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Neukirchen-Vluyn
Hochhaus-Sanierung wegen Asbest gestoppt

Neukirchen-Vluyn: Hochhaus-Sanierung wegen Asbest gestoppt
Ansicht des Hochhauses am Vluyner Nordring. Viele Bürger würden den unschönen Koloss gern abgerissen sehen. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Die Eigentümerfirma des markanten Gebäudes am Vluyner Nordring hat die Arbeiten fürs erste abgebrochen, weil den Behörden eine Belastung durch Schadstoffe dokumentiert werden muss. Von Stefan Gilsbach

Vor dem Eingang ist zwar Baumaterial gestapelt, doch zurzeit finden im Hochhaus am Vluyner Nordring keine Arbeiten statt. Das Gebäude - für viele Vluyner ein Schandfleck, den sie im Ortsbild nicht vermissen würden - ist seit dem vergangenen Jahr Eigentum der Firma "NV Immo eins". Diese hatte das Hochhaus aus jenem Immobilienpaket der Schweizer Peach Property Group erworben, das früher in Neukirchen-Vluyn als "Nau-Häuser" bekannt und berüchtigt war. Das Hochhaus steht mittlerweile leer und ist durch einen Zaun abgesperrt.

Anis Saad, Projektleiter von "NV Immo eins", hatte im Januar in Aussicht gestellt, das Hochhaus werde möglicherweise noch 2017 fertig saniert sein. Nun räumt Saad auf RP-Anfrage ein: "Die Sanierungsarbeiten sind derzeit stillgelegt worden." Der Grund: Man sei gerade dabei, das Gebäude auf Asbest-Belastung zu prüfen. Frank Grusen, Sprecher der Stadt Neukirchen-Vluyn, bestätigt dies: "Wir halten es für wahrscheinlich, dass insbesondere in den Fassaden Asbest verbaut worden ist." Dieser Stoff gilt bekanntlich als krebserregend. Die Eigentümer des Hochhauses - beziehungsweise das sie beratende Architekturbüro - müssten nun die Nachweise einreichen, an welcher Stelle welche Schadstoffe verbaut sind, erläutert Grusen.

Bis dies alles geklärt ist, wird der "Vluyner Riese" weiterhin einen wenig einladenden Anblick bieten. Positiv verlaufe dagegen die Entwicklung der übrigen Immobilien, welche die Peach Property Group übernommen habe, heißt es bei der Stadt. Laut Frank Grusen werden die Sanierungen dort fortgesetzt. Die fraglichen Häuser stehen im Vluyner Süden und am Nordring. In einem Teil der sanierten Gebäude hat die Stadt Wohnungen für Flüchtlinge angemietet.

Die Verzögerungen bei der Sanierung des Hochhauses dürften Wasser auf die Mühlen jener Politiker sein, die bereits vor Jahren gefordert hatten, die Stadt solle den Koloss kaufen, um an Ort und Stelle eine Lösung zu finden, die den Ortseingang von Vluyn attraktiver macht. Bürgermeister Harald Lenßen (CDU) hatte im Januar erklärt, diese Option sei nicht völlig ausgeschlossen, allerdings nur, wenn "die Firma pleite wäre oder sich mit dem Projekt übernommen" habe. Die Nau-Häuser hatten in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen häufiger Brände Schlagzeilen gemacht, die meist in den leerstehenden Wohnungen entstanden waren, vermutlich durch Brandstiftung. Seit eine Security die Häuser überwacht, haben diese Vorfälle aufgehört.

SPD-Fraktionsvize Günter Zeller kündigt nun an: "Wir wollen im nächsten interfraktionellen Gespräch dieses Thema erneut ansprechen." Dann allmählich fühle man sich für dumm verkauft. "Ab und zu war mal jemand vor dem Gebäude zu sehen, Steine wurden gelagert, die immer noch da liegen, ansonsten tut sich da nichts", schildert Zeller seine Beobachtungen und die von anderen Bürgern. "Das Ganze bekommt ja im Landtagswahlkampf eine neue Brisanz, weil Herr Laschet, der CDU-Kandidat, sich über Schrott-Immobilien in NRW aufregt." Zeller verweist als positives Beispiel auf die Stadt Duisburg, wo die Verwaltung inzwischen gegen dauerhaft marode Immobilien vorgehe.

Quelle: RP
 
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