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Neukirchen-Vluyn
Hanna bringt Straßen auf Vorderfrau

Neukirchen-Vluyn: Hanna bringt Straßen auf Vorderfrau
Mit Pflastersteinen wird Hanna Schröder während ihrer dreijährigen Ausbildung noch häufiger zu tun bekommen. FOTO: Christoph Reichwein
Neukirchen-Vluyn. Unter den Auszubildenden, die im August bei der Stadt angefangen haben, gehören auch junge Frauen, die Berufe erlernen, die bislang eher von Männern geprägt sind: Garten- und Landschaftsbau und die Straßenwartung. Von Stefan Gilsbach

In den kommenden drei Jahren wird Hanna Schröder mit schwerem Gerät arbeiten: Sie muss lernen, eine Motorsäge zu gebrauchen und ein großes Einsatzfahrzeug zu lenken, dafür braucht es den LKW-Führerschein. Die 18-Jährige aus Neukirchen-Vluyn hat bei der Stadt eine Lehre als Straßenwärterin begonnen. Orange Arbeitskluft statt Hosenanzug fürs Büro, das ist für Frauen noch immer nicht alltäglich. Schließlich sind die beliebtesten Ausbildungen junger Damen noch immer diese: 1. Bürokauffrau 2. Medizinische Fachangestellte 3. Verkäuferin 4. Einzelhandelskauffrau 5. Zahnmedizinische Fachangestelle (Stand 2016).

Doch in Büros oder Arztpraxen zu arbeiten, hat für Hanna Schröder keinen Reiz. "Ich wollte immer etwas Handwerkliches machen." So absolvierte sie ein Praktikum bei einem Maurerbetrieb. Dann bekam sie beim "Girl's Day" Einblicke in die Arbeit beim Baubetriebshof der Stadt und fand es toll. Als sie nun in ihrem Lehrberuf noch einmal zur Probe arbeitete, bestätigte sich Hannas guter Eindruck. "Es macht mir Spaß, und die Leute sind nett." Und die Reaktionen im Freundeskreis? "Die sind beeindruckt, dass ich jetzt bei der Stadt arbeite."

Seit dem 1. August hat Hanna zunächst einmal bei Pflasterarbeiten geholfen, doch der Beruf der Straßenwärterin umfasst viele Aufgaben: die Instandsetzung der Fahrbahnoberflächen, der Winterdienst, auch die Pflege des Straßenbegleitgrüns spielt mit hinein, obwohl sich darum eher der Bereich Garten- und Landschaftsbau kümmert. Auch hier, einer traditionellen Männerdomäne, hat nun eine weibliche Auszubildende angefangen, Melina Galla aus Moers.

Die 17-Jährige hat bereits im Rahmen der Berufsorientierung als Gärtnerin Erfahrungen gesammelt und erkannt, dass ihr das Spaß macht. Auch sie wird im Laufe ihrer Ausbildung bei der Stadt den Schein für die Motorsäge machen. "Wir kümmern uns auch um das Schneiden von Sträuchern", sagt sie. Stefan Kallen, Leiter des Baubetriebshofs ergänzt: "Die Tätigkeit der städtischen Gärtner darf man sich nicht als Ziergärtnerei vorstellen." Drei Jahre dauern beide Ausbildungen, parallel besuchen die beiden jungen Frauen die Berufsschule, außerdem gibt es 22 Wochen überbetriebliche Ausbildungen, im Bereich der Straßenwartung zum Beispiel über den Betonbau.

Hanna Schröder und Melina Galla sind nicht die ersten Frauen, die Straßenwärterin und Gärtnerin bei der Stadt lernen. "In jedem der Bereiche hatten wir bereits jeweils eine weibliche Auszubildende", sagt Stefan Kallen. "Es ist allerdings nicht einfach, Bewerber für die mehr handwerklichen Berufe zu finden", sagt Ausbildungsleiterin Ursula Welbers.

Die Stadt Neukirchen-Vluyn hat zum 1. August neun junge Frauen und Männer als Nachwuchskräfte aufgenommen. Neben Hanna und Melina sind es Matthias Swenne und Janine Waltering (Ausbildungs zum Stadtinspektor, Studiengang Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre), Hanna Dlugosch und Nele Ertl (Ausbildung Verwaltungsangestellte), Romina Merli und Gözde Nergiz (Anerkennungspraktika als Erzieherin) und Jennifer Krützberg (Jugend- und Auszubildendenvertretung).

Quelle: RP
 
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