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Neukirchen-Vluyn
Da stelle mehr uns janz dumm: Also, wat is' Neukirchen-Vluyn ?

Neukirchen-Vluyn: Da stelle mehr uns janz dumm: Also, wat is' Neukirchen-Vluyn ?
Die Halde Norddeutschland ist noch ein junges Merkmal der Kulturlandschaft von Neukirchen-Vluyn. Die uralten Gegebenheiten der Landschaft prägen das Leben der Einwohner mehr, als vielen bewusst ist. FOTO: Christoph Reichwein
Neukirchen-Vluyn. Was hat Neukirchen-Vluyn, was andere Städte nicht haben, was macht diesen Ort zu etwas Besonderem? Die wird im Ausschuss für Stadtentwicklung diskutiert. Von Stefan Gilsbach

Es geht um ein "Leitbild für die Entwicklung der Kulturlandschaft", die Verwaltung hat eine Vorlage erarbeitet, über die am 15. November abgestimmt werden soll. "Kulturlandschaft" heißt hier nicht Musik, Kunst oder Bühne, sondern Landschaft im buchstäblichen Sinne.

"Dieses Leitbild soll Teil eines möglichen Stadtentwicklungskonzeptes werden", sagt Frank Grusen, Sprecher der Verwaltung. Wer die Vorlage studiert, der braucht ein wenig Zeit, um zu ahnen, worum es da konkret geht. Denn ein Leitbild, so ist dort zu lesen, kann auf der "raum-zeitlichen", der "funktionalen", der "visuell-ästhetischen" und der "assoziativen" Ebene definiert werden. Wer sich durch die zehn Seiten durcharbeitet (ein Fremdwörterlexikon sollte dabei griffbereit liegen), gelangt zu Erkenntnissen darüber, wie und warum sich die Stadt so entwickelt hat, wie sie heute ist - mit ihrer Donkenlandschaft, ihren Niederungen, den Anfängen der Siedlungsgeschichte.

Was sich zunächst sehr theoretisch anhört, kann sehr praktische Konsequenzen haben. Die Verwaltung gibt ein Beispiel: "Zu welchen Folgen es führen kann, diese Gegebenheiten zu ignorieren, zeigt die Ernst-Moritz-Arndt-Straße. In ihrem westlichen Abschnitt quert sie einen Niederungsbereich. Der Untergrund war nicht in der Lage, die Straße und den darüber laufenden motorisierten Verkehr zu tragen. Folglich wurde dieser Abschnitt vom Straßenverkehrsnetz abgebunden und dient nur noch als Fuß- und Radweg."

Einfach ausgedrückt: Wer die Zukunft der Stadt plant, sollte ihren Fingerabdruck kennen, und dazu gehören selbst Details wie der Austausch von Kaltluft zwischen bebauten und unbebauten Flächen. Eine Karte, die dem Leitbild beigefügt ist, zeigt die Grundzüge der Kulturlandschaft im Stadtgebiet, von der Endmoräne aus der Eiszeit bis zur heutigen Siedlungsgeschichte. Die Karte wirkt fast, als sähe man ein Röntgenbild von Neukirchen-Vluyn, mit Strukturen, die sonst dem Blick verborgen bleiben. Doch sie haben die Entwicklung der Stadt seit Jahrhunderten beeinflusst. Als Beispiel führt die Verwaltung die Alte Kolonie an: "Der Verlauf der Straßen und die daran aufgereihten Wohngebäude befinden sich in Hochlage entlang der Niederungskante. Die Niederung selbst dient der Gartennutzung. Die Nutzungstrias einer Bergarbeitersiedlung bestehend aus Wohngebäude, Stallgebäude und Gartenland machte sich die natürlichen Gegebenheiten zum Vorteil."

Wer die Stadt auf diese Weise lernt, mit anderen Augen zu sehen, der wird auch eher sagen können, was an ihr so einzigartig ist. Und das, meint man im Rathaus, ist ein Bedürfnis vieler Menschen: "Der Ruf nach Kfz-Kennzeichen aus der Zeit vor den Gemeindegebietsreformen ist nicht nur nostalgischen Gemütsbewegungen zu verdanken, sondern ist Ausdruck einer Identität, die sich unter anderem über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Region oder Stadt definiert."

Die Unterlagen stehen im Ratsinformationssystem unter www.neukirchen-vluyn.de.

Quelle: RP
 
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