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Neukirchen-Vluyn
Bauern beklagen Verlust von Ackerland

Neukirchen-Vluyn. Die neue NRW-Agrarministerin Christina Schulze-Föcking diskutierte mit Landwirten aus Neukirchen-Vluyn und Moers. Johannes Leuchtenberg und seine Kollegen wollen Taten sehen. "Jahrelang hat man uns zugehört, aber nicht das gemacht, was wir gerne gehabt hätten", sagte der Milchbauer vom Neukirchener Paschenhof gestern. Von Josef Pogorzalek

Ob sich das mit der neuen Landesregierung ändern wird? Gemeinsam mit Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen der Landwirtschaft empfing Leuchtenberg gestern NRW-Agrar-Ministerin Christina Schulze-Föckung auf seinem Hof. Leuchtenberg trug stellvertretend für alle eine Litanei von Sorgen und Problemen vor - von den Sommergänsen, die Felder vernichten, bis hin zu existenzbedrohenden Vorschriften für landwirtschaftliche Anlagen.

Besonders kritisch sehen die Landwirte den Rückgang von Ackerflächen. Leuchtenberg nahm das Naturschutz-Förderprogramm "Life +" auf Korn, in dessen Zuge allein im Kreis Wesel 115 Hektar Land für den Vogelschutz in Beschlag genommen würden. "Das soll durchgewunken werden. Wir möchten, dass Sie das stoppen", sagte Leuchtenberg zur Ministerin. Die Landwirtschaft im Kreis habe ein gutes Verhältnis zur Biologischen Station. "Wir tun viel für den Vogelschutz, wir sind zu vielen Dingen bereit." Aber bei "Life +" fühlen sich die Landwirte über den Tisch gezogen.

Johannes Leuchtenberg (links) mit Ministerin Christina Schulze-Föcking, der Bundestagsabgeordneten Kerstin Radomski (vorne) sowie dem Europa-Abgeordneten Karl-Heinz Florenz im Kuhstall. FOTO: Pogo

Auch das Naturschutzverbänden zustehende Vorkaufsrecht für Land möchten die Bauern geändert sehen. "Wir kratzen mühselig das Geld zusammen, dann kommt ein Naturschutzverband und nimmt uns das Land einfach weg." Durch Stromleitungen oder Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte gehe ebenfalls Fläche verloren. "Ackerland ist wertvoller als alles andere", mahnte Leuchtenberg.

Bei Christina Schulze-Föcking rannten die Landwirte offene Scheunentore ein. "1964 hatten wir 0,44 Hektar landwirtschaftliche Fläche pro Kopf, 2025 werden es 0,17 Hektar sein", sagte sie. Sie kündigte eine Überprüfung des NRW-Naturschutzgesetzes an - unter Einbeziehung sowohl der Landwirtschaft als auch der Naturschutzverbände oder auch der Jägerschaft, die wichtige Aufgaben bei der Hege und Pflege erfülle. Zum Thema "Ausgleichsmaßnahmen" nannte die Ministerin ein Beispiel aus ihrer westfälischen Heimat (sie lebt in Steinfurt): Für den Bau einer Straße seien acht Hektar Ackerfläche verloren gegangen, für die Kompensationsmaßnahmen 52 weitere Hektar. Sie nannte die Idee, Landverlust aufgrund von Bauprojekten zum Beispiel durch das Säubern von Industriebrachen auszugleichen ("Das wäre tatsächlich Naturschutz"), oder durch das Aufwerten bestehender Naturschutzgebiete.

Nordrhein-Westfalen sei das drittgrößte deutsche Agrarland, betonte die Ministerin. "Jeder achte Arbeitsplatz hängt mit der Landwirtschaft zusammen." Sie wolle sich dafür einsetzen, dass die Landwirte das Ansehen erfahren, das ihnen gebührt.

Es mangle in Deutschland an einer Wertschätzung von Nahrungsmitteln und der mit ihrer Erzeugung verbundene Arbeit. Elf Millionen Tonnen Nahrung lande jährlich im Müll. Und dass im Supermarkt ein Liter Wasser teuerer sei als ein Liter Milch, sei ein Unding. Was die Milchpreise angeht, haben Leuchtenberg und seine Kollegen allerdings die schlimmsten Zeiten (hoffentlich) hinter sich.

Leuchtenberg zeigte der Ministerin auch die Hütte auf seinem Hof, in der jeder aus einem Automaten frische Rohmilch zum Preis von einem Euro je Liter zapfen kann. 100 Liter Milch täglich verkaufe er auf diese Weise, sagte er. Ein Zeichen dafür, dass viele Menschen den Wert der Landwirtschaft doch noch, oder wieder, zu schätzen wissen.

Quelle: RP
 
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