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Neukirchen-Vluyn
Ein Fahrverbot soll Kröten schützen

Neukirchen-Vluyn: Ein Fahrverbot soll Kröten schützen
Mit Baken wird auf die Sperrung aufmerksam gemacht (von links): Tim Hartmann (Nabu), Bernd Finke (Untere Landschaftsbehörde), Marion May-Hacker (Agenda 21, Stadt Neukirchen-Vluyn) und Franz Reuter (Nabu). FOTO: Dieker
Neukirchen-Vluyn. Hunderte von Amphibien wurden im vergangenen Jahr auf der Straße "Alte Mühle" bei Dong überfahren. Auf Initiative des Nabu wird die Straße nun teilweise gesperrt. So können die Tiere gefahrlos ihre Laichgewässer erreichen. Von Stefan Gilsbach

Es ist ein widerwärtiger Anblick: Meter für Meter liegen zerquetschte Kröten auf dem Straßenpflaster, platt gefahren von Autos und Lastwagen auf der Straße "Alte Mühle" bei Dong. Die Amphibien wandern von ihrem Winterquartier im Wald in Richtung der östlich gelegenen Teiche. Doch viele lassen beim Überqueren der Straße ihr Leben. "Im vergangenen Jahr haben wir hier 150 plattgerollte Tiere gezählt: Kröten, Frösche und Molche", berichtet Franz Reuter vom örtlichen Naturschutzbund (Nabu). Manche dieser Arten sind selten geworden, stehen unter Naturschutz, ein solcher Massentod ist immer ein Rückschlag für den Naturschutz.

In diesem Jahr soll sich das nicht wiederholen. Franz Reuter, Till Hartmann und andere Nabu-Mitglieder haben daher darauf gedrängt, die Straße für einige Zeit zu sperren, damit die seltenen Tiere gefahrlos in die Teiche wandern und sich dort vermehren können. Mit im Boot waren die "Agenda 21" und die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Wesel.

Durchgesetzt wurde ein Durchfahrtverbot vom 18 Uhr bis 8 Uhr in der Frühe auf einem 380 Meter langen Teilstück der Straße. Während dieser Zeit können die Amphibien also gefahrlos wandern. Eine komplette Sperrung der Straße stieß auf den Widerstand der Freiwilligen Feuerwehr vor Ort. Für Notfälle ist daher ein Fahrweg freigelassen worden. Die Anwohner wurden bereits durch Handzettel informiert. "Die Leute zeigen für die Maßnahme durchaus Verständnis", sagt Marion May-Hacker, Agendabeauftragte der Stadt Neukirchen-Vluyn. Es sind vor allem Erdkröten (Bufo bufo), die sich nun aufmachen, um das Auskiesungsgewässer am nahen Solarpark zu erreichen. Doch auch Grasfrösche sowie Teich- und Bergmolche wurden schon gesichtet. Letztere haben auch eine größere Population an den Littardkuhlen. Kröten bewegen sich auf ihren Wanderungen langsam und werden daher leichte Opfer für heranfahrende Autos. Manche Tiere fallen auch in nicht gesicherte Kellerschächte und gehen dort zugrunde.

"Wir setzen auf das Verständnis der Anlieger und anderen Verkehrsteilnehmer, aber alle, die das von der Stadt angeordnete Fahrverbot nicht einhalten, verstoßen gegen die Straßenverkehrsordnung und müssen mit einem Bußgeld rechnen", sagt Bernd Finke von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises.

Marion May-Hacker fügt hinzu: "Es wird Stichproben der Polizei geben, ob Fahrer die Regelung einhalten." Die "Alte Mühle" ist zwar eine Anliegerstraße, aber das hält erfahrungsgemäß nicht jeden Fahrer ab, der nach einer Abkürzung sucht. Allerdings geht es bei der Aktion in erster Linie nicht um Bestrafung, sondern darum, die Aufmerksamkeit für das Problem zu wecken. Wenn es gelingt, den Amphibien-Bestand in der Dong zu bewahren, dann wird auch künftig zur Laichzeit aus den Teichen das vertraute "Ööök Ööök" der Kröten zu hören sein.

Quelle: RP
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