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Neukirchen-Vluyn
Das ganze Leben in einem Koffer

Neukirchen-Vluyn: Das ganze Leben in einem Koffer
Teilnehmer des Jugendprojekts "Kofferbiografien" präsentieren ihre Gedanken zu Themen wie Heimat, Kultur und Identität.. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Was passiert, wenn ich mein eigenes Leben in einen Koffer packe? Schüler präsentieren die Ergebnisse einer besonderen Projektwoche in einer Kunstausstellung im Dorf Neukirchen. Von Ulrike Rauhut

"Kultur. Heimat. Identität. Wir gestalten eine "Kofferbiographie". In den Gesichtern von 16 Neukirchen-Vluyner Realschülern erschienen zu Beginn ihrer außerschulischen Projektwoche zunächst viele Fragezeichen. Doch im Verlauf der intensiven Woche im Januar wurden daraus Ausrufezeichen: Die Jugendlichen hatten eine erlebnisreiche Zeit und konnten die kreativen Ergebnisse ihrer Arbeit gestern stolz der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Künstlerinnen Anne Müller und Özlenim Meier gingen spielerisch und experimentell vor, um die Acht- und Neuntklässler an das Thema heranzuführen. "Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus und wo gehöre ich hin?", das waren Fragen, denen sich Lennard Roßkothen und die anderen annäherten. Er fand positive Eigenschaften und deren Gegenteil, wie zum Beispiel "laut und leise" und schrieb dazu eine kleine Geschichte. Er machte Fotos von sich mit verschiedenen Gesichtsausdrücken und überlegte, wann er einem Fremden abweisend, wann fragend begegnet. Er bestückte seinen großen Metallkoffer nach und nach mit diesen Textfragmenten, Fotos, Landkarten und Gegenständen. "Die Weltkugel steht für den Wunsch, die Welt zu entdecken und vielleicht mal in einem anderen Land zu leben. Mit dem Bild der Sektflasche wollte ich ausdrücken, dass "Kultur" für mich bedeutet, gemeinsam mit der Familie Feste zu feiern", erläutert er sein Kunstwerk. Bei anderen finden sich Schminkutensilien oder Bilder von Haustieren.

Neben den 16 individuell gestalteten Koffern entstanden großformatige Portraitfotos. Eine herausragende Eigenschaft steht auf der Stirn jeder Person geschrieben, auf dem Kinn deren Gegenteil. Auf einem zweiten Portrait hat sich der Jugendliche ein Bild seines Idols mit dessen erstrebenswerter Eigenschaft vor das eigene Gesicht gebunden. Einen neuen Blick auf sich selbst gewinnen, mit den Medien der Kunst und in Auseinandersetzung mit anderen Religionen und Kulturen - diese Erfahrung nehmen die jungen Leute aus dem Projekt mit. Denn die Gruppe blieb nicht nur unter sich, sondern wagte einen spannenden Blick über den eigenen Tellerrand hinaus: Sie besichtigte die Neukirchen-Vluyner Moschee und konnte brennende Fragen an den Imam und an den türkischen Sozialarbeiter Ümit Kusatmer loswerden. Alle waren begeistert von der Gastfreundschaft der türkisch-islamischen Gemeinde und von dem Essen, mit dem sie dort täglich versorgt wurden.

Ulrike Reichelt zeigte sich bei der Ausstellungseröffnung beeindruckt von der tollen Zusammenarbeit zwischen den Künstlern, der türkischen Gemeinde, der Theodor-Heuss-Realschule und der VHS, in deren Räumlichkeiten gearbeitet wurde. Sie hat als Stadtbeauftragte für kulturelle Bildung diese besondere Kooperation im Rahmen des Bundesförderprogramms "Kultur macht stark - Bündnisse für Bildung" bereits zum dritten Mal initiiert. Die Ausstellung ist im Arbeitszimmer/Kulturzimmer auf der Hochstraße 11 noch bis zum 20. März zu sehen.

Quelle: RP
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