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Neukirchen-Vluyn
Bücherei-Fusion ist (vorerst) nicht geplant

Neukirchen-Vluyn: Bücherei-Fusion ist (vorerst) nicht geplant
Blick auf den Eingang der Bücherei in Vluyn. Die Stadt zahlt für das Gebäude Miete, die Neukirchener Bücherei ist stadteigen untergebracht. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Entgegen Gerüchten in den sozialen Netzwerken wollen Verwaltung und Politik keinen der beiden Bücherei-Standorte opfern - zumindest nicht, so lange innerhalb der Sanierung des Haushaltes noch Luft für freiwillige Leistungen ist. Von Stefan Gilsbach

Steht einer der beiden Bücherei-Standorte in Neukirchen-Vluyn vor der Schließung? Fast könnte man es glauben, wenn man die Diskussionen in den sozialen Medien der vergangenen Tage verfolgt hat. Mit großem Bedauern äußern sich Nutzer über das offensichtliche Vorhaben, die beiden Einrichtungen an einem Standort zu bündeln. Eine Dame fragt schließlich: "Steht die Schließung fest? Wann?"

Anlass für die Verunsicherung der Bürger war eine Äußerung des scheidenden Beigeordneten Jörg Geulmann bei einer der jüngsten Bürgerversammlungen. "Herr Geulmann hatte erklärt, dass zwei Büchereien in einer Stadt dieser Größe ein Luxus sei", berichtet Klaus Wallenstein, Fraktionschef von NV AUF geht's, der vor Ort war. "Eine solche Äußerung stand Herrn Geulmann als Kämmerer überhaupt nicht zu. Das ist eine politische Entscheidung."

Allerdings waren die Diskussionen im Internet mal wieder schneller als die Realität. "Es ist keine Zusammenlegung der Büchereien geplant", stellt Stadtsprecher Frank Grusen klar. Jörg Geulmann habe bei der fraglichen Bürgerversammlung in Niep darauf hinweisen wollen, dass es sich um freiwillige Leistungen der Verwaltung handle.

Richtig ist allerdings, dass es Gedankenspiele der Politik gegeben hat und gibt, die Büchereien zu fusionieren. Allerdings fand sich bislang dafür keine Mehrheit. "Das Thema wurde erstmals 2014 besprochen, als die Fraktionen über das Haushaltssicherungskonzept beraten haben", erklärt Heiko Haaz, Ortsvorsitzender der CDU und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Damals sei auch über die freiwilligen Leistungen diskutiert worden, doch die Schließung einer der beiden Standorte gelangte nicht in das endgültige Konzept.

Im vergangenen Jahr hatte die Fraktion von Bündnis 90/Grüne den Vorschlag geäußert, die Vluyner Bücherei könne in das obere Stockwerk der Kulturhalle ziehen, wo bislang die Museumssammlung untergebracht ist. "Mit dem derzeitig stattfindenden Umbau der Kulturhalle besteht so die Chance, aus der Kulturhalle ein echtes Kulturzentrum - bestehend aus Stadtbücherei, Museum, Veranstaltungs- und Schulungsräumen, Café, Gastronomie etc. - zu konzipieren", hieß es in den Grünen-Antrag. Von einer Schließung einer der beiden Büchereien war also nicht die Rede. Allerdings hatte die Verwaltung zu bedenken gegeben, dass im Falle eines solchen Umzugs der Bestand der Vluyner Bücherei deutlich verkleinert werden müsste.

Das sei jedoch nicht als Einstieg in den Ausstieg zu verstehen, betont Christian Esser, Fraktionsvorsitzender der Grünen. "Im Gegenteil, damit möchten wir die Existenz der Vluyner Bücherei langfristig sicherstellen." Denn durch den Umzug könne die Stadt die Miete für den jetzigen Standort sparen, was bei einem angespannten Haushalt ja immer willkommen ist.

Sollte es bei der Entlastung der städtischen Finanzen in den kommenden Jahren Engpässe geben, dann dürfte das Thema einer Fusion eventuell aktuell werden. "Das könnte der Fall sein, wenn das Paket zur Haushaltskonsolidierung in Schieflage gerät", meint Heiko Haaz. Aber ob es so weit kommt, weiß zurzeit niemand.

Zumindest, erklärt die SPD-Fraktions- und Ortsvereinsvorsitzende Elke Buttkereit, sei es legitim, über ein solches Szenario zu reden. "Wir wissen, dass dies ein sensibles Thema ist, aber es sollte keine Denkverbote geben." Daher solle über den Vorschlag noch einmal mit konkreten Zahlen diskutiert werden. Norbert Gebuhr (FDP), Sprecher der Fraktion FDP/Piraten, stimmt der Aussage, zwei Büchereien seien eigentlich für Neukirchen-Vluyn recht üppig, im Prinzip zu. "Wie das konkret aussehen könne, dazu gibt es aber im Moment keine Vorstellungen."

Klaus Wallenstein lehnt eine Zusammenlegung der Büchereien generell ab: "Bei diesen Überlegungen wird die Struktur der Stadt mit zwei Schwerpunkten nicht berücksichtigt. Außerdem sollten wir doch froh sein, dass überhaupt noch gelesen wird."

Quelle: RP
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