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Neukirchen-Vluyn
Eine fantasievolle Mozart-Aufführung

Neukirchen-Vluyn: Eine fantasievolle Mozart-Aufführung
Publikumsliebling Papageno (Rolf Hennig) muss sich von den drei Damen der Königin der Nacht auch Ermahnungen wegen seiner Flunkerei anhören. FOTO: siwe
Neukirchen-Vluyn. Das Publikum in der Kulturhalle bejubelte die Aufführung der "Zauberflöte" durch die Musikschule Neukirchen-Vluyn. Von Petra Riederer-Sitte

Seit Jahren wird die Hitliste im Bereich Oper von Mozarts "Zauberflöte" angeführt. Auch in der Musikschule Neukirchen-Vluyn stand sie schon lange auf der Wunschliste. Vor fünf Jahren führte die engagierte Gesangspädagogin Gabriele Hegemann mit ihren Sängerensembles Mozarts "Figaro" in einer gekürzten Version auf. Nach dem grandiosen Erfolg, der im vergangenen Jahr mit einer Aufführung von Händels "Messias" fortgesetzt wurde, kam immer wieder die Frage auf, ob man nicht auch einmal die "Zauberflöte" einstudieren könne.

Lange scheiterte es an der Rolle der Königin der Nacht, für die es keine geeignete Sängerin gab, bis Gabriele Hegemann endlich die gute Nachricht verkünden konnte: "Wir haben die Chance, denn wir haben jetzt eine Königin der Nacht." Doch bis zur Aufführung in der ausverkauften Kulturhalle sollte noch über ein Jahr vergehen.

"Ich wusste, was da auf mich zukommt, aber ich habe es nicht bereut", sagt Hegemann. Ihre Intention war in erster Linie pädagogisch. Das gemeinsame Lernen, der Spaß, das Verstehen geschichtlicher Hintergründe und die Entwicklung von Fähigkeiten sollten bei dem Projekt mehr im Vordergrund stehen als sängerische Leistungen Einzelner. Die Anfänge gestalteten sich schwierig. Aus der ursprünglichen Idee, die "Zauberflöte" mit tanzenden Kindern aufzuführen, wurde in Zusammenarbeit mit Produzentin Ulrike Reichelt eine Mischung aus Live-Aufführung und Videoprojektionen, für die der Kölner Videokünstler Ludwig Kuckartz Schüler der Theodor-Heuss-Realschule und der Städtischen Gesamtschule NV aufgenommen hatte, so dass die Aufführung vor einem fantasievollen, manchmal fast surreal wirkenden Bühnenbild stattfinden konnte. Schlichte weiße Kostüme, in vielen Arbeitsstunden eigens genäht, verliehen dem Ganzen ein feierliches Flair. Mangels eines Orchesters, das durch die drei Musikschulpianisten Jolanta Chmielniak, Lydia Heinemann und Friedrich Thiemann souverän ersetzt wurde, startete die Oper ohne Ouvertüre gleich mit Taminos Flehen: "Zu Hilfe, zu Hilfe, sonst bin ich verloren..."

Um den Sängern nicht zuviel Text zumuten zu müssen, hatte Gabriele Hegemann das Libretto "abgespeckt", doch im Kern blieb die Geschichte erhalten. Mit großem Engagement verkörperten die Laiensänger ihre Rollen, allen voran Markus Paek als sympathisch zurückhaltender Tamino, Christiane Burbat im 1. und Bärbel Wolter im 2. Akt als verzweifelte Pamina, Rolf Hennig als Publikumsliebling Papageno, der mit einem Zitat aus Rolf Zuckowskis "Weihnachtsbäckerei" die Zuhörer zum Lachen brachte, und vor allem die erst 20-jährige Sara Kühnemund als Königin der Nacht, die mit der Rachearie das Publikum begeisterte. Der Opernchor mit Sängern zwischen 20 und 80 Jahren sorgte für effektvolles Theaterambiente. Dazwischen wuselten die kleinen Darsteller auf der Bühne, tanzten und sangen, fesselten Pamina und transportierten Requisiten. Nach knapp drei Stunden waren die Prüfungen bestanden, Papageno hatte seine Papagena, Tamino und Pamina waren in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen. Ende gut, alles gut - jubelnder Applaus und Bravorufe. "Ich bin dankbar, dass es so gut gelaufen ist. Alle sind über sich hinausgewachsen und haben nach ihren Möglichkeiten ihr Bestes gegeben", freute sich Gabriele Hegemann. "Wir haben gezeigt, dass die Musikschule etwas auf die Beine stellen kann, was Wellen schlägt."

Quelle: RP
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