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Neukirchen-Vluyn/Moers
Einst Blütenpracht, nun Schotterwüste

Neukirchen-Vluyn/Moers: Einst Blütenpracht, nun Schotterwüste
Dieser Garten mit blühenden Pflanzen bietet Tieren ideale Bedingungen. FOTO: Christoph Reichwein
Neukirchen-Vluyn/Moers. Naturschützer beklagen, dass immer mehr Hausbesitzer ihre Vorgärten in steinige, entgrünte Flächen umwandeln. Besonders kleinen Tieren fehlten so Lebensräume. Von Stefan Gilsbach

Wenn Franz Reuter und seine Mitstreiter aus der Nabu-Ortsgruppe durch die Stadt gehen, macht ihnen der Anblick der Vorgärten wenig Freude. "Es ist leider Mode geworden, die Gärten so steril zu gestalten", beklagt der Vorsitzende des Naturschutzbundes in Moers und Neukirchen-Vluyn. Anstatt grüner Hecken werden Steine in Drahtkörben aufgeschichtet, anstatt blühender Beete deckt Schotter den Boden. Nicht nur für das Auge der Naturfreunde ist das unerfreulich, sie befürchten auch ökologische Folgen. "Das sind Flächen, die der Natur fehlen", stellt Franz Reuter klar. Besonders für Insekten sei das Verschwinden der Vorgärten eine Katastrophe. "Für diese Tiere bieten die blütenreichen Vorgärten ein Paradies." Von den sprießenden Gärten profitieren auch die Singvögel.

Fachleute sprechen bereits von einer "Verschotterung" des privaten Grüns. Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen hat eine Initiative "Rettet die Vorgärten!" ins Leben gerufen. Dietmar Schnapp ist der Vorsitzende dieses Verbandes in den Kreisen Kleve und Wesel. Beim Thema Schotter in den Vorgärten kommt er gleich in Fahrt: "Ich lehne das mittlerweile kategorisch ab, obwohl viele Kunden es unbedingt haben wollen." Die Vorstellung, mit der Steindecke Ruhe vor der Gartenarbeit zu haben, sei trügerisch, versichert der Fachmann. "Die Wildkräuter wachsen auch durch den Schotter, gerade die tiefwurzelnden Arten, die man dann nur schwer wieder rauskriegt. Ich kenne Fälle, bei denen die Flächen nun völlig von Ackerschachtelhalm und Brombeeren bedeckt sind."

Auch wer hoffe, mit einem Unkraut-Vlies, das unter der Schotterschicht ausgebreitet wird, nach oben keimendes Grün auf Dauer abzuhalten, der täusche sich. "So ein Vlies hält die Pflanzen nur einige Zeit zurück, aber die enthaltenden Herbizide gelangen in das Grundwasser", erläutert Dietmar Schnapp. Wenn irgendwann hartnäckiges Kraut aus den Steinen sprießt, das sich zwischen den Steinchen kaum jäten lässt, greifen erfahrungsgemäß die Gartenbesitzer erst recht zur chemischen Keule. "Auch das geht wieder ins Grundwasser", sagt Schnapp. Unterm Strich kann er in dem Trend zum Schottergarten nicht die geringsten Vorteile erblicken. Wie der Nabu in seiner Verbandszeitschrift am Niederrhein mitteilt, hat der traditionelle Vorgarten auch finanzielle Vorteile: "Jeder versiegelte Quadratmeter erhöht die jährliche Abwassergebühr für Regenwasser."

Quelle: RP
 
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