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Neukirchen-Vluyn
CDU in Neukirchen-Vluyn wird 70 Jahre

Neukirchen-Vluyn. Im Jahr 1946 gründeten 19 Christdemokraten den Ortsverein. Bei der ersten Wahl errangen sie einen großen Erfolg. Von Stefan Gilsbach

In diesen Tagen ist viel von Parteienverdrossenheit zu lesen, von sinkendem Vertrauen in die Volkspartien. Die Männer und Frauen, die nach 1945 auch in Neukirchen-Vluyn für einen politischen Neustart sorgten, würden darüber nur den Kopf schütteln. Nach dem Ende der Nazi-Diktatur war es endlich wieder soweit, dass demokratische Parteien gegründet werden konnten, und diese Chance wurde auch am Niederrhein rasch ergriffen.

Der CDU-Ortsverein feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Am 25. Februar 1946 konstituierte sich die erste Gemeindevertretung nach dem Krieg. Nur einen Tag zuvor hatten 19 Männer ihr Beitrittsformular zur CDU unterschrieben - sie waren die Gründer des Ortsvereins. Fünf von ihnen waren Landwirte, ebensoviele arbeiteten im Bergwerk, vier waren Kaufleute - das waren die häufigsten Berufe in der Gruppe.

Die Namen der Gründer: Tilmann Bongardt, Martin Buß, Peter Carl Florenz, Erich Fuhr, Hans Giesen, Peter Heckrath, Anton Hötger, Heinrich Jochums, Hermann Klumpen, Hermann Küppers, Paul Moritz, Peter Ostrowski, Heinrich Pieper, Gottfried Pleines, Alfred Rosenthal, Erich Rüsche, Josef Schmitz, Hermann Schrooten und Gottfried Vutz.

Die Mitgliederzahl der CDU im damaligen Kreis Moers stieg sehr schnell an. Im April 1946 waren es bereits 140 Personen, im August 268. Für viele war es der Beginn eines jahrzehntelangen Wirkens in der Kommunalpolitik. In diesem Jahr zeichnet die CDU drei Mitglieder aus, die sich zwar nicht seit 70, aber seit stolzen 60 Jahren in der Partei engagieren: Es sind Peter Bongardt, Johann Peter Heckrath und Friedel Feltgen.

Am 8. März trat der erste Vorstand des neuen Ortsvereins zusammen. Bei der ersten Wahl schaffte die CDU ein Ergebnis von 56,8 Prozent und bekam 13 von 21 Sitzen im neuen Rat. Auf den Flugblättern, die zur Wahl verteilt worden, schwingt ein heute ungewohnt gewordenes Pathos mit. "Neukirchener, in deiner Hand liegt es, ob Neukirchen wieder das Neukirchen deiner Väter werden soll. Das ist nur möglich, wenn du dich für die [...] Kandidaten der CDU entscheidest." Auch findet sich der Aufruf, "die christliche Nächstenliebe an die Stelle von Hass und Vergeltung zu setzen".

Erster frei gewählter Bürgermeister von Neukirchen-Vluyn wurde Tilmann Bongardt, der sich während des "Dritten Reiches" der NSDAP ferngehalten hatte. Er blieb bis 1950 im Amt. Nach Tilmann Bongardt haben die Christdemokraten noch drei weitere Bürgermeister gestellt: Gerhard "Gerd" Haastert (1963-1975), Kornelia Kuhn (1989-1994) und Harald Lenßen, der seit 2009 die Verwaltung leitet.

Gerd Haastert durfte während seiner Amtszeit zwei ganz besondere Besuche in Neukirchen-Vluyn empfangen: Altbundeskanzler Konrad Adenauer und seinen Nachfolger Ludwig Erhard. Der "Vater des Wirtschaftswunders" besuchte sogar den Hof des Bürgermeisters und hielt seine packende Wahlkampfansprache von einem Mähdrescher herab. Die Stadt selbst war laut Berichten von Augenzeugen "wie leer gefegt". Anschließend gab es eine deftige Kaffeetafel. So rustikal verlaufen Bundestagswahlkämpfe heutzutage nicht mehr.

www.cdu-nv.de

Quelle: RP
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