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Neukirchen-Vluyn
Bürger empfinden Krähen als Plage

Neukirchen-Vluyn: Bürger empfinden Krähen als Plage
Manche Krähen sollen während der Brutzeit sogar Menschen angegriffen haben, heißt es. FOTO: H. Schmidbauer
Neukirchen-Vluyn. Sie machen Lärm, sie machen Dreck und sie attackieren angeblich sogar Menschen - Anwohner der ehemaligen Schachtanlage Niederberg fühlen sich von Krähen belästigt. Die SPD-Fraktion fordert die Verwaltung auf, etwas zu unternehmen. Von Stefan Gilsbach

"Stehlen wie die Raben" - "Rabeneltern" - "rabenschwarz" - nein, einen guten Ruf haben die meist schwarzen Vögel, zu denen auch Krähen, Dohlen, Elstern und Häher gehören, nicht. Und die Anwohner im Umfeld der ehemaligen Schachtanlage Niederberg sind auf die Tiere besonders schlecht zu sprechen. Die Vögel, die im "Krähenwäldchen" und seiner Umgebung nisten, plagen die Menschen mit Lärm und Dreck. Ja, manche Krähen hätten während der Brutzeit sogar Menschen angegriffen, heißt es.

Die Beschwerden sind an die Ratsfraktion der SPD weitergegeben worden, die einen aktuellen Antrag für den nächsten Bauausschuss gestellt hat. "Das lautstarke Krächzen, mit denen sich die Vögel einer Kolonie verständigen, ist für viele Anwohner eine große Belästigung. Hinzu kommt die Verschmutzung z.B. von Hausgärten, parkenden Autos und Spielflächen in der Nähe der Kolonie." Und dann sei dann noch die Sache mit den "Krähen-Attacken".

Diese Lärm-Klagen sorgten für Aufsehen in der Region FOTO: Ilgner

Die SPD fordert daher die Verwaltung auf, mit den zuständigen Kreisbehörden "Maßnahmen zur Minderung der Beeinträchtigung durch Krähenkolonien im Stadtgebiet aufzuzeigen und umzusetzen." Die Untere Landschaftsbehörde verfüge über Erfahrungen in der "Vergrämung und Umsiedlung" der Schwarzfedern. Vor der nächsten Brutperiode solle das Problem angegangen werden, resümiert der SPD-Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Jochen Gottke.

Tatsächlich hat sich die Untere Landschaftsbehörde des Kreises vor nicht allzu langer Zeit mit dem Thema Krähen beschäftigt. Im Oktober 2013 hatte es im Weseler Ortsteil Büderich ganz ähnliche Probleme gegeben, berichtet Kreis-Sprecher Gerhard Patzelt. Mehr als 50 Nester von Saatkrähen auf nur drei Platanen - das war den Anwohnern zu viel.

"Die Umsiedlung der Krähen ist in Zusammenarbeit mit niederländischen Experten verfolgt worden", berichtet Patzelt. Dazu zählte der Krähen-Fachmann Dr. Diederik van Liere. Um die Vögel aus den Platanen zu vertreiben, mussten deren Äste stark beschnitten werden. Der Erfolg sei allerdings mäßig gewesen, räumt Patzelt im Rückblick ein. "Die Krähen sind zum großen Teil zurückgekehrt."

Raben und Krähen sind sehr anpassungsfähig, sie gelten als die intelligentesten Vögel überhaupt. Die größte Art in Europa, der Kolkrabe, ist selten geworden, doch Saat- und Rabenkrähen sind häufig zu sehen. Da mag es manchen wundern, dass die Tiere unter Artenschutz stehen. Das ist seit 1979 so, damals verabschiedete die Europäische Gemeinschaft eine Richtlinie, die alle Singvogelarten unter vollen Schutz stellte. Und auch Rabenvögel gelten als Singvögel, auch wenn das bei den rauen Rufen der Tiere schwer zu glauben ist. Eine Bejagung der Krähen kommt daher nicht in Frage.

Quelle: RP
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