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Neukirchen-Vluyn/Duisburg
Bosnienhilfe bleibt seine Lebensaufgabe

Neukirchen-Vluyn/Duisburg. Heribert Hölz hat zwar bereits im vergangenen Jahr sein 75. Lebensjahr erreicht, doch fährt er weiterhin zu den notleidenden Menschen in seine "zweite Heimat". 56.000 Marmeladengläser sind noch längst nicht genug. Von Peter Klucken

Als Ursula Hölz, Ehefrau des überregional bekannten Bosnienhelfers Heribert Hölz, im vergangenen Jahr das 56.000. Marmeladenglas zugeschraubt hatte, um es für die gute Sache zu verkaufen, da hatte sie eigentlich gedacht, dass es nun genug sei. Doch dann hat Ursula Hölz ihren Mann bei einer seiner mittlerweile 88 Bosnienfahrten begleitet und dort die Not der Menschen selber gesehen. Deshalb wird sie auch in diesem Jahr mit einer kleinen Gruppe von Helfern aus der Nachbarschaft und von anderswo zentnerweise Früchte und Gelierzucker in hausgemachte Marmelade verwandeln. Heribert Hölz ist seiner Frau und den anderen ehrenamtlichen Helfern der in Buchholz ansässigen Bosnienhilfe des Caritasverbandes dankbar für die Unterstützung seiner Lebensaufgabe, die er im November 1992 begann und die er auch mehr als zehn Jahre nach seiner Pensionierung mit nicht nachlassendem Engagement weiterführt. Am 9. Oktober des vergangenen Jahres wurde Hölz 75. Seinen Geburtstag feierte er während einer seiner Hilfsfahrten nach Bosnien. "Bosnien ist zu meiner zweiten Heimat geworden", sagte er jetzt bei seinem Redaktionsbesuch. Er wisse zwar, so gestand er, dass er jedes Mal Ähnliches zu berichten habe, doch könne er es nicht akzeptieren, die Menschen in ihrer Not im Stich zu lassen.

"Ich halte Vorträge und kümmere mich um Presseartikel, damit ich Spenden für die Bosnienhilfe bekomme. Ohne diese Hilfe wäre die Not dort noch viel größer." Wenn Hölz nicht auf Reisen ist, fährt er fast täglich in sein kleines Caritas-Büro in Buchholz, um den Einsatz von Ehrenamtlichen und Hilfstransporte zu organisieren. Der nächste ist im April. Es gibt Formulierungen und Bedenken, die Hölz mittlerweile nicht mehr hören kann. Dazu gehören Satzfragmente wie "Man kann nicht überall...", "Das ist nur ein Tropfen...", "Andere wollen auch..." oder "Die sollen doch selber sehen ..." Natürlich weiß Heribert Hölz auch, dass Hilfe zur Selbsthilfe am nachhaltigsten ist. Aber manchmal gebe es nun einmal keine andere Möglichkeit als einen kostenlosen Teller Suppe, um hungrige Menschen, die buchstäblich keine Münze mehr in der Tasche haben, über den Tag zu bringen. Längst läuft die Bosnienhilfe von Heribert Hölz auf zwei Schienen. Zum einen die ganz konkrete Unterstützung mit Nahrung, Medikamenten oder warmer Kleidung, zum anderen Hilfen, die dazu betragen, die Lebenssituation auf Dauer zu bessern. Dazu gehören beispielsweise die Einrichtung einer genossenschaftlich betriebenen Obstplantage und die Vermittlung zu einem Unternehmer, der das Obst vermarktet. Belastend findet Hölz, dass seine Möglichkeiten immer wieder überschätzt werden.

2017 habe er 143.000 Euro an Spendengeldern gesammelt. Der Betrag entspreche dem Durchschnitt. Akribisch hat Heribert Hölz aufgelistet, wie er die Spenden, für deren korrekte Verwendung er persönlich geradesteht, eingesetzt hat. Das sind:

- Suppenküche (30.000 Euro) - Alten- und Krankenhilfe (25.000 Euro)

- Familienpatenschaften (25.000 Euro)

- Bauerngenossenschaft (15.000 Euro)

- Anschaffung von Schafen und Kühen (8000 Euro)

- einmalige Nothilfen (12.000 Euro)

- Schulhilfe (5000 Euro)

- Medikamente für Kranke (3000 Euro)

- Winterhilfe (5000 Euro)

- Hausrenovierungen (6000 Euro).

- Rücklagen (9000 Euro).

Zu jedem einzelnen Spiegelstrich kann Hölz einen Bericht geben oder Schicksale schildern. Beim Punkt "Hausrenovierungen" stellt er heraus, dass es da darum gegangen sei, ein vom Krieg beschädigtes Haus winterfest zu machen, damit eine mehrköpfige Familie nicht obdachlos wird. Ansonsten steht er zu dem Grundsatz: "Wir investieren in Menschen, nicht in Steine." Wenn sich beispielsweise Pfarrer an ihn wenden, um Geld für die Renovierung von Kirchen oder Pfarrheimen zu erbitten, muss er enttäuschen. "Die gesammelten Spendengelder werden ausschließlich für Menschen in Not verwendet", sagt er. Ans Aufhören denkt Hölz nicht. "Ich mache weiter, so lange ich kann.".

Quelle: RP
 
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