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Neukirchen-Vluyn
Flüchtlinge gründen Fußballmannschaft

Neukirchen-Vluyn: Flüchtlinge gründen Fußballmannschaft
Auf dem Kunstrasenplatz am Sportzentrum übten gestern die Fortuna-Spieler auch den Torschuss. FOTO: Dieker
Neukirchen-Vluyn. Die jungen Männer nennen sich "FC Fortuna Neukirchen-Vluyn". Das Projekt kann auf Fördergelder zurückgreifen. Von Sabine Hannemann

Diese Hobbykicker nennen ihren Club "FC Fortuna Neukirchen-Vluyn". Nicht von ungefähr. Das Quäntchen Glück war den Männern aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan hold. "Sie haben vor den Unterkünften am Hugengraben und auf der Wiesfurthstraße gekickt. In der Nachbarschaft kam das nicht immer gut an", erzählt Karin Heintel, Leiterin Koordination Flüchtlingshilfe bei Grafschafter Diakonie, die zum Diakonischen Werk im Kirchenkreis gehört.

Gemeinsam mit Naser Alkhalil, der als ehrenamtlicher Sprachkoordinator Karin Heintel half, wurde die Idee geboren und immer schärfer: eine Hobbymannschaft, in der möglichst viele junge Männer regelmäßig trainieren können und ihr spielerisches Talent auf dem Fußballfeld erproben können. Bis ein geordnetes Spiel im Mannschaftsdress und ein Training mit entsprechenden Utensilien stattfand, wurden diverse Hürden erfolgreich genommen - ganz nach dem Motto "Viele Hände, schnelles Ende." Karin Heintel beantragte Fördermittel aus dem Programm "500 Landinitiativen" bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. "Ich hatte davon gelesen und fand die Ausschreibung passte genau auf diese Gruppe und ihre Integration in unsere ländliche Struktur", erinnert sie sich. Der Antrag wurde positiv beschieden. Seit Mai steht für zehn Monate das Fördergeld zur Verfügung.

Franz Frings, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, handelte ebenso beherzt und beantragte beim Landesportverband Mittel aus dem Programm "Sonderförderung Flüchtlinge 500 x 500 Euro". "Von den 500 Euro haben wir zunächst Sportkleidung eingekauft", sagt er.

Heute laufen die Kicker der Hobbymannschaft in einheitlichem Outfit auf dem Kunstrasenplatz am Schulzentrum Tersteegenstraße zwei Mal die Woche auf, immer freitags und sonntags. Anderthalb Stunden Trainingszeit haben sie und kicken nach allen Regeln der Kunst. Drei spielen sogar in örtlichen Vereinen. Eingeladen wurden die Hobbykicker schon zu Freundschaftsspielen. Hinzu kommt ein Lauftraining, das Trainerin Manal Abbood anbietet. Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 20 und 25 Männern im Alter von 16 bis 62 Jahre. Heintel: "Alle haben Bleibeperspektive und genießen subsidiären Schutz. Viele sind bereist in weiteren Maßnahmen."

Naser Alkhalil, der nach seiner Flucht seit 2015 in Neukirchen lebt, hat alles im Blick. "In meiner Heimat Syrien habe ich im Verein gespielt. Wie gut der Fußball der Gruppe tut, sieht man sofort", sagt der Jurist. Fachliche Unterstützung bekamen er und Imad Ibrahim, zweiter Trainer, zu Projektbeginn von TuS Preußen. Trainer Norman Kellermann verhalf zum gelungenen Start. FC Fortuna Neukirchen-Vluyn ist mehr als eine spielfreudige Hobbymannschaft. Integration wird gelebt, wie Koordinatorin Heintel erläutert. "Die Verständigungssprache ist Deutsch. Das Training sorgt für klare Strukturen und für Hilfe zur Selbsthilfe. Die Teilnehmer erfahren, was Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Teamgeist bedeuten."

Quelle: RP
 
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