| 18.17 Uhr

Chemikalien-Fund in Garage
Verdacht auf IS-Zelle in Neukirchen-Vluyn

Bomben-Material in Neukirchen-Vluyn gefunden
Bomben-Material in Neukirchen-Vluyn gefunden FOTO: Alyssa Pannwitz
Neukirchen-Vluyn. Nachdem in einer Garage in Neukirchen-Vluyn Material zum Bau einer Bombe gefunden wurde, hat es mehrere Festnahmen gegeben. Die festgenommenen Personen könnten nach Informationen unserer Redaktion einen Bezug zum Islamischen Staat (IS) haben. Von Christian Schwerdtfeger und Jürgen Stock

"Es deutet derzeit in Richtung Gefährder mit islamistischen Hintergrund. Die Ermittlungen gestalten sich aber als sehr komplex", hieß es am Freitag aus gut informierten Polizeikreisen. Beim zuständigen Polizeipräsidium Essen, das als übergeordnete Großbehörde die Ermittlungen von der Kreispolizei Wesel übernommen hatte, wollte man einen Bezug zum IS am Freitag weder bestätigen noch dementieren. Man erklärte lediglich, dass in alle Richtungen ermittelt werde. Unter den bislang sechs Festgenommen befinden sich nach Recherchen unserer Redaktion zwei Deutsche, ein Deutsch-Pole, ein Tunesier und ein Türke. Letzterem werde eine sehr konservative und nationale Einstellung nachgesagt.

Die Polizei hatte am vergangenen Mittwoch in einer Garage in Neukirchen-Vluyn Sprengstoff-Chemikalien, Rohre und Metallkugeln sichergestellt, die nach Auskunft der zuständigen Staatsanwaltschaft Kleve zur Herstellung eines größeren Sprengsatzes geeignet sein sollen. Der Nutzer der Garage, ein 24 Jahre alter Deutsch-Pole, sitzt deshalb seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Gegen zwei weitere Verdächtige, einen 26-Jährigen und einen 34-Jährigen, wurde am Freitag ebenfalls Haftbefehl erlassen. "Sie wurden zuvor stundenlang vernommen", hieß es.

Ermittler suchen Spuren an Sprengstoff-Garage FOTO: Christoph Reichwein

Polizei ermittelte ursprünglich gegen Einbrecherbande

Eigentlich hatte die Polizei gegen eine Einbrecherbande ermittelt und deshalb die Garage des 24-Jährigen durchsucht, wo sie dann zur eigenen Überraschung die für den Bau einer Bombe notwendigen Materialen entdeckte. Seitdem fanden am Niederrhein und im Ruhrgebiet Razzien und Wohnungsdurchsuchungen statt, an denen auch schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte und Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) beteiligt waren.

Das Polizeipräsidium Essen hat in dem Fall bereits eine sogenannte "BAO" (Besondere Aufbauorganisation) gebildet, die eigentlich nur bei Großlagen notwendig wird. "Es sind sehr viele Ermittler an der Sache dran", so ein Polizeisprecher. Zuletzt hatte die Polizei in Essen eine "BAO" bei den Anschlagsdrohungen auf das Essener Einkaufszentrum am Limbecker Platz ins Leben gerufen, hinter dem ein IS-Anhänger gesteckt haben soll.

Hausdurchsuchung in Kamp-Lintfort FOTO: Christoph Reichwein

"Mich beunruhigen diese Vorgänge sehr", sagte der integrationspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Ibrahim Yetim (52), in dessen Wahlkreis Neukirchen liegt. Yetim lobte das schnelle Eingreifen der Polizei. "Die Festnahmen sind ein Beweis für die gute Arbeit unserer Sicherheitsbehörden." IS-Sympathisanten, so Yetim, würden sich inzwischen fast ausschließlich aus dem Internet rekrutieren. "Die brauchen kein spezifisches Umfeld wie einen Verein oder eine Moscheegemeinde. Im Gegenteil: Sie meiden solche Orte, weil sie befürchten müssen, den Behörden angezeigt zu werden."

Die 27.500-Einwohnerstadt Neukirchen-Vluyn ist eine ehemalige Zechenstadt. Die Verdächtigen wohnten an der Hauptstraße des Ortes sowie in einer ehemaligen Bergarbeitersiedlung in der Nähe des Rathauses und galten in der Nachbarschaft als unauffällig. Ein rechtsradikaler Hintergrund, über den spekuliert worden war, gilt bei den Fahndern derzeit als unwahrscheinlich. "Das passt nicht zusammen. Die Verdächtigen kommen aus unterschiedlichen Nationen", hieß es.

 
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