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Neukirchen-Vluyn
Grüne fordern gesundes Mensa-Essen

Neukirchen-Vluyn. Die Fraktion setzt sich dafür ein, in der neuen Mensa am Schulzentrum die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einzuführen. Bei Erfolg sollen andere städtische Einrichtungen nachziehen. Von Josef Pogorzalek

Ein TV-Beitrag des "Enthüllungs-Reporters" Günter Wallraff sorgte jüngst für Gespräche: Wallraff berichtete über schimmlige Gurken und Gammelfleisch in Großküchen-Essen und ließ an der Qualität der Speisen in Schulmensen und zum Beispiel Seniorenheimen zweifeln. Wie der Zufall spielt, machen sich derzeit auch die Bündnisgrünen im Neukirchen-Vluyner Rat Gedanken um die Güte des Essens in der geplanten Mensa des Schulzentrums und anderer städtischer Einrichtungen. In einem Antrag schlägt die Fraktion die Einführung von Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor - zunächst in der Schulmensa, danach eventuell in anderen Einrichtungen. In Zusammenhang mit der Fernsehsendung wollte Fraktionssprecher Christian Esser den Antrag gestern aber nicht sehen: "Das war relativ unrealistisch", sagte er.

Bei den DGE-Standards geht es unter anderem um Fragen der optimalen Lebensmittelauswahl, die Zusammensetzung der Mahlzeiten und die Speisenplanung. Ziel ist es, "die Verantwortlichen für die Verpflegung in Schulen bei der Umsetzung einer bedarfsgerechten und ausgewogenen Verpflegung zu unterstützen und damit den Schülern die Auswahl aus einem vollwertigen Verpflegungsangebot zu ermöglichen", so die DGE.

"Wir wollen die Kinder nicht nur vor einen Haufen Salat setzen", betonte Christian Esser. Und: Sowohl Eltern als auch Schulleiter, freie Träger und vor allem die Schülervertretungen sollen bei der Einführung der Standards einbezogen werden. Die Grünen würden es begrüßen, wenn die Mensa Essen in Bioqualität ("Das wäre nicht viel teurer", sagt Esser) und auch vegetarische beziehungsweise vegane Gerichte anbieten würde. "Viele Schüler tendieren in diese Richtung." Allerdings möchten die Grünen ihren Vorstoß nicht durch überzogene Forderungen vorzeitig gefährden.

Susanne Marten-Cleef, Leiterin des Julius-Stursberg-Gymnasiums, hält die Vorschläge der Grünen für lobenswert. Sie gab gestern aber zu bedenken: "Wir werden den Geschmack der Kinder nicht grundsätzlich ändern." Versuche, ein richtiges Mittagessen am Gymnasium einzuführen, seien vor ein paar Jahren gescheitert. Derzeit steht den Gymnasiasten eine Cafeteria mit Snacks zur Verfügung.

Wie die Stadt gestern mitteilte, soll die Cafeteria am Gymnasium neben der geplanten Interimsmensa im Gebäude der Realschule bestehen bleiben. Nach dem Bau einer neuen Mensa (sie ist im Gebäude des Gymnasiums vorgesehen) werde ein Betreiber entweder per Ausschreibung gesucht oder der Betrieb an einen Förderverein (der sich noch formieren müsste) übergeben. "So läuft es in vielen anderen Städten", sagte Stadt-Pressesprecher Frank Grusen. Er geht davon aus, dass die Stadt darauf achten werde, dass der Mensabetreiber gängige Standards erfüllt.

Die Mensa sei, so Frank Grusen, in erster Linie für die Schüler der neuen Gesamtschule gedacht (die als Ganztagsschule angelegt sei), sie werde aber auch anderen Schülern offenstehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Qualitätsstandards für verschiedene Arten der "Gemeinschaftsverpflegung" aufgestellt, zum Beispiel für Schulen, Tageseinrichtungen für Kinder, Senioreneinrichtungen oder Krankenhäuser. Die Broschüren sind auch im Internet unter www.dge.de verfügbar.

Quelle: RP
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