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Neukirchen-Vluyn
Grüne fragen nach den Sorgen der Milchbauern

Neukirchen-Vluyn: Grüne fragen nach den Sorgen der Milchbauern
Hubert Kück, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Kreistag (links) mit Landwirt Johannes Leuchtenberg und dessen Milchkühen. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Grünen-Politiker aus dem Kreis haben gestern den Milchbauernbetrieb Leuchtenberg bei Neukirchen besucht. Sie informierten sich vor Ort über die Probleme der Landwirte in Zeiten niedriger Milchpreise. Von Stefan Gilsbach

Die Probleme der deutschen Milchbauern machen in diesen Tage Schlagzeilen. Ein Anlass für die Kreisfraktion der Grünen, einen der betroffenen Landwirte zu besuchen und sich vor Ort über deren Sorgen zu informieren. Johannes und Franka Leuchtenberg, die ihren Hof am Paschenweg bei Neukirchen führen, empfingen die Delegation, zeigten ihnen die Stallungen und ihre "Milch-Tankstelle", wo sich Kunden in Selbstbedienung mit frischer Landmilch versorgen können.

"Wir hatten vor drei Wochen angefragt, ob wir vorbeikommen dürften", sagte Fraktionsvorsitzender Hubert Kück. "Inzwischen ist das Thema ja noch aktueller geworden." Am Montag hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium zum "Milchgipfel" eingeladen. Der jedoch hatte keinen wirklichen Durchbruch gebracht.

Die Bauern leiden zurzeit unter den niedrigen Milchpreisen, die in diesem Juni voraussichtlich nicht mehr als 23 Cent pro Liter betragen werden. "35 Cent pro Liter bräuchten wir schon", sagt Johannes Leuchtenberg. Sein Familienbetrieb hat 70 Kühe, außerdem bewirtschaftet er noch 70 Hektar Land mit Weizen und Zuckerrüben. Die Milch wird über eine Genossenschaftsmolkerei vertrieben. Seit es keine Milchquote mehr gibt, ist so viel Milch produziert worden, dass nun die Preise in den Keller sacken. "Außerdem fällt mit Russland ein großer Markt weg", sagt Leuchtenberg. Zurück zur Quotenlösung möchte er allerdings auch nicht. Denn auch die war eine finanzielle Belastung für die Landwirte und konnte die Schwankungen von Preisen nicht verhindern. "Warum gibt es bei uns nicht einen Mindestpreis für den Liter Milch, wie es bereits in anderen europäischen Ländern der Fall ist?", fragt der Landwirt. Darauf konnten sich die Beteiligten beim "Milchgipfel" nicht einigen, stattdessen wurden insgesamt 100 Millionen Euro für betroffene Betriebe in Aussicht gestellt.

Leuchtenberg ist skeptisch: "Davon profitieren erfahrungsgemäß nur größere Betriebe, nicht die kleinen Höfe." Er habe gehofft, dass "man dem Einzelhandel mal auf die Finger klopfen würde", das sei aber nicht passiert. Zusätzliche Nackenschläge gebe es für die Milchbauern zudem, wenn Meldungen über Lebensmittelskandale durch die Medien gingen.

Die Besucher von Bündnis 90/Grüne - darunter auch Karin Fetzer, Mitglied der Neukirchen-Vluyner Ratsfraktion - betonten, dass sie sich für die Betriebe vor Ort einsetzen wollen. "Die Milchwirtschaft gehört zur Identität unseres Kreises", sagte Hubert Kück. Schließlich gehe es auch um die Themen gesunde Ernährung. Er hoffe, dass Kunden bereit seien, für gute Milch von regionalen Erzeugern auch einen höheren Preis zu zahlen. Eventuell könne man auf der Internetseite der Kreistagsfraktion für die Milchbauern vor Ort werben. Leuchtenberg machte allerdings klar, dass die Direktvermarktung nicht für alle Landwirte eine praktikable Lösung sei. Dazu brauche es Zeit, die nicht jeder Hofbesitzer habe. Für die Milch-Tankstelle auf dem eigenen Hof braucht es zumindest kein zusätzliches Personal.

Gerrit Korte, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft, war ebenfalls zu dem Ortstermin gekommen. Er erinnerte an vergleichbare Krisen in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Damals waren der ,Butterberg' und der ,Milchsee' die Schlagworte." Solche Situationen kämen in Zyklen immer wieder.

Johannes Leuchtenberg hat daher die Hoffnung, dass der Milchpreis wieder steigen wird, wenn auch vermutlich nicht mehr in diesem Jahr. Klar ist: So kann es für ihn und seine Kollegen nicht dauerhaft weitergehen. Derzeit gibt es im Kreis Wesel rund 350 Landwirte, die sich auf Milchwirtschaft konzentrieren. "In Neukirchen-Vluyn sind wir noch acht", sagt Leuchtenberg. "Und von einem Kollegen weiß ich, dass er aufhören will."

Quelle: RP
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