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Neukirchen-Vluyn
Große Mehrheit für Bücherei-Schließung

Neukirchen-Vluyn. Erwartungsgemäß hat gestern der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport mit Stimmen von CDU, SPD und FDP/Piraten der Schließung des Bücherei-Standorts Vluyn zugestimmt. Es sei die bestmögliche Lösung für die Gesamtstadt, betonte Heiko Haaz (CDU). Das Bürgerinteresse an der Sitzung war bescheiden. Von Josef Pogorzalek

Der große Publikumsandrang blieb in der gestrigen Sitzung des Bildungsausschusses aus: Nur rund 20 Bürger wohnten der Sitzung bei - und niemand von ihnen nutzte die Gelegenheit, beim Tagesordnungspunkt "Einwohnerfragen" das Wort zu ergreifen. Dabei ging es gestern um ein Thema, das in den vergangenen Wochen und Monaten für Aufregung und Diskussionen gesorgt hatte: die Schließung des Bücherei-Standorts Vluyn. Sie wurde, wie erwartet, beschlossen. Genauer: Der Ausschuss sprach eine entsprechende Beschlussempfehlung für den Rat aus. Dass dieser der Empfehlung in seiner Sitzung am 28. Juni folgt, gilt aber als sicher.

Die große Mehrheit im Ausschuss folgte dem Vorschlag von CDU und SPD, den Büchereistandort am Vluyner Platz zum Ende 2017 zu schließen. In der Kulturhalle soll aber eine Ausleihestelle erhalten bleiben. Sollte diese gut angenommen werden, gibt es die Option, sie auf Dauer beizubehalten. Gleichzeitig soll der Bücherei-Standort Neukirchen durch einen Veranstaltungsraum vergrößert und modernisiert werden. Mit einem neuen Konzept wird auf sich ändernde Nutzergewohnheiten reagiert. Von einer Infothek und Mediathek sprach gestern Elke Buttkereit (SPD). "Wir müssen für die ganze Stadt entscheiden", betonte sie. Die Stadt sei durch das Haushaltssicherungskonzept "gebunden" und müsse Einsparungen erzielen: "Wir müssen Lösungen finden, auch wenn sie wehtun."

Auch Heiko Haaz (CDU) unterstrich, dass es nicht um Neukirchen oder Vluyn gehe, sondern um die immerhin seit 1928 aus den beiden Orten zusammengelegte Stadt. "Dies ist die bestmögliche Lösung für die gesamte Stadt", sagte Haaz. Und eine, für die man sich viel Zeit gelassen habe. Immerhin habe eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aller Fraktionen ein Jahr lang alle möglichen Lösungen "durchgekaut".

Karin Fetzer (Grüne) warf CDU und SPD gestern vor, sich "hinter Sachzwängen und Floskeln" zu verstecken, um dann "mit der Stimmenmehrheit einer großen Koalition jede Diskussion um denkbare Alternativen zu beenden". Die Grünen hatten zu einer Demonstration gegen die Bücherei-Schließung aufgerufen und in der vergangenen Woche mehr als 200 Menschen auf die Beine gebracht. Land und Bund betonten den Wert von Büchereien gerade im ländlichen Bereich, sagte Fetzer. "Es ist also kein Luxus, den sich die Stadt Neukirchen-Vluyn leistet, wenn beide Standorte erhalten werden. Einsparpotenziale gebe es in anderen Bereichen, beispielsweise beim Freizeitbad, das mit jährlich 600.000 Euro subventioniert werde. Auch die generelle finanzielle Beteiligung von Sportvereinen an laufenden Kosten der Sportstätten müsse geprüft werden. Allerdings hatten auch die Grünen beantragt, aus finanziellen Gründen den Mietvertrag für die Bücherei am Vluyner Platz zum Ende 2017 zu kündigen. Sie wollen sich aber nicht mit einer bloßen Ausleihe im kleinen Saal der Kulturhalle zufriedengeben. Stattdessen sollen andere Bereiche der Kulturhalle (Galerie, Eingangsbereich, KuCa) in das Büchereikonzept integriert werden. Und dies nicht nur übergangsweise, sondern dauerhaft.

Lediglich Frank Schatz (NV Auf geht's) forderte im Namen seiner Fraktion, "sich nicht hinter einem Nothaushalt zu verstecken" und den Bücherei-Standort am Vluyner Platz zu erhalten. Der Haushalt der Stadt lasse dafür Spielraum, behauptete er. Den Gegenpol bildete Norbert Gebuhr (FDP/Piraten). Die Fraktion schlug vor, den Bücherei-Standort zu schließen und sogar auf die Ausleihe in der Kulturhalle zu verzichten.

Quelle: RP
 
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