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Neukirchen-Vluyn
Giftgefahr für Hunde: Die Polizei wird oft nicht eingeschaltet

Neukirchen-Vluyn. In sozialen Netzwerken wird vor Rattengift an der Dong gewarnt. Weder die Polizei noch das Ordnungsamt können den Fall bestätigen. Von Stefan Gilsbach

Ist es für Hunde lebensgefährlich, wenn Herrchen oder Frauchen an der Dong mit ihnen Gassi gehen? Das zumindest lässt ein Eintrag vermuten, der zurzeit auf lokalen sozialen Netzwerken weitergegeben wird. Rattengift sei in der Dong ausgelegt worden, heißt es dort. Ein Hund sei bereits tot, ein anderer liege in der Klinik. "Sagt bitte allen Bescheid, die dort spazieren gehen", schreibt die Nutzerin. Meldungen wie diese rufen stets viele Reaktionen hervor: Viele Menschen äußern sich entsetzt und schicken die Warnung weiter.

Nichts davon erfährt allerdings jene Stelle, die am ehesten etwas gegen das Gift oder mögliche Täter tun könnte: die Polizei. "Von so einem Fall ist uns nichts bekannt", räumt Daniel Freitag ein, Sprecher der Kreis Weseler Polizei. Bei aller Entrüstung hat offenbar niemand aus den sozialen Netzwerken daran gedacht, die Behörden zu informieren. Ein Phänomen, das Freitag und seine Kollegen mittlerweile gut kennen. "Ob verdächtige Personen unterwegs sind oder verdächtige Köder herumliegen, viele Menschen posten das beispielsweise auf Facebook, sagen der Polizei aber nicht Bescheid." Und so können Fälle von ausgelegten Giftködern oft nicht offiziell bestätigt und das Gift nicht ordnungsgemäß beseitigt werden.

Scheuen sich die Menschen vielleicht, weil sie fürchten, die Kosten eines Einsatzes tragen zu müssen, falls der Köder harmlos ist? "Diese Befürchtung ist grundlos", versichert Daniel Freitag. "Selbst wenn sich herausstellt, dass keine Gefahr besteht." Wer also etwas Verdächtiges wahrnimmt, sollte nicht zögern, die bekannte (und kostenlose) Nummer 110 zu wählen.

Gerade im Fall von Giftködern ist Hysterie von ernsthafter Gefahr oft schwer zu unterscheiden. Unbestritten ist, dass solche Fälle tatsächlich vorkommen. So gab es einen Vergiftungsversuch im März 2015 im Moerser Stadtpark. Neben Gift werden auch Rasiermesser oder Nägel in den Ködern versteckt. Begreiflich, dass Tierfreunde sich über solche Grausamkeiten aufregen. Im Internet finden sich einschlägige Seiten, die von Privatpersonen betrieben werden. Dort fahnden diese auf eigene Faust nach aktuellen Warnungen. Die Polizei sieht das mit gemischten Gefühlen. "Es besteht die Gefahr, dass Leute das Gesetz in die eigene Hand nehmen", meint Freitag. "Und wer das tut, der macht sich unter Umständen strafbar."

Doch auch das öffentliche Posten von Verdachtsfällen im Netz kann manchmal unliebsame Folgen haben. "So etwas tun Leute oft spontan, emotional und unüberlegt." Wenn sich dann die Sache ganz anders darstelle, drohe die Person mit einem veritablen "Shitstorm" überzogen zu werden.

Doch wie steht es nun mit dem angeblichen Rattengift an der Dong? Eine offizielle Bestätigung der Behörden steht aus den genannten Gründen vorerst aus. Hans Steuer, Leiter des Ordnungsamtes in Neukirchen-Vluyn, erläutert, dass ein solches Auslegen von Gift nur in Rücksprache mit der Verwaltung möglich sei. "Außerdem müsste die Stelle sorgfältig gekennzeichnet sein. Uns liegt aber keine Meldung dazu vor." Leider sei die Umschreibung "in der Dong" in den sozialen Netzwerken etwas vage, deshalb hofft Steuer, dass betroffene Hundehalter die Ordnungsbehörde mit etwas mehr Details unterstützen können.

Quelle: RP
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