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Neukirchen-Vluyn
Israel, das erstaunliche Kaleidoskop

Neukirchen-Vluyn: Israel, das erstaunliche Kaleidoskop
Neukirchen-Vluyn. Pfarrer Rainer Stuhlmann ist Studiendirektor in Nes Ammim, einem christlichen Dorf, das der Moerser Heinz Kremers mit aufgebaut hat. Über seine Erlebnisse hat Stuhlmann ein Buch in der Neukirchener Verlagsgesellschaft herausgebracht. Von Stefan Gilsbach

Vielen Menschen aus der Grafschaft wird der Name Nes Ammim etwas sagen. Es ist ein Dorf im Norden Israels, ein christliches Dorf, angelegt nach dem Vorbild einer Bauernsiedlung. Es ist ein Ort der Begegnung, nicht nur für Christen verschiedener Konfessionen. Der Moerser Heinz Kremers war einer jener der Menschen, die am Aufbau von Nes Ammim maßgeblich beteiligt waren. Der Theologe hat auch die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegründet.

In Nes Ammim, dieser ungewöhnlichen Enklave, ist seit einigen Jahren Pfarrer Rainer Stuhlmann tätig. Der gebürtige Wuppertaler wirkt dort als Koordinator des Studienprogramms für Freiwillige. Seine Erlebnisse aus den vergangenen Jahren hat er nun in einem Buch zusammengefasst: "Zwischen den Stühlen - Alltagsnotizen eines Christen in Israel und Palästina". Erschienen ist es in der Neukirchener Verlagsgesellschaft.

Noch bis zum Sommer wird Rainer Stuhlmann (rechts) in Nes Ammim arbeiten. Sein Buch über die Jahre in Israel ist in der Neukirchener Verlagsgesellschaft erschienen, dem Verlag des Neukirchener Erziehungsvereins. Das Vorwort hat Nikolaus Schneider geschrieben. Erhältlich ist das Buch für 12,99 Euro.

Die Konflikte in Israel und dem Nahen Osten werden in der deutschen Öffentlichkeit teilweise verbittert diskutiert. Die Region ist dabei oft eine Folie für die eigenen politischen Ideologien: Sehen die einen die israelische Regierung als den Anheizer des Konfliktes, schieben die anderen die Schuld auf die Palästinenser oder gleich ganz auf den Islam. Stuhlmann schlägt sich auf keine Seite, es sei denn, auf die der Menschlichkeit. Wer die Situation vor Ort kennenlerne, der werde sich hüten, pauschale Urteile zu fällen, meint er. "Ich bin immer froh, wenn unsere Volontäre zum Schluss sagen: Ich gehe mit mehr Fragen als Antworten."

Denn das Verhältnis zwischen Juden und Palästinensern sei weitaus komplexer, als man sich das in Mitteleuropa gemeinhin vorstelle. "Wenn Sie sich hier mit einem Palästinenser unterhalten, wird er sagen: In Israel geht es mir besser, als in anderen Staaten im Nahen Osten. Aber er wird gleich hinzufügen: Dennoch bin ich hier ein Bürger zweiter Klasse", sagt Stuhlmann. Seinen Blick auf das Land und die Menschen vergleicht der Geistliche mit einem Kaleidoskop: "Jede Woche klopft jemand daran, und mein Bild ändert sich."

Stuhlmann erzählt in seinem Buch von bemerkenswerten Begegnungen, aber auch von Raketenangriffen, von tragischen persönlichen Verwicklungen und seiner Hoffnung, dass der Friedensprozess vielleicht doch eines Tages gelingen wird. "Was im Moment fehlt, ist eine charismatische Persönlichkeit wie es Rabin war", meint er. Übrigens würden die Deutschen von den Israelis mehr geschätzt, als man daheim vielleicht glaube - der Wandel vom einstigen NS-Staat zur Zuflucht für Verfolgte werde "wie ein Wunder" betrachtet. Vor allem aber werde die Bundesrepublik als verlässlicher Partner gesehen, der in Krisen fest zu Israel steht.

Quelle: RP
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