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Neukirchen-Vluyn
Die Chaos-Helferin

Neukirchen-Vluyn. Wächst Ihnen das Chaos aus Papieren und Krimskram über den Kopf? Dann könnte Ihnen Meike Suhre wertvolle Tipps geben. Sie ist "Ordnungscoach" und vermittelt Firmen, aber auch Privatleuten, wie sie klar Schiff machen. Von Josef Pogorzalek

Auf dem Schreibtisch türmt sich das Papier, im Kleiderschrank sieht's aus wie nach einer Razzia, und im Keller - ach, reden wir nicht drüber. Im neuen Jahr soll das alles besser werden. Ordnung muss her! Aber wie?

Meike Suhre ist Fachfrau für solche Fragen. Sie ist nämlich "Arbeitsplatz- und Ordnungscoach". Als solcher geht sie in Firmen, zu Freiberuflern oder in Familien, um gegen Entgelt Ordnung zu schaffen und Regeln an die Hand zu geben, wie man die Ordnung dauerhaft bewahrt. Auch ihre VHS-Kurse sind gut besucht. "Der Bedarf ist groß", sagt die 47-jährige Vluynerin.

Von Haus aus ist Meike Suhre Diplom-Kauffrau. "Ich hab also schon immer mit Strukturen zu tun gehabt." Dass sie ein besonderes Händchen fürs Organisieren und Ordnen hat, merkte sie vor Jahren bei einem Umzug ihrer damaligen Firma. Suhre bildete sich in diesem Bereich fort, las viele Bücher. Heute ist sie Mitglied in einem Netzwerk von Ordnungs-Spezialisten (www.ordnungsservice.com). "Jeder hat seine eigene Ordnung", unterstreicht sie. Was der eine als Chaos empfindet, kann für den anderen völlig normal sein. "Erst wenn jemand sich unwohl fühlt, sollte er etwas unternehmen."

Die gute Nachricht ist die: Ordnung machen kann eigentlich jeder. Fragt man Meike Suhre nach den wichtigsten Regeln dafür, dann sagt sie zunächst dies: "Man muss Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden." Wie wenig wirklich wichtig ist im Leben, merkt man an all den Sachen, die jahrelang ungenutzt im Schrank oder Keller stehen - weil Mutter sie uns zu Weihnachten geschenkt hat oder weil Opa, Gott hab ihn selig, daran so sehr gehangen hat. "In 80 Prozent unserer Zeit brauchen wir 20 Prozent der Dinge, die wir haben", sagt Suhre in Abwandlung eines Lehrsatzes des Ökonoms Vilfredo Pareto. Sie empfiehlt, die Dinge, die man benutzt (oder auch Kleidungsstücke, die man trägt), mit Klebepunkten zu markieren. Das Ergebnis könnte überraschen. Wer sich von Unwichtigem trennt (ein großer Wäschekorb, Abfalleimer und Papiercontainer helfen dabei), hat jedenfalls einen guten Schritt in Richtung Ordnung gemacht.

Ist der Haushalt von überflüssigen Ballast befreit, gilt: "Alles sollte seinen festen Platz haben. Sonst liegen die Sachen nur irgendwo herum." Und: Wer etwas Neues kauft, sollte man (mindestens) ein altes Stück wegwerfen. "Halte ich das Alte noch für zu gut, um es wegzuwerfen, sollte ich mich fragen, warum ich etwas Neues kaufe", empfiehlt Suhre.

Ordnung hat auch viel mit Struktur zu tun. Oma wusste das: mittwochs Markt, donnerstags Waschtag, samstags Wohnung saubermachen . . . Und sah's bei Oma nicht immer proper aus? "Oma hatte aber auch nicht so viele Sachen", sagt Meike Suhre mit Recht. Jedenfalls ist es sinnvoll, einen Termin festzulegen, an dem man Ordnung macht. Für den Keller kann dies ein Tag einmal im Jahr sein - aber nicht irgendwann, sondern zu einem geplanten Zeitpunkt, den man rechtzeitig für alles andere "blockiert". Fürs Büro reicht vielleicht eine halbe Stunde am Wochenende - sie sollte aber zu einem Ritual werden. Gerade im Büro häuft sich oft viel Unwichtiges an. "Manche Leute heben sogar die Briefumschläge der Schreiben auf, die sie bekommen." Kaufbelege können nach Ablauf der Gewährleistungsgarantie weggeworfen werden, sagt Suhre. Auch uralte Telefonrechnungen seien überflüssig. Kontoauszügen sollten man dagegen zehn Jahre lang aufbewahren, lautet ihr Rat. "Das ist wie eine Versicherung, denn das Beschaffen alter Auszüge bei der Bank kann richtig teuer werden." Noch weiter geht Suhre bei Immobilienbesitzern: "Solange man ein Haus besitzt, sollte man alles, was es betrifft, aufheben."

Wer sich vornimmt, 2017 Ordnung in sein Leben zu bringen, sollte auch dies beherzigen: "Gehen Sie in kleinen Schritten vor." Kleine Erfolge spornen an. Wer das Haus vom Keller bis zum Speicher auf einen Schlag aufräumen will, wird dagegen mit ziemlicher Sicherheit scheitern.

Sich von Dingen trennen, Ordnung ins eigene Chaos zu bringen - das kann unglaublich befreiend und beglückend sein. Meike Suhre hat dies bei Kunden oft erlebt. Unvergesslich ist für sie eine Frau, die ihr vor Glück weinend sagte: "Sie haben mir mein Leben zurückgegeben."

All jenen Zeitgenossen, die es trotz aller guten Vorsätze aber wieder einmal nicht schaffen, sich von ihrer Unordnung zu lösen, sei dieser Satz aus Meike Suhres großem Erfahrungsschatz gewidmet: "Sie sind nicht schlecht, nur weil sie nicht aufräumen."

Quelle: RP
 
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