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Neukirchen-Vluyn
Heitere Geschichten vom "Onderrhien"

Neukirchen-Vluyn. Mehr als 350 Besucher kamen am Sonntag zum Mundart-Nachmittag in die Neukirchen-Vluyner Kulturhalle. Das Motto lautete "Lustert en - wej prooten Platt!" - "Hört mal zu - wir sprechen Platt!" Der Inhalt war meist zum Schmunzeln. Von Jutta Langhoff

"Die Mundart lebt." Mit dieser Meinung war der Vorsitzende des Vluyner Heimat- und Verkehrsverein Hans Delihsen nicht alleine, als er am Sonntag die Bühne der Neukirchen-Vluyner Kulturhalle betrat, denn zu seinen Füßen unten im Saal saßen mehr als 350 Menschen, die ebenso dachten. Sie alle waren gekommen, um miteinander knapp drei Stunden lang einer Sprache zu lauschen, die früher einmal überall rund um Nekerk und Vluyn gesprochen wurde, dem niederrheinischen Platt, oder wie es Dietrich Pannekoek in seiner einstigen Mundart-Spalte im "Grafschafter" bezeichnet hatte, einem Deutsch mit Klompen."

Der von den beiden Heimat- und Verkehrsvereinen Neukirchen und Vluyn schon seit vielen Jahren gemeinsam veranstaltete Mundart-Nachmittag stand diesmal unter dem Motto "Lustert en - wej prooten Platt!", also "Hört mal zu - wir sprechen Platt!"

Ein Motto, das in diesem Fall nicht nur dem aus plattdeutschen Sketchen, Gedichten und Liedern bestehenden, bunten Veranstaltungsprogramm galt, sondern gleichzeitig auch ganz allgemein zum Erhalt der alten niederrheinischen Mundart auffordern wollte. "Traditionen zu pflegen, bedeutet, mit der Heimat in Beziehung zu bleiben", erklärte der Vluyner Vereinsvorsitzende in seiner kurzen Begrüßungsansprache. "Deswegen kommen Sie bitte zu unseren plattdeutschen Stammtischen! Es wäre doch schade, wenn unsere alte Mundart irgendwann in Vergessenheit geraten würde."

Das wäre es in der Tat, wie das von den beiden Mundartgruppen der Vereine zusammengestellte Bühnenprogramm anschließend eindrucksvoll bewies. So gab es darin zum Beispiel einen spaßigen Sketch über zwei Eheleute, die sich um ein vermeintlich verschwundenes Brötchen stritten, und einen nicht minder spaßig erzählten Erlebnisbericht über Oma und Opas brandgefährliche Ersterfahrungen mit einem neumodischen "Fondue-Apparat". Ein anderes Mal verschreckte ein wenig einfühlsamer Doktor seinen Patienten mit einer drohenden Operation, zwei Gartenfreunde versuchten verzweifelt eine für beide verständliche, gemeinsame Sprache zu finden, und ein begeisterter Radfahrer schwärmte von einer besinnlichen Tour durch den sommerlichen "Vluynschen Boosch", um nur einige Darbietungen zu nennen. Damit auch diejenigen, die kein Plattdeutsch konnten, nicht zu kurz kamen, gab der Vorsitzende des Neukirchener Heimatvereins Heinz-Peter Busch vor jedem Beitrag eine kurze, hochdeutsche Einführung.

Das abschließende gemeinsam gesungene Lied "Ken schöner Derb ös ahndesiehn, as Nekerk-Vluyn an den Onderrhien" blieb dagegen unübersetzt, was aber nichts machte. Es wurde trotzdem von allen begeistert mitgesungen.

www.hvv-neukirchen.de

www.hvv-vluyn.de

Quelle: RP
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