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Neukirchen-Vluyn
Erntehelfer überlebt dank rascher Hilfe

Neukirchen-Vluyn. Ein rumänischer Saisonarbeiter auf Gut Bloemersheim hat einen Herzstillstand erlitten und wohl nur deswegen überlebt, weil die Menschen vor Ort richtig gehandelt haben. Ein Beispiel, wie wichtig die nötige Vorsorge sein kann. Von Stefan Gilsbach

Wer Constantin Caciur in diesen Tagen begegnet, käme nicht auf die Idee, dass er vor zwei Wochen beinahe den Herztod gestorben wäre. Der 47-jährige Rumäne wirkt weder blass noch hinfällig. "Mir geht es gut", versichert er. Nur eine kleine Narbe auf der Brust verrät, was er mitgemacht hat.

Es passierte am 16. September. Caciur ist in dieser Saison Helfer bei der Apfelernte auf der Obstplantage des Guts Bloemersheim. Gegen 6.45 Uhr ist er auf dem Weg zur Arbeit, als sein Herz plötzlich aussetzt. Caciur bricht zusammen. Daniel Burduj, ebenfalls Erntehelfer, beginnt sofort mit der Herzdruckmassage, sein Kollege Martin Czelusniak verständigt Betriebsleiter Falk Dottermusch. Der alarmiert den Notarzt und Alexandra von der Leyen. Die 26-Jährige Tochter des Hauses studiert Medizin in Mainz. Außerdem schickt Dottermusch einen weiteren Mitarbeiter zur L 140, der den Rettungswagen zum abgelegenen Unglücksort bugsieren kann.

Gestern schauten die Beteiligten auf diese dramatischen Stunden zurück. Jeanette Freifrau von der Leyen hatte dazu ins Schloss eingeladen. Ihr Anliegen: auf die richtige Vorsorge aufmerksam machen. Denn sonst wäre die Rettung von Constantin Caciur vielleicht nicht geglückt.

Zu dieser Vorsorge gehört, dass es auf Bloemersheim einen Defibrillator gibt. Das hat eine Vorgeschichte: "Ich hatte im Februar 2014 an dem Seminar "Herzensangelegenheiten", einer Aktion des Autohauses Nühlen und des Krankenhauses Bethanien, teilgenommen", erzählt Jeanette von der Leyen. Anlass war ein bestürzender Vorfall auf dem Moerser Altmarkt: "Ein Mann brach zusammen - und starb, weil niemand Erste Hilfe leisten konnte." In Folge dieses Seminars hatte von der Leyen den Arzt, der Mitglied des von ihr initiierten Fördervereins "Grancino" ist, gefragt, ob er für das Kammermusikfest Kloster Kamp und die Kamper Konzerte einen Defibrillator ausleihen könnte. Der Arzt, der gern ungenannt bleiben möchte, spendete schließlich einen vollautomatischen Defibrillator dem Verein "Kammermusikfest Kloster Kamp".

Rückblende zum 16. September: Nur fünf Minuten, nachdem Caciur zusammengebrochen ist, treffen Alexandra und Jeanette von der Leyen am Unglücksort ein. Alexandra koordiniert die weitere Herzdruckmassage und versucht, die Atemwege des Patienten frei zu bekommen. Ihre Mutter legt die Elektroden des Defibrillators an. Drei Schocks löst das Gerät aus, bis der Notarzt eintrifft und übernimmt.

Constantin Caciur hat überlebt, weil die Menschen in seiner Umgebung im entscheidenden Moment richtig gehandelt haben. "Auch den Notärzten muss man großes Lob spenden", sagt Professor Dr. Stefan Möhlenkamp. Der Chefarzt der Kardiologie im Krankenhaus Bethanien war gestern ebenfalls nach Bloemersheim gekommen, ebenso Dr. Hans Nühlen, der ankündigte, dass es eine Wiederauflage von "Herzensangelegenheiten" geben soll.

Das Ehepaar Constantin und Elena Caciur plant derweil dankbar ein großes Fest - ihre Silberne Hochzeit.

Quelle: RP
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