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Neukirchen-Vluyn
In der Dämmerung zu den alten Schmieden

Neukirchen-Vluyn: In der Dämmerung zu den alten Schmieden
Das Duo Heide Schmitt und Peter Pechmann - in Nachtwächterkluft - erläuterten die Geschichte der ehemaligen Schmiedewerkstätten. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Viele Interessierte nahmen teil an der Nachtwächter-Sonderführung im Dorf Neukirchen. Von Sabine Hannemann

Da staunten Nachtwächter Peter Pechmann und Stadtführerin Heide Schmitt: Rund 60 Personen fanden sich am Einheitstag zur Dämmerzeit vor dem Projektzimmer an der Hochstraße ein. Diesmal sollte es um ehemalige Schmieden im Dorf Neukirchen gehen. Immerhin vier dieser Handwerksbetriebe befanden sind im Ortskern und hatten mit Schmiedearbeiten wie auch dem Beschlagen der Arbeitspferde ihr Auskommen.

Diesmal erlebte die Führung ein neues Format, das die Veranstaltung mit Lesungen von Adriana Kocijan, dem Saxofonisten André Meisner und Trompeter John-Dennis Renken, Improviser in Residence in Moers, ungewohnt wie spannend zugleich machte. Für den improvisierten Musikrahmen sorgten Renken und Meisner, die zu Schmiedegeräuschen spielten und eine Klangatmosphäre aus längst vergangenen Zeiten schufen. Hinzu kamen eine mobile Feuerstelle und alte Fotografien, die über einem Mini-Beamer Zeugnis der damaligen Lebens- und Arbeitssituation gaben. "Wir gehen mit einem neuen Kulturformat aufs platte Land", erläuterte der Kunstschaffende Rüdiger Eichholtz den Projektrahmen der Stadt-Land-Fluß-Kultur. Erste Residenzen waren in Moers und Kamp-Lintfort, die dritte im Dorf Neukirchen.

40 Höfe und Katstellen gab es 1624 im Dorf, wie der ehemalige Stadtarchivar Pechmann erzählte. "Das Leben war von der Landwirtschaft geprägt. In Neukirchen waren im Jahr 1732 Bäcker, Leineweber, Schmied, Schneider und Schumacher als Zünfte vertreten."

Die Tour begann mit der Schmiede Steegmann, deren Standort sich in Höhe des heutigen Projektzimmers befand. Nächstes Ziel war Lindenstraße Nr. 8, heute Elektronik Leinung, wo bis Ende der 1960 die Familie Cremmer eine Schmiede betrieb. Und nicht nur das. "Ein kleines Ladenlokal bot Haushaltsgeräte an. Unter anderem konnte der Kappeshobel ausgeliehen werden", so Pechmann, Zum ältesten Betrieb gehörte gegenüber der Kirche die Schmiede Trommen, die das Handwerk über sieben Generationen pflegte. Aktuelle Bodenfunde bestätigen, dass Schmieden außerhalb von Wohnhaus und Scheune gelegen haben. An der Bruchstraße hatte Familie Cremmer ihren Betrieb. Dort endete die zweistündige Tour mit Schnittchen im Kulturzimmer. Gesponsert wurde das Projekt unter anderem von Sparkasse am Niederrhein, ihrer Kulturstiftung, der Stadt und dem Land NRW.

Quelle: RP
 
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