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Neukirchen-Vluyn
Dong-Mühle bekommt neue Flügel

Neukirchen-Vluyn: Dong-Mühle bekommt neue Flügel
Von einer Plattform aus demontieren Mühlenbauer mit Hilfe eines Krans den letzten verbliebenen Mühlenflügel. Die kleinen Bilder entstanden in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. R. Müller Tillmann Bruckhaus. FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Neukirchen-Vluyn. Gestern hat ein Spezialunternehmen die bei einem Sturm beschädigten Flügel der alten Dong-Mühle demontiert. Bis heute Nachmittag sollen die neuen Flügel aus Lärchenholz komplett montiert sein. Von Jürgen Stock

Von Michel Kösters Arbeitsplatz müsste man einen Blick weit über Moers bis nach Duisburg hin haben. Aber der Zimmermann, der da gemeinsam mit seinem Kollegen Marco Langhorst mehr als 15 Meter über dem Erdboden auf einer Arbeitsbühne schwebt, hat an diesem Morgen keinen Blick für die Schönheiten der niederrheinischen Landschaft. Die Experten aus dem "Mühlenkreis" Minden-Lübbecke müssen die Flügel der alten Dongmühle demontieren, damit sich bis heute Abend der neue Rotor drehen kann. Denn nur so lange hat Hausherr Joachim Bürger den 100-Tonnen-Kran gemietet, der gerade in diesem Moment einen fast 20 Meter langen Balken vorsichtig zur Erde lässt.

"Das ist ein sogenannter Wellbalken. Auf ihm sitzen der Wellkopf und der Katzenstein", erläutert Christian Dunker, der im Auftrag der Zimmerei Möller aus dem Landkreis Minden-Lübbecke die alte Holländer-Windmühle wieder in Gang setzen soll. Von den alten Flügeln hatte Sturmtief Niklas ein Stück abgerissen, so dass alle vier 11,5 Meter langen Blätter erneuert werden mussten. Bei der Inspektion des Schadens stellte sich dann heraus, dass auch der Querbalken durch Wasser angegriffen war. Doch als der am Boden liegt, kann Dunker nach kurzer Begutachtung Entwarnung geben: "Der Schaden ist nicht so schlimm. Es reicht, wenn wir den Balken verstärken."

FOTO: Gerhard Bruckhaus

Neben Hausherr Bürger, der die Mühle und den Mühlenberg in den 80er Jahren für einen siebenstelligen Betrag restauriert und zu einem Wohn- und Geschäftsdomizil umgebaut hatte, wird auch Gerhard Bruckhaus (79) gespannt auf den Moment warten, in dem die neuen Mühlenflügel sich wieder drehen werden. Bruckhaus ist Enkel von Tillmann Bruckhaus, dem vorletzten Müller in der Dong-Mühle. Bruckhaus hat zwar selbst nicht mehr erlebt, wie sein Opa in der Mühle schuftete, aber da die Mühle auf vielen Familientreffen Gesprächsthema war, kann er sich noch an viele Dönekes aus der Zeit erinnern, als sein Großvater das Getreide für die Bauern in der Umgebung mahlte. So soll der Großvater mehr als einmal seinen Sohn Fritz mit den Worten "Fritz, et wait we mute mahlen", aus dem Bett gescheucht haben. Von seinem Vater weiß Bruckhaus auch zu berichten, dass der bei feststehenden Flügeln die Sparren wie eine Leiter bis in die Spitze hochgeklettert sei - mehr als 25 Meter über dem Erdboden

Bruckhaus war auch bei der Einweihung der ersten neuen Flügel dabei, die "Neu-Müller" Bürger im Jahre 1987 anbringen ließ - 25 Jahre, nachdem in der Dong das letzte Korn gemahlen wurde. "Ich bin dankbar", sagt Bruckhaus, "dass ich auch jetzt wieder beim Anbringen der neuen Flügel dabei sein darf."

FOTO: Gerhard Bruckhaus

Wie schon seit 1987 werden sich die Flügel allerdings nur auch Spaß an der Freund und aus Traditionspflege drehen. Dabei will Bürger auch einen alten Brauch wiederbeleben: "Früher ließen sich die Müllerburschen von den Flügeln herumwirbeln. Ich habe das auch schon mal ausprobiert und mich festbinden lassen. Das werden wir in Zukunft als ,wave spinning' anbieten - für Leute, die man mit Riverrafting und Bungee-Jumping nicht mehr locken kann."

Quelle: RP
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