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Neukirchen-Vluyn
"Die Polizei hat vorbildlich gehandelt"

Neukirchen-Vluyn. Polizeibeamte müssen oft Kritik aus der Bevölkerung einstecken. Hannelore M. aus Luit ärgert sich darüber. Sie ist den Beamten der Neukirchen-Vluyner Wache zutiefst dankbar: Diese fanden ihren vermissten Ehemann. Von Stefan Gilsbach

Kaum eine Institution hat in den vergangenen Monaten so viel öffentliche Prügel einstecken müsse wie die Polizei. Manche schimpfen, sie sei im Ernstfall zu lasch und greife nicht durch, andere bezeichnen sie als borniert und unfreundlich. Sie tue zu wenig gegen Gewalttäter und Einbrecher, ist zu hören, lauere stattdessen unbescholtenen Bürgern beim Blitzmarathon auf.

Doch die eigentliche Arbeit der Beamten findet oft unter dem Radar der Medien und der Öffentlichkeit statt. Hannelore M. aus Neukirchen-Vluyn findet, dass die Hilfeleistungen der Polizei zu wenig gewürdigt werden. Sie zumindest ist den Beamten der örtlichen Wache zutiefst dankbar. Ihr Ehemann leidet seit Jahren an einer Demenzerkrankung, und es kommt vor, dass er auf Spaziergängen die Orientierung verliert. Das passierte jüngst auch am 28. April. "Vor dem Frühstück ging mein Mann mit dem Hund raus und kam nicht wieder", erzählt Hannelore M.

Das Ehepaar wohnt in Luit, am südlichen Rand des Stadtgebietes, wo es ziemlich einsam und abgelegen ist. Bekannte des Ehepaares begannen mit der Suche, denn die Ehefrau selber ist wegen eines Knieleidens stark eingeschränkt.

Am Nachmittag rief Hannelore M. schließlich die Polizei an und schildert die Lage. Daraufhin machten sich unverzüglich zwei Beamte auf den Weg nach Luit, ohne dass Hannelore M. extra darum gebeten hatte. "Die beiden Herren waren ungemein einfühlsam und freundlich", sagt die ältere Dame. "Sie haben um ein Foto meines Mannes gebeten und sich für alle Fälle im Haus umgeschaut." Denn es komme vor, dass Vermisste ins Gebäude zurückkehren, ohne dass Angehörige das bemerken.

Zum Glück konnte der 74-Jährige nicht allzuweit von seinem Zuhause wohlauf gefunden werden. Der Ehefrau fiel ein Stein vom Herzen. Sie lässt auf die Polizei nichts kommen: "Das war einfach vorbildlich."

Die Suche nach vermissten Personen gehört tatsächlich zu den häufigen Aufgaben, mit denen sich die Polizeibeamten konfrontiert sehen, erklärt die Kreis Weseler Polizeisprecherin Andrea Margraf: "Im Jahr 2012 beispielsweise hatten wir rund 500 Fälle. Und es sind weniger Kinder und Jugendliche, sondern überwiegend ältere Menschen, nach denen dann gesucht wird." Die meisten von ihnen werden glücklicherweise gefunden, bevor ihnen etwas zustößt. "Im Sommer ist das Risiko natürlich geringer als in der kalten Jahreszeit", sagt Margraf. Die Angehörigen oder Pfleger sollten keine Hemmungen haben, die Nummer 110 zu wählen, wenn ältere Menschen vermisst werden. "Das ist schließlich unsere Aufgabe, und es spielt keine Rolle, ob die vermisste Person wieder aufgetaucht ist, bevor die Beamten eintreffen." Sicherheit geht vor.

In manchen Fällen, so jüngst in Wesel, setzen die Polizeikräfte auch Hubschrauber mit Wärmebildkameras ein. "Das hatte einige Beschwerden von Anwohnern zur Folge, die sich durch den Hubschrauber in ihrer Nachtruhe gestört fühlten", berichtet Andrea Margraf.

Wie man sieht: Die Polizei hat es schwer, es allen Bürgern recht zu machen.

Quelle: RP
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