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Neukirchen-Vluyn
Gift unter Tage: Bericht alarmiert Ratsfraktion

Neukirchen-Vluyn. Aufgrund eines Zwischenberichts über die Belastung alter Bergwerke in der Region hat die Fraktion NV Auf geht's aus Neukirchen-Vluyn einen Brief an NRW-Umweltminister Remmel verfasst. Von Jana Marquardt

Eines der großen Themen der Neukirchen-Vluyner Fraktion NV Auf geht's ist die Frage, inwieweit alte Giftmülleinlagerungen in den umliegenden Bergwerken wie der Zeche Niederberg oder dem Bergwerk West in Kamp-Lintfort Einfluss auf das Trinkwasser haben könnten (die RP berichtete). Damit ist die Fraktion nicht allein: Im Jahr 2014 hatte das Land Nordrhein-Westfalen unter Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) beschlossen, die möglichen Folgen des von der Ruhrkohle AG in den 1990er Jahren eingelagerten Giftmülls zu klären. Alle betroffenen Bergwerke werden seit Mitte des vergangenen Jahres von dem Aachener Beratungsbüro Ahu untersucht. Nun liegt ein Zwischenbericht zu den Untersuchungen vor, der die Mitglieder von NV Auf geht's veranlasst hat, einen Brief an den Umweltminister zu verfassen. Darin fordert die Partei Konsequenzen. Unter anderem schreiben die Kommunalpolitiker: "Der Zwischenbericht [...] bestätigt die Gefährdung des Trinkwassers durch Giftmüll und PCB unter Tage im Bereich der Bergwerke [...] der Ruhrkohle AG".

"Die Gutachter des Aachener Beratungsbüros Ahu haben herausgefunden, dass die Giftstoffe vom Salzgehalt des aufsteigenden Grubenwassers freigesetzt werden und so in ungefähr zehn Jahren ins Grundwasser gelangen könnten", sagt Lisa Wannenmacher, Vorstandssprecherin der Fraktion. "Als wir davon erfahren haben, war klar, dass das Land nun handeln muss, um die Entwicklung einer Umweltkatastrophe zu stoppen." Die Fraktion fordert in ihrem Schreiben nun die Wiederaufnahme des Abpumpens des Wassers in den Bergwerken. So könne das Grubenwasser nicht unkontrolliert ansteigen und der Übertritt der Gifte ins Grundwasser würde verhindert. Bis zum Jahr 2018, wenn die letzten Zechen an Rhein und Ruhr ihre Pforten schließen, soll das Abpumpen des Grubenwassers jedoch stark eingeschränkt werden. "Die Ruhrkohle AG spart damit Kosten. Im Bergwerk Walsum in Duisburg hat sie das Abpumpen jetzt schon eingestellt", sagt Wannenmacher. Dort lägen mehr als 100.000 Tonnen Giftmüll in 800 Metern Tiefe.

Doch wie konnte es dazu kommen, dass der Giftmüll anscheinend so leichtfertig in die ehemaligen Gruben verfüllt wurde? Die RAG hatte die Giftstoffe mit Zement vermischt und als Versiegelung für Hohlräume unter Tage verwendet. "Das Gift sei im harten Beton sicher eingeschlossen, behauptete die RAG", berichtet Wannenmacher. "Der Zwischenbericht der vom Landesumweltministerium beauftragten Studie beweist nun das Gegenteil." Doch nicht nur die rund 600.000 Tonnen Giftmüll, die die RAG in die umliegenden Bergwerke verfüllt hat, bereiten der Partei und dem Land Sorgen. In einem kürzlich erschienen Artikel des Nachrichtenmagazins "Spiegel", der sich mit dem Zwischenbericht des Umweltministeriums auseinandersetzt, heißt es, in den betroffenen Bergwerken lägen außerdem 10.000 Tonnen hochgiftiges PCB (Polychlorierte Biphenyle) in Form "nicht ordnungsgemäß entsorgten Hydrauliköls". Laut Wannenmacher lagert im Kamp-Lintforter Bergwerk West ein Teil dieses giftigen Abfalls. Auf der 855-Meter-Sohle befänden sich konzentrierte PCB-Massen, schreibt NV Auf geht's in ihrem Brief. Von diesen Massen sei jedoch unklar, ob sie dem unkontrolliert ansteigendem Grubenwasser ausgesetzt seien oder ob das Wasser weiterhin abgepumpt werde.

Eine Antwort hat die Partei bisher noch nicht erhalten. Unsere Zeitung fragte beim Umweltministerium an und erhielt bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu der im Brief getroffenen Forderung. Eine Sprecherin erklärte, dass ein Antwortschreiben auf den Brief an Umweltminister Remmel derzeit bearbeitet werde.

Quelle: RP
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