "Eine Schließung wäre wie eine Amputation." Keine der anderen Fraktionen habe sich um eine echte Lösung bemüht. Während beim Thema Einzelhandel sorgfältig die Interessen der einzelnen Ortschaften abgewogen würden, gehe man bei den Büchereien darüber hinweg.

Wallensteins Ausführungen stießen teilweise auf Empörung. "Glauben Sie, es fällt uns leicht, die Vluyner Bücherei zu schließen?", ereiferte sich SPD-Ratsherr Richard Stanczyk. "Anscheinend schon!", kam ein Zwischenruf aus den Reihen der Zuhörer. Zuvor waren dem Bürgermeister mehr als 2000 Unterschriften überreicht worden, die den Erhalt der Vluyner Bücherei fordern. "Mehr Unterzeichner als Büchereinutzer", merkte Thorsten Bender (SPD) ironisch an.

Tom Wagener, Vorsitzender der Grünen im Rat, bedauerte noch einmal, dass der Vorschlag seiner Fraktion, die Bücherei ins Haus der Kulturhalle zu verlegen und so für Vluyn zu retten, nicht durchgedrungen sei. Sein Fraktionskollege Christian Esser meinte, zu den Bürgern gewandt: "Achten Sie darauf, an welche kulturellen Einrichtungen noch die Axt gelegt wird."

Die Vertreter der Fraktionen von CDU, SPD und FDP/Piraten betonten dagegen, eine andere Lösung als eine zentrale Bücherei in Neukirchen sei nicht möglich. "Ein Jahr lang haben wir alle Möglichkeiten durchgespielt", beteuerte CDU-Fraktionsvize Heiko Haaz. "Wir mussten uns entscheiden", sagte Norbert Gebuhr (FDP). Er sprach sich dagegen aus, übergangsweise eine Ausleihe in Vluyn zu belassen. "Damit streut man den Bürgern nur Sand in die Augen." Am Ende setzten sich die drei Fraktionen durch.

Nach dieser heftigen Debatte zeigten die Ratsmitglieder große Einigkeit, als der Antrag von CDU, Grünen und FDP/Piraten, die Stadt solle das Hochhaus in Vluyn kaufen und dann abreißen, diskutiert wurde. "Wir unterstützen alles, was dieses Ding beseitigt", meinte Richard Stanczyk für die SPD. Bürgermeister Harald Lenßen (CDU) begrüßte den einstimmigen Beschluss. Mit diesem Rückhalt könne die Verwaltung selbstbewusst in Verhandlungen um einen Erwerb des Gebäudes gehen.

Quelle: RP
 
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