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Neukirchen-Vluyn
Ein Stadtteil im Entstehen

Neukirchen-Vluyn: Ein Stadtteil im Entstehen
Originelles Design zeichnet die Spielplätze auf Niederberg aus (oben), obwohl laut Timo Glantschnig nicht alle Kinder von den Spielmöglichkeiten begeistert sind. Rechts: Glantschnig und Nachbar Theo Schulte vor dem Weihnachtsbaum am Juraweg. Die RAG hatte sich nach mehreren Anfrage bereiterklärt, dafür eine Vorrichtung zu schaffen. FOTO: Stoffel, Arnulf (ast)
Neukirchen-Vluyn. Niederberg kann man beim Wachsen zusehen. Es gibt schon ein Gemeinschaftsgefühl. Von Stefan Gilsbach

Kinder, wie die Zeit vergeht: Nur wenige Jahre ist es her, da ging der Blick von der Niederrheinallee zwischen Vluyn und Neukirchen noch über ein wild bewachsenes Niemandsland. Mittlerweile ist, als hätte jemand auf Schnelldurchlauf gedreht, auf dem ehemaligen Zechenareal ein neuer Stadtteil in die Höhe gewachsen: Niederberg oder "der Bindestrich zwischen Neukirchen und Vluyn", wie es Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens gern formuliert.

Selten lässt sich das Entstehen eines neuen Viertels so unmittelbar erleben wie hier. Man kann gewissermaßen beim Wachsen zusehen. Noch gibt es jungfräulichen Boden rund um manche Häuser, wo einmal ein schicker Garten hergerichtet werden soll. Die neuen Straßenschilder stehen bereits: Juraweg, Kreideweg, Carbonweg, Moränenweg - die Bergbaugeschichte soll präsent bleiben. Die Straße Dicksche Heide wiederum nimmt einen alten Namen auf, der auch noch auf dem Backstein der ehemaligen Bahnstation prangt. Ansonsten umgeben den Besucher hier nur Neubauten, manche eher traditionell mit Satteldächern, andere klassisch-modern als Kubus.

Auch wenn erst vor einigen Jahren die Besiedlung der Fläche begonnen hat, die Ansätze eines Niederberg-Bewusstseins bei den Bewohnern gibt es schon. Ein Stück daran mitgewirkt hat Timo Glantschnig, der die Internet-Seite www.niederberg-netzwerk.de entwickelt hatte, ein Forum zum Austausch über alles, was die Neubürger so beschäftigt. "Wir tauschen uns zum Beispiel über die Fortschritte beim Bauen aus, über Bodengutachten und ähnliches", sagt der 36-Jährige. Oder über den Wunsch vieler Bürger, dass das Tempo 30 auf der Straße Dicksche Heide dauerhaft erhalten bleibt. Glantschnig schätzt, dass etwa 60 Prozent der Neusiedler von auswärts kommen, also nicht aus Neukirchen-Vluyn stammen. Und doch ist ein wachsendes Gemeinschaftsgefühl zu spüren, erkennbar etwa an dem eigenen Martinszug, der seit 2014 durchgeführt wird. "Es war uns wichtig, diese Tradition hier zu etablieren", sagt Glantschnig, selber Familienvater. Und zum jüngsten Fest gab es, nur wenige Schritte von seinem Haus entfernt, auch einen Weihnachtsbaum. Dort begegnet Glantschnig einem seiner Nachbarn, Theo Schulte (62). Beide berichten, wie die RAG Montan Immobilien bewogen werden konnte, eine Vorrichtung zu installieren, damit künftig der Christbaum aufgestellt werden kann. Kein Zweifel, traditionelle Symbole wie dieses tragen dazu bei, dass die Menschen hier ein Heimatbewusstsein entwickeln. "Es wurde sogar mal über einen eigenen Heimatverein gesprochen", sagt Glantschnig. Aber das sei noch halb im Scherz gewesen. Noch ist das Viertel ja im Entstehen, ein neues Wohnquartier im östlichen Bereich wird soeben erst vermarktet. Und dennoch gibt es schon so etwas wie "Viertels-Folklore", wenn beispielsweise ein bestimmtes, prächtiges Haus im Volksmund "Schloss Niederberg" betitelt wird.

Und nun gibt es seit einigen Wochen auch die Kindertagesstätte Niederberg, auf der freilich nicht alle Bewohner ihre Kinder anmelden konnten. "Wie ich gehört habe, ist die Einrichtung für zwei Jahre komplett ausgebucht", sagt Glantschnig. Dennoch weiß er, dass ein Kindergarten immer ein belebender Faktor für eine Siedlung ist. "Vielleicht können wir im Jahr 2016 ja unseren Martinszug schon gemeinsam mit dem Kita-Team organisieren."

Quelle: RP
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