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Neukirchen-Vluyn
Fromme Bücher - finden sie noch Leser?

Neukirchen-Vluyn: Fromme Bücher - finden sie noch Leser?
Hans-Wilhelm Fricke-Hein, Direktor des Neukirchener Erziehungsvereins (Mitte), und Christoph Siepermann, Geschäftsführer der Neukirchener Verlagsgesellschaft (rechts), im Gespräch mit dem SPD-Landtagsabgeordneten René Schneider über Veröffentlichungen des Verlages. FOTO: Christoph Reichwein
Neukirchen-Vluyn. SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider war gestern zu Besuch bei der Neukirchener Verlagsgesellschaft. Dort sprach er mit Vereins- und Geschäftsführung über religiöse Literatur und ihre Bedeutung beim heutigen Publikum. Von Stefan Gilsbach

Vor einigen Jahrzehnten lag es noch auf vielen Nachttischchen, das christliche Erbauungsbuch. Doch wie sieht es damit heute aus? Welche Schwerpunkte setzt ein betont religiöser Verlag? Diese Fragen stellte René Schneider gestern bei seinem Besuch in der Neukirchener Verlagsanstalt. Für den SPD-Landtagsabgeordneten war es eine weitere Station seiner Sommertour, bei der er die Begegnung mit Priestern und anderen Vertretern des religiösen Lebens gesucht hatte.

Empfangen von Verlagsleiter Christoph Siepermann und dem Direktor des Neukirchener Erziehungsvereins, Pastor Hans-Wilhelm Fricke-Hein, erkundigte sich Schneider, welche Leser heute noch zum christlichen Buch greifen. "Das sind vor allem zwei Gruppen", sagte Siepermann. "Engagierte Gemeindemitglieder und Damen jenseits der 40." Letzteres vielleicht, weil ab diesem Alter die Kinder langsam flügge werden und die Mütter ihren Freiraum mit neuen Inhalten füllen. Grundsätzlich stelle man fest, dass das Publikum "ökologisch angehaucht" sei. "Wir sind mit einigen unserer Bücher sogar in Esoterik-Regalen gelandet", räumt der Verlagschef ein. Pastor Fricke-Hein ergänzte: "Der Bereich der Geschenkbücher nimmt einen immer größeren Bereich ein." Im Zeitalter von Internet-Anbietern wie Amazon spiele oft der Logarithmus der Suchmaschine eine wichtiger Rolle beim Erfolg von Büchern als der Inhalt, meint Siepern

Die bekannteste Publikation des Verlages ist der Neukirchener Kalender, der weltweite Verbreitung hat. "Inzwischen gibt es ihn auch als App", sagt Siepermann. 1500 User nutzten dieses Angebot. Mittlerweile bietet der Verlag auch "Talk Boxen" an, Metalldosen mit Fragekarten. Diese Dosen beziehe man aus China, erklärte Siepermann auf Schneiders Frage, ob man denn auch bei der Produktion hohe moralische Werte anlege. So weit es möglich sei, tue man das, hieß es. So werde auf umweltschonenden Papier gedruckt. Schneider streute eine Anekdote ein: "Ich hatte während eines Wahlkampfs vorgeschlagen, Kugelschreiber aus fair gehandeltem Material zu verteilen statt die billigen aus China." Doch die politische korrekten Kulis kosteten 2,50 Euro pro Stück, die asiatische Konkurrenz nur 20 Cent. Am Ende siegte die Sparsamkeit.

Der Sozialdemokrat wird seine Sommertour am Sonntag, 9. August, mit einer Pilgerwanderung von Xanten nach Rheinberg abschließen. "Wir folgen dabei den Jakobswegen in der Region", erzählt er. Beginn ist um 11 Uhr vor dem Xantener Dom, zuvor findet ab 9.30 Uhr eine Messe mit dem Dompropst statt. Schneider selber ist Protestant, seine Frau jedoch katholisch. "Eine erfolgreiche Mischehe", meinte er. Oder "konfessionsverbindende Ehe", wie es inzwischen politisch korrekt heißt.

"Dieses alte Bild, dass Sozialdemokraten evangelisch und Christdemokraten katholisch sind, ist überholt", sagt Schneider. Ebenso sei das Bild der SPD als Partei, die mit der Religion eher fremdelt als die CDU. Für ihn sei Religion wichtig, weil sie im Zusammenleben der Menschen so wirksam sein könne, bekannte der Kamp-Lintforter. "Ich weiß nicht, ob das Bürgerliche Gesetzbuch alleine ausreicht."

Quelle: RP
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