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Neukirchen-Vluyn
Grüne Politikerin wütend über Treibjagd

Neukirchen-Vluyn. Karin Fetzer, Fraktionsmitglied in Neukirchen-Vluyn, beschwert sich über eine Jagd am Rayener Berg. Unter anderem seien Haustiere aus panischer Angst entlaufen. Der Hegering Lintfort-Neukirchen plädiert für gegenseitiges Verständnis. Von Stefan Gilsbach

"Durch mehrere Schüsse wurden die Anwohner aus Rayen jäh aus ihrer Samstagsruhe gerissen." Fast wie ein Krimi beginnt der Eintrag von Karin Fetzer auf der Internet-Seite der Neukirchen-Vluyner Grünen. Fetzer, die zum Fraktionsteam gehört, beschwert sich über eine Treibjagd, die Mitte November am Rayener Berg stattfand. In den Augen der Kommunalpolitikerin ein Ärgernis: "Es verteilten sich zirka zehn Jäger auf der Kuhwiese am Honigshuck, das Gewehr im Anschlag (...)". Ein Anwohner habe zwei Stunden nach seiner Hündin gesucht. "Sie war aufgrund der Schüsse in Panik geraten und weggelaufen. Zum Glück konnte sie unversehrt auf der Lintforter Straße eingefangen und ins Tierheim gebracht werden."

Fetzer findet es erstaunlich, dass am Rayener Berg überhaupt mit Flinten hantiert werden darf, obwohl Spaziergänger, Jogger und Hundebesitzer das Naherholungsgebiet nutzen: "Wer kann für ihre Sicherheit garantieren?" Außerdem bezweifelt sie die Verhältnismäßigkeit, da es "in unseren dicht besiedelten Gebieten immer weniger Wild" gebe.

Marcell Schüren, Vorsitzender des Hegerings Lintfort-Neukirchen, meint zu der Kritik: "Ich kann verstehen, dass Leute sich manchmal gestört fühlen." Jedoch seien Treibjagden nicht ungesetzlich. Veranstaltet würden sie allerdings nicht durch den Hegering, sondern von einzelnen Jagdpächtern. Die Beteiligten müssten also nicht unbedingt aus der Region kommen, Teilnehmer solcher Treibjagden reisten oft von weither an. Nach Recherchen unserer Zeitung, ist der Pächter des Gebietes am Rayener Berg ein Kamp-Lintforter, der sich zurzeit in Urlaub befindet.

Das Thema Jagd polarisiert Menschen, weiß Marcell Schüren. Er plädiert für gegenseitiges Verständnis. "Wichtig ist, dass man miteinander redet", meint er. Dazu gehöre es auch, gute Kontakte zu Anwohnern der gepachteten Reviere zu pflegen. Es sei allerdings nicht so, dass in Naturschutz nicht gejagt werden dürfe, stellt er klar. Auch darüber hatte sich Karin Fetzer gewundert. Der Rayener Berg ist ein Naturschutzgebiet, unter anderem wegen seiner Lage als Inselberg.

Bürger, die partout keine Jagd auf ihrem Grundstück möchten, können dies nach neuer Gesetzeslage untersagen. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom Juni 2012. Eine entsprechende Änderung des Bundesjagdgesetzes gilt seit dem 6. Dezember. Bislang waren Grundstückseigentümer, deren Besitz außerhalb befriedeter Bereiche liegt, Zwangsmitglieder einer Jagdgenossenschaft. Auf ihrem Besitz durfte damit gejagt werden. Nun können sich die Eigentümer auf Gewissensgründe berufen und beantragen, die Jagd auf ihrem Grund und Boden zu verbieten. Die ersten Bürger wollen von diesem Recht bereits Gebrauch machen. "Uns liegen bislang 15 Anträge dazu vor, die sich gleichmäßig über das Kreisgebiet verteilen", sagt Kreis-Mitarbeiterin Petra Teppenkamp. Sie ist nun dabei, die Anträge zu bearbeiten. "Die Antragsteller müssen glaubhaft machen, dass sie ethisch motiviert sind", sagt sie. Das Verfahren sei recht aufwendig, so müsse unter anderem der Jagdbeirat angehört werden, zu dem Vertreter der Jäger, der Landwirte, der Forstwirtschaft, der Jagdgenossenschaften, der Naturschützer und der unteren Forstbehörden gehören.

www.gruene-nv.de

Quelle: RP
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