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Neukirchen-Vluyn
Jürgen Schmude spricht über die Freiheit

Neukirchen-Vluyn. Zu einem Vortrag zum Thema "Freiheit" von Dr. Jürgen Schmude waren am Dienstagabend zahlreiche Interessierte der Einladung des Ökumenischen Arbeitskreises Neukirchen-Vluyn gefolgt. Im vollbesetzten Pfarrsaal der Antoniuskirche referierte der Bundesminister a.D., Jurist und engagierte evangelische Christ über die Widersprüche, die in Politik, Gesellschaft und Kirche durch eine unterschiedliche Auslegung des Freiheitsbegriffs entstehen. Anschließend nahm er Stellung zu Fragen aus dem Publikum.

Als ein aktuelles Beispiel nennt Schmude die Diskussion um die Meinungsfreiheit im Internet: Er verurteilt, dass man anonyme Angreifer und Hassprediger im Netz gewähren lasse, verweist auf Luther, der forderte: "Niemand soll seinem Nächsten mit der Zunge schaden ...sofern es nicht einem amtlichen Auftrag gemäß oder zur Besserung geschieht." Luther gehe sogar noch weiter. Man solle seinen Nächsten entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. Schmude fasst das auch in dem Begriff "Gemeinwohlverpflichtung" zusammen, die mit der Freiheit verbunden werden müsse. "Nicht der Eigennutz allein darf den Gebrauch der Freiheit bestimmen. Stets geht es auch um andere, auf die Rücksicht zu nehmen ist."

Manchmal sei es auch sinnvoll, den Menschen vor sich selbst zu schützen und seine Freiheit einzuschränken, damit er sich und andere nicht gefährdet. So seien die Gurtpflicht und die Helmpflicht für Motorradfahrer zunächst nur widerwillig angenommen worden. Bei der Geschwindigkeitsbegrenzung gelte jedoch immer noch die Parole "Freie Fahrt für freie Bürger". Schmude stellt fest, dass durch Gerichtsurteile und Gesetze nicht alle Kontroversen geschlichtet werden könnten. Er macht dies auch an dem Streit um die Religionsneutralität von Lehrern deutlich - Stichwort: Kopftuchstreit - , der für ihn nicht befriedigend gelöst sei.

(rauh)
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