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Neukirchen-Vluyn
Die Diakonie bereitet 18 Syrer auf eine Berufsausbildung vor

Neukirchen-Vluyn: Die Diakonie bereitet 18 Syrer auf eine Berufsausbildung vor
Die Kursteilnehmer überprüfen den Busfahrplan. FOTO: Kirchenkreis Moers
Neukirchen-Vluyn. Letzte Kontrolle an der Haltestelle in Neukirchen-Vluyn: Fährt der Bus auch zu der Zeit, die den jungen Männern, großenteils aus Syrien, vorher genannt wurde? Ja, alles ok. Dann kommt auch schon der Schnellbus. Sie fahren nach Duisburg zum Bildungszentrum Handwerk. 18 junge Männer sind es, die an der "Maßnahme zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen mit Bleiberechtsperspektive" teilnehmen.

Dass das möglich wird, ist zu einem großen Teil Karin Heintel zu verdanken. Die Mitarbeiterin der Grafschafter Diakonie gGmbH - Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers koordiniert für die Stadt Neukirchen-Vluyn die Flüchtlingsarbeit. Sie hatte von ähnlichen Initiativen gelesen und gemeinsam mit dem Bildungszentrum die Maßnahme für Neukirchen-Vluyn organisiert.

Sie umfasst einen 320-stündigen Einstiegskursus, in dem die Teilnehmer Deutschunterricht bekommen. Bezahlt wird er von der Bundesagentur für Arbeit. 600 Stunden Intergrationskurs, finanziert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schließen sich an. "Die Flüchtlinge haben so mehr als 900 Stunden Deutschunterricht, das ist ausreichend, um ein gutes Sprachniveau zu bekommen", erklärt Heintel, die früher selbst Deutsch als Fremdsprache unterrichtet hat. Anschließend machen die Flüchtlinge eine Ausbildung. 24 Monate inklusive eines halbjährigen Betriebspraktikums in Vollzeit lernen sie ihren neuen Beruf. Finanziert wird das über den Bildungsgutschein.

Ausgebildet werden die Teilnehmenden zum Elektroniker, Maler und Lackierer und Maurer. "Wir bilden sie nur in Berufen mit Zukunftsperspektive aus, also in solchen Berufen, die künftig am Arbeitsmarkt gebraucht werden", erklärt Dr. Frank Bruxmeier, Geschäftsführer beim Bildungszentrum Handwerk in Duisburg. "Deswegen sind wir auch sehr dankbar, dass die Diakonie in Neukirchen-Vluyn schon vorab die Eignungen der Flüchtlinge überprüft hat. Denn es sind anspruchsvolle Berufe. Gute Mathematik-Kenntnisse sind unabdingbar. Grundrechenarten zu beherrschen, reicht nicht aus."

Die Fähigkeiten der Flüchtlinge kennenzulernen, gehörte zum schwierigeren Teil der Arbeit der Flüchtlingskoordinatorin. Gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter entwickelte sie einen "Kompetenzfragebogen", vier weitere Ehrenamtliche befragten in den Unterkünften Frauen und Männer nach ihren Eignungen und der Motivation für eine Ausbildung in den möglichen Arbeitsgebieten. "Denn wer diese Ausbildung machen will, hat schwierige Jahre vor sich und muss genau einschätzen, ob es das ist, was er will", weiß Heintel. So gut waren die Ergebnisse des Fragebogens, dass die Arbeitsagentur bereits Interesse gezeigt hat und Einblick in den Pool an den ermittelten Fähigkeiten der Flüchtlinge haben möchte.

Dass die Motivation hoch ist bei den Männern, die im Projekt gestartet sind, steht für Heintel und Bruxmeier außer Zweifel. Bis zum Ende der Ausbildung werden fast drei Jahre vergehen mit Lernen und Üben. Während dieser Zeit sind die Männer täglich mehr als drei Stunden zu Fuß und mit dem Bus unterwegs.

Quelle: RP
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