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Neukirchen-Vluyn
Flüchtlinge feiern mit ihren Nachbarn

Neukirchen-Vluyn: Flüchtlinge feiern mit ihren Nachbarn
Auf der Wiese vor der Flüchtlingsunterkunft am Hugengraben kamen die Besucher rasch ins Gespräch. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Zu einem Begegnungstag hatten die Flüchtlingsbetreuer zur Unterkunft am Hugengraben eingeladen. Bei Kaffee und Kuchen kamen sich die Bewohner und die einheimischen Gäste näher. Von Stefan Gilsbach

Kuchen wird auf Teller verteilt, Kaffee und Tee eingegossen, und an den langen Holztischen kommen die Gespräche in Gang. Einige junge Männer spielen am Kicker. Hier, auf dem Rasenstück vor der Flüchtlingsunterkunft am Hugengraben, begegnen sich heute Flüchtlinge und Einheimische. Es ist das dritte Begegnungsfest, das vom "Treff 55", der Grafschafter Diakonie organisiert wird, unterstützt durch die ökumenische und die direkten Flüchtlingshilfe. "Das erste Fest war an der Dörpfeldschule, und es war ein großer Erfolg", erinnert sich Karin Heintel. Unter den Gästen war damals auch Anja Schreiber-Tönnißen. Sie war von der Feier sehr angetan und sprach die Leiterin des "Treff 55", Anneke van der Veen, an, ob sie sich nützlich machen könnte. Und tatsächlich gab es genug zu tun, zum Beispiel Fahrdienste und Hilfe beim Einkaufen. "Ich war sogar schon einmal im Kreißsaal dabei", sagt Schreiber-Tönnißen und lacht. "Allerdings ohne ein Ergebnis." Kurz gesagt: Sie ist ein Mitglied des "Willkommen-Teams" der Diakonie geworden.

Zu denen, die solche Hilfestellungen in Anspruch nehmen, gehört Farid Hassani. Er kam vor etwa einem Jahr aus Afghanistan nach Deutschland. Der 35-Jährige ist ein versierter Mechaniker, der mittlerweile mehrmals die Woche ehrenamtlich die Standorte der Flüchtlingsunterkünfte abfährt und Reparaturen ausführt.

Zu der Feier sind auch Vertreter der Verwaltung und der Politik gekommen. Die Beigeordnete Margit Ciesielski geht davon aus, dass bis Ende des Jahres keine neuen Flüchtlinge nach Neukirchen-Vluyn kommen werden. Die Stadt habe die Quote erfüllt, nun seien erst mal andere Kommunen dran.

Es herrscht eine angenehme Atmosphäre an diesem Spätnachmittag. Man kennt sich, schüttelt Hände, klopft sich kameradschaftlich auf die Schulter. Franz Bächle wird von Reza Jalili begrüßt. Bächle ist ehrenamtlicher Integrationshelfer, und Jalili gehört zu den Flüchtlingen, die er betreut. Der 67-Jährige engagiert sich gern: "Ich habe einen positiven Eindruck, es ist eine dankbare Aufgabe."

Dankbar ist auch Reza Jalili, der vor einem Jahr aus dem Iran geflohen ist. Er spricht ein wenig Deutsch, doch wenn das nicht reicht, hilft Nurtekin Korkut als Dolmetscher aus. Korkut ist stellvertretender Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde. Jalili spricht wie viele Flüchtlinge aus dem Nahen Osten auch Türkisch. "Das Problem ist, dass die Flüchtlinge wenig Kontakte zur deutschen Bevölkerung haben", übersetzt Korkut den 52-jährigen Iraner. So biete sich selten die Möglichkeit, die deutschen Sprachkenntnisse zu erproben und zu vertiefen. Doch davon abgesehen fühlt sich Reza Jalili hier wohl. Die Einheimischen, mit denen er zu tun hat, seien freundlich.

Der Neukirchen-Vluyner Rat zeigt sich mit der Flüchtlingsbetreuung durch die Diakonie-Mitarbeiter sehr zufrieden und hat gerade erst einer unbefristeten Verlängerung des Vertrages zugestimmt. Unterstützung können die Betreuer immer gebrauchen, sei es durch Geld-, Sach- oder Lebensmittelspenden oder durch persönliches Engagement. Franz Bächle hat die Erfahrung gemacht: "Ohne Ehrenamtler geht es nicht."

Die Koordinierungsstelle der Flüchtlingshilfe ist unter Telefon 02845 21653 zu erreichen.

Quelle: RP
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