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Neukirchen-Vluyn
Bildband zeigt die Stadt früher und heute

Neukirchen-Vluyn: Bildband zeigt die Stadt früher und heute
Das Foto zeigt ein Haus, in dem links ein Kolonialwarenladen, rechts eine Fahrradhandlung untergebracht war. Andreas Storz (kleines Foto) hofft auf Hinweise zur genauen Adresse der Geschäfte. FOTO: privat / RP-Foto: wka (archiv)
Neukirchen-Vluyn. Andreas Storz, Chef des Verlags Zeitreisen, ist ein leidenschaftlicher Sammler alter Ansichten. Von Josef Pogorzalek

Andreas Storz hat viel in seinem Leben gemacht. Er ist gelernter Tischler, war Innenarchitekt, Verkaufstrainer und einiges mehr. Vermutlich würde er auch einen guten Detektiv abgeben. Der Gedanke drängt sich auf, wenn der 56-Jährige über die Arbeit an seinem neuen Bildband "Unser Neukirchen-Vluyn von 1899 bis heute" spricht. 250 bisher unveröffentlichte Bilder wird das Buch enthalten, das im Oktober erscheinen soll und die alte und neue Stadt gegenüberstellt.

Storz ist ursprünglich Krefelder, vor ein paar Jahren hat es ihn aus familiären Gründen nach Neukirchen-Vluyn verschlagen. Die Leidenschaft für alte Fotos hat er vom Vater geerbt. "Er ist früh gestorben und hat mir alte Ansichtskarten hinterlassen. Als Student hab ich sie ,wiederentdeckt' und wurde dann selbst Sammler." Später ist aus der Passion auch eine Profession geworden. An der Hochstraße 20 ist der Sitz von Storz' Verlag "Zeitreisen". 80 bis 90 Bücher habe er schon veröffentlicht - Bildbände über Krefeld, Viersen, Kempen und andere niederrheinische Orte, aber auch reich bebilderte Rezeptbücher.

Wenn er sich an den Computer setzt, um seine Bücher zusammenzustellen, liegt der Wust der Arbeit bereits hinter ihm. "Für das neue Buch bin ich bestimmt 1000 Mal unterwegs gewesen", erzählt Storz. Unzählige Gespräche, vorzugsweise mit älteren Neukirchen-Vluynern, hat er geführt, Namen, Daten und Fakten erfragt, verglichen und geprüft. "Das Problem ist, dass viele Leute Fotos gesammelt, sie aber nicht beschriftet haben." Allerdings ist er vom Gedächtnis alter Menschen oft überrascht. So habe ihm eine alte Dame, Sophia Siebrands, geborene Heisters, nicht nur ein Foto der einstigen Donger Schule überlassen, sondern gleich alle Vor- und Zunamen der Schüler aus dem Kopf genannt.

Wie dieses, so stammen alle historischen Fotos, die Storz veröffentlicht, aus Privatbesitz. Der Verleger sucht beispielsweise gezielt nach den Familien ehemaliger Geschäftsleute oder Unternehmensleiter. So wurde er bei der heute 93-jährigen Frau Baaken, Tochter des ehemaligen Inhabers der Landmaschinenfabrik Vutz, fündig. Sie vertraute ihm ein Fotoalbum ihres Vaters an, sowie Aufnahmen aus dem Lazarett, das während des Ersten Weltkriegs auf Schloss Leyenburg eingerichtet worden war - nebst vielen persönlichen Erinnerungen und Namen. Mit vielen Leuten kommt Storz auch ins Gespräch, wenn er mit seiner eigenen Kamera unterwegs ist, um das zeitgenössische Leben der Stadt einzufangen - was er eigentlich ständig mache. "Es ist ein großer Vertrauensvorschuss, wenn mir Leute ihre Fotos geben", sagt Storz. Er scannt die Aufnahmen, bevor er sie den Eigentümern zurückgibt. Kopien der Dateien mit Fotos und den dazugehörigen Informationen leite er stets auch an das Stadtarchiv weiter. "Das ist das Gedächtnis der Stadt", ist er überzeugt.

Storz legt Wert auf möglichst exakte Informationen zu den historischen Bildern. Ein kleines Rätsel bleibt ihm bisher die Aufnahme eines Hauses, in dem ein Kolonialwarenladen und ein Fahrradgeschäft untergebracht war. "Ich habe einen Hinweis, dass es das heutige Haus Nieper Straße 176 ist. Aber sicher ist das nicht." Storz hat auf dem Foto ein Schild mit dem Firmennamen "Hüsken & Wülfing" endtdeckt und diesen mithilfe eines Adressbuchs von 1910 einem Krefelder Kolonialwarenladen zugeordnet. "Vermutlich wurde das hiesige Geschäft von dort beliefert, das war damals üblich." Alte Telefon- und Adressbücher sind für Storz wertvolle Hilfen bei seinen Recherchen. Wobei bei Adressen der Jahre vor 1929 Vorsicht geboten sei. Bis dahin herrschte eine für heute Begriffe kuriose Hausnummernbezeichnung in Neukirchen-Vluyn. "Krefelder Straße 67 war Hausnummer 19 1/23." Vom Internet hält Storz dagegen nicht nur als Recherchehilfe wenig. Nicht einmal eine eigene Verlagsseite hat er im Netz. "Das Internet ist ein Zeitkiller", findet er.

Dankbar wäre Storz für Hinweise auf die Kinos, die es in der Stadt gab: Das Deli-Theater lag an der Hauptstraße 270 (heute Trox), die Niederrhein-Festspiele an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße 45 und das Filmeck an der Hochstraße 1 (heute Spielcasino). Fotos der Kinos konnte er bisher nicht auftreiben. Wohl aber eine Anzeige des Deli-Theaters, "Ruf 234", in einer Rheinischen Post vom 12. September 1952. Damals liefen die Filme "Der Blaue Engel" mit Marlene Dietrich sowie "Fanfaren der Liebe" mit Dieter Borsche und Georg Thomalla.

Quelle: RP
 
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