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Neukirchen-Vluyn
Bürgermeister fernab der Heimat

Neukirchen-Vluyn: Bürgermeister fernab              der Heimat
Björn Ingendahl vor der Erpeler Ley, einem gegenüber Remagen am Rheinufer liegenden Basaltfelsen. FOTO: ingendahl
Neukirchen-Vluyn. Der gebürtige Neukirchen-Vluyner Björn Ingendahl wird Oberhaupt der Kleinstadt Remagen in Rheinland-Pfalz. Von Marc Latsch

16 Jahre lang war Björn Ingendahl in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit aktiv. Er war zweiter Vorsitzender des Stadtjugendrings und saß als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales. Er studierte in Duisburg Ökonomie, wohnte währenddessen weiterhin zuhause in Neukirchen-Vluyn. Angesichts dieses Lebenslaufs erscheint eine kommunalpolitische Karriere des 37-Jährigen nur folgerichtig. Überraschend ist hingegen der Ort seines zukünftigen Amtes. Ingendahl ist ab Juni der neue Bürgermeister der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Remagen.

"Vor fünf Jahren habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Sie ist in Andernach geboren und in Remagen aufgewachsen", erklärt Ingendahl. Beide Städte liegen direkt am Rhein, zwischen Bonn und Koblenz. Im letzten Sommer ist die kleine Familie mit ihrem heute zweijährigen Sohn nach Remagen gezogen. "Meine Schwiegermutter hat mich dann darauf aufmerksam gemacht, dass ein neuer Bürgermeister gewählt wird", sagt der gebürtige Neukirchen-Vluyner. "Ich habe mich schließlich für eine Kandidatur entschieden, weil ich auf kommunaler Ebene immer sehr gerne mit Menschen zusammengearbeitet habe. Dieser direkte Kontakt fehlt mir teilweise in meinem jetzigen Job."

Ingendahl arbeitet seit 2008 für das Bonner Bundesumweltministerium, immer im Bereich der internationalen Umwelt- und Naturschutzpolitik. Wegweisend war hierfür seine Arbeit beim niederrheinischen Europa-Abgeordneten Karl-Heinz Florenz, der damals als Vorsitzender des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit amtierte. "In Brüssel habe ich mich aber nicht so wohlgefühlt, dort ist es laut, voll und dreckig", sagt Ingendahl. In Remagen entstand im vergangenen Jahr dann der Kontakt zwischen dem Neukirchen-Vluyner und der dortigen Ortsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen. "Die sagten, wir suchen jemanden, den wir unterstützen können", erklärt Ingendahl. Letztendlich trat er als parteiloser Kandidat an, konnte jedoch auf den Rückhalt der Ortsgruppe bauen. "Eine lokale Zufallsbekanntschaft", sagt er. Die anderen Parteien hatten allesamt kein Interesse und die Ziele der Remagener Grünen und Ingendahls stimmten weitestgehend überein.

Die Bewerbung des Zugezogenen stieß zunächst nicht überall auf Gegenliebe. "Bei den großen Parteien hat meine Kandidatur schon viel Überraschung ausgelöst. Ich habe dann viele Veranstaltungen abgehalten, wo ich meine Ideen und Ziele vorstellen konnte. Die gelebte Bürgernähe kommt sehr gut an. Das habe ich im Wahlkampf bereits bemerkt", sagt er. Seine Rolle als Neuling sei letztendlich kein Nachteil gewesen. "In die Remagener Neubaugebiete sind viele junge Familien zugezogen, die mit der bisherigen Lokalpolitik nichts zu tun hatten. Als ich meine Gegner kannte, dachte ich, dass ich mich durch mein Alter und meinen Hintergrund so sehr abgrenze, dass ich eine Chance habe." Von seiner Teilnahme an der Stichwahl sei er ausgegangen, nicht aber vom eigenen Erfolg. Doch rund 62 Prozent der Remagener Wähler entschieden sich für Ingendahl, ein Erdrutschsieg gegen den CDU-Kandidaten Walter Kübbing. "Das war ein toller Vertrauensbeweis", schwärmt der Neu-Bürgermeister.

Ingendahl freut sich auf seine Rolle als Oberhaupt der 16.500-Einwohner-Stadt. Nicht zuletzt auch darauf, wieder jede Nacht zuhause bei der Familie zu schlafen. "Oft musste ich für das Umweltministerium lange Dienstreisen unternehmen. Wir haben einen zweijährigen Sohn, da möchte man nicht ewig weg sein", erklärt er. Sogar bei seiner eigenen Wahl konnte der 37-Jährige nicht anwesend sein. Er weilte auf einer Konferenz in Kolumbien und wurde für eine Videobotschaft in die Remagener Rheinhalle geschaltet. Sein Frau nahm für ihn dort die Glückwünsche entgegen. Zurück am Rhein steckt der Neukirchen-Vluyner nun voller Tatendrang. Am 9. August wird er ins Amt eingeführt. Die Themen Verkehrssicherheit- und Anbindung, Niederschlagsschutz und natürlich Bürgernähe stehen ganz oben auf seiner Agenda. Dann beginnt sein neues Leben als Bürgermeister fernab der alten Heimat.

Quelle: RP
 
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