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Neukirchen-Vluyn
Ein neues Heim für bis zu 70 Flüchtlinge

Neukirchen-Vluyn. Die Stadt informierte gestern im Sport- und Freizeitpark Klingerhuf über die Pläne, ein Gebäude des CJD anzumieten. Anwohner rund um das CJD-Gelände waren zu dem Info-Abend eingeladen. Viele skeptische Fragen wurden gestellt. Von Josef Pogorzalek

Als gutes Zeichen betrachtete Bürgermeister Harald Lenßen es, dass gestern Abend "nur" rund 100 Bürger zur Infoveranstaltung über das neue Flüchtlingsheim der Stadt auf dem CJD-Gelände kamen. Das zeige, dass das Thema Flüchtlinge sich bei den Menschen "gesetzt" habe. Gerade nach dem Brand im Flüchtlingsheim an der Max-von Schenkendorff-Straße vom Vortag (wir berichteten) hätte Lenßen ein größeres Echo erwartet. Wie der Bürgermeister gestern berichten konnte, ist eine Brandstiftung aus fremdenfeindlichen Gründen auszuschließen. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass ein ehemaliger Bewohner das Feuer nach einem Streit gelegt hatte. Der Mann sei flüchtig. Lenßen betonte auch, dass der Feuerlöscher in der Einrichtung, anders als zunächst berichtet, sehr wohl funktionstüchtig war. "Er wurde aber nicht richtig gehandhabt."

Nach dieser Einleitung ging es dann um die wachsenden Flüchtlingszahlen, die der Stadt - wie anderen auch - zugewiesen werden. Gab es 2013 nur 80 Flüchtlinge in Neukirchen-Vluyn, so waren es Ende 2014 schon 132. Derzeit sind es 155, bis zum Ende des Jahres wird mit 201 Asylsuchenden gerechnet. Die Unterkünfte der Stadt reichen nicht aus. Auch die Herrichtung der Dörpfeldschule als Flüchtlingsheim habe sich als nicht ausreichend erwiesen. Die Bereitschaft von privater Seite, Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, tendiere gegen null. Auf der Suche nach Alternativen sei die Stadt auf das CJD-Gelände gestoßen. Ein Wohngebäude des CJD soll für zunächst zwei Jahre gemietet werden. In der Regel 60, bei Engpässen bis zu 70 Flüchtlinge sollen dort unterkommen können. Da das Gebäude vor zehn Jahren modernisiert wurde, sei es auf dem Stand der Zeit. Die 18 Zimmer verfügten über eigene Nasszellen. Lediglich bei den Toiletten seien möglicherweise einige Anpassungen nötig, das hänge davon ab, welche Flüchtlinge der Stadt zugewiesen werden. Man gehe davon aus, so der Erste Beigeordnete Geulmann, dass auch Familien darunter sein werden. Die Kosten der baulichen Anpassungen werden auf 10 000 bis 15 000 Euro beziffert. Auch Feuerlöscher müssen angeschafft und Rauchmelder installiert werden.

Aus den Äußerungen der Bürger - größtenteils Anwohner des CJD-Geländes - sprach einerseits die Bereitschaft, die Flüchtlinge aufzunehmen, andererseits aber auch Skepsis. Sorgen wurden laut, dass die anderen, leerstehenden CJD-Gebäude "in Beschlag" genommen werden könnten. Es wurde gefragt ob und wie diese gesichert werden sollen.

Eine Anwohnerin äußerte Befürchtungen, dass sie durch die Nutzung des Sportplatzes hinter dem Wohngebäude (es handelt sich um das Haus Nr. 9) gestört werden könnte. Schon früher sei er "von früh bis spät" als Bolzplatz genutzt worden. "Es war erbärmlich." Auch sei früher in ihren direkt an das CJD-Gelände angrenzenden Garten eingebrochen worden. Vorgeschlagen wurde auch, dass den Flüchtlingen die Nutzung der Wiese vor dem Haus untersagt werden sollte, damit Anwohner von gegenüber nicht gestört werden.

Der Bürgermeister betonte, dass die Flüchtlinge intensiv betreut werden. In diesem Rahmen wolle man sie darauf hinweisen, sich so zu benehmen, wie es hier üblich sei. "Wir erwarten aber auch ein Ihnen eine gewisse Bereitschaft, die Menschen anzunehmen", sagte Lenßen in Richtung der Anwohner.

Quelle: RP
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