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Neukirchen-Vluyn
Erinnerungen an den Bergbau

Neukirchen-Vluyn: Erinnerungen an den Bergbau
Das historische Foto aus dem Jahr 2018 zeigt den Bau eines Förderturms auf dem Niederberg-Gelände. FOTO: NBAG Schlosserkameradschaft
Neukirchen-Vluyn. Mit einer Diashow illustrierte die Schlosserkameradschaft ein knappes Jahrhundert Niederberg-Geschichte. Von Sabine Hannemann

Mit solch einer solchen Resonanz hatte Josef Schröder, Vorsitzender der Schlosserkameradschaft, nicht gerechnet. Im Festsaal des Sport- und Freizeitparks Klingerhuf mussten Stühle nachgestellt werden, damit alle Interessierten Platz fanden. Zu einem Vortrag mit historischen Bildern aus über 100 Jahre Bergbau in Neukirchen-Vluyn hatte die Kameradschaft eingeladen. Sogar Kumpel aus dem Siegerland reisten an.

"Der Termin hätte besser nicht sein können. Am 4. Dezember feiern wir Bergleute das Fest zu Ehren der Heiligen Barbara, unserer Schutzheiligen", so Josef Schröder. Hinzu kam, dass im Oktober 1917 die Niederrheinische Bergwerks AG (N.B.A.G) mit der Förderung der ersten Kohle begonnen hatte. Genau am 1. Oktober wurden die ersten 21 Kohlewagen gefördert. "Heute wissen wir, wie sehr der Bergbau nicht nur das Leben der Menschen geprägt hat. Er hat maßgeblich dazu beitragen, dass sich Neukirchen und Vluyn so entwickeln konnten", sagte Schröder, dem es auch um Pflege der Bergmannsgeschichte geht, die allmählich aus den Museen verschwindet.

Mit Pferdefuhrwerken wurde die geförderte Kohle abtransportiert. FOTO: zugesandt von der NBAG Schlosserkameradschaft

Der Bergbau sorgte für Arbeit und florierenden Handel sowie soziales Engagement mit dem Bau von Kindergärten. Akribisch hat Josef Schröder alle historischen Dokumente, ob Fotomaterial, Schriftstücke und Zeitungsausschnitte gesammelt. Entstanden ist ein beeindruckendes Werk, das in längst vergangene Zeiten mitnimmt, so auch bei der 45-minütigen Diaschau. "Viele Gäste kannten die Zeche noch aus Erzählungen vom Vater oder Großvater, andere haben selber noch auf Niederberg gearbeitet", so Schröder über das starke Besucherinteresse. Speziell über das Bergmannsleben unter Tage wollte das Publikum mehr wissen. "Die Kameradschaft und der Zusammenhalt unter Tage haben uns geprägt", so Schröder.

Zu den Dokumenten gehört beispielsweise die Urkunde vom 29. Juni 1857, wonach auf 24.094 Morgen 132 Personen eine Konzession verliehen wurde. Erste Bohrungen 1858/59 erfolgten im Feld "Norddeutschland", das 1907 an Krupp verkauft wurde. 1925 erwirbt es die benachbarte Zeche Friedrich Heinrich. Schnell wird die Zeche zum großen Arbeitgeber. 1918 arbeiten bereits 900 Kumpel im Bergbau. In Spitzenzeiten wie beispielsweise 1958 sind es 5461 Menschen, die in Lohn und Brot stehen. In den Spitzen gehört das Jahr 1982 mit einer Gesamtfördermenge von 2,85 Millionen Tonnen. Die Namen der verschiedenen Bergwerksdirektoren und -Assessoren finden sich heute noch im öffentlichen Raum wieder. So liegt der Sport- und Freizeitpark Klingerhuf an der Fritz-Baum-Allee.

Das Zechengelände in den 1970er oder 80er Jahren. FOTO: zugesandt von der NBAG Schlosserkameradschaft

"Das Besondere war unsere hochwertige Magerkohle für den Hausbrand, aber auch die Technologie in der Kohleförderung. Oder der schnellste ICE unter Tage, der die Bergleute zur Arbeit fuhr", so Schröder. Ende 2001 wurde die Schachtanlage Niederberg stillgelegt.

Weitere Infos und Bilder unter www.niederberg.de.tl

Quelle: RP
 
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