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Neukirchen-Vluyn
Jung hilft Alt - gegen ein Taschengeld

Neukirchen-Vluyn: Jung hilft Alt - gegen ein Taschengeld
Eine Jugendliche hat für eine ältere Dame die Einkäufe erledigt und bekommt dafür ein paar Euro: So einfach funktioniert die Taschengeldbörse. FOTO: ola (archiv)
Neukirchen-Vluyn. Die Stadt Neukirchen-Vluyn und der Caritasverband Moers-Xanten wollen ältere Menschen, die Hilfe brauchen, und junge Menschen, die gegen ein paar Euro helfen wollen, zueinander bringen. Von Sabine Hannemann

Das Projekt Taschengeldbörse kann in Neukirchen-Vluyn an den Start gehen. Kooperationspartner der Stadt ist der Caritas-Verband Moers-Xanten. Er hat an der Hochstraße ein sogenanntes Filialbüro im Dorf Neukirchen. "Es geht um kleine Hilfstätigkeiten, die Jugendliche für ältere Menschen erledigen", erläuterte gestern Dirk Ulrich vom Caritasverband. Maßgeschneidert ist das Projekt für die Kommune, die sich seit langem mit unterschiedlichen Schulprojekten für die Kommunikation zwischen Jung und Alt erfolgreich engagiert.

"Unseren Ansatz für die Taschengeldbörse finden wir in unseren Themen vor Ort wie Wohnen und Leben im Alter wie auch Wohnen der Generationen miteinander", sagte Agendabeauftragte Marion May-Hacker. Wie einfach das Projekt funktioniert, erläuterte Dirk Ulrich. Beispielsweise habe er die Anfrage einer alleinstehenden Frau bekommen, die einen Fernsehsessel entsorgen will. Handicaps sind für sie der schwere Sessel an sich, sowie mehrere Etagen im Wohnhaus. Findet sich über die Taschengeldbörse ein kräftiger Jugendlicher, der den Sessel zum Sperrmüll an die Straße stellt, sind beide glücklich. Der Jugendliche hat ein paar Euros bekommen und die ältere Dame hat den Sessel ordnungsgemäß entsorgt.

Weiterer Nebeneffekt ist ohne Zweifel, dass sich junge und alte Menschen begegnen. "Die Idee an sich ist auf einer Quartiersitzung geboren", sagte Marion May-Hacker. Dann wurde recherchiert, wie es in anderen Kommunen funktioniert. "Für unsere Arbeit stand dann das Solinger Modell Pate", erzählte Marion May-Hacker. Die Schulkulturbeauftragte Ulrike Reichelt kümmerte sich um mögliche Fördertöpfe, mit Erfolg: Die Taschengeldbörse wird vom Land und dem Europäischen Sozialfond "Projekt Servicebrücken Jugend und Alter" gefördert.

In einem ersten Schritt geht es darum, ein Netzwerk mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren aufzubauen. Kontakte könnten beispielsweise in Kooperation mit dem Julius-Stursberg-Gymnasium beim Sozialpraktikum entstehen, wie Ulrike Reichelt sagte. Um die Taschengeldbörse publik zu machen, ist auch Schulsozialbetreuerin Janina Rothe mit im Boot. Die Bandbreite an Hilfstätigkeiten ist groß. Der feste Pakt von Jung und Alt soll Brücken bauen. "Wir stellen uns einfache wie alltägliche Hilfe vor, die vom Zeitungsvorlesen bis zum Einkaufen reichen und zeitlich überschaubar sind", sagte Ulrike Reichelt.

Über das Sozialnetzwerk Facebook soll demnächst ein Pool mit Gesuchen aufgebaut werden. Das Caritasbüro leitet Kontakte weiter. "Jugendliche entscheiden über die Nachfrage und melden sich", erläuterte Dirk Ulrich den einfachen Verfahrensweg. Im Vorfeld hat es eine kleine Bewerberrunde gegeben, das Einverständnis der Eltern muss vorliegen, eine Nachfrage bei der Schule und Lehrern hat ebenfalls stattgefunden.

"Wir stellen uns auch die Zusammenarbeit mit älteren Ehrenamtlichen vor, die die Nachfrage vor Ort koordinieren", sagte Dirk Ulrich, der zugleich auf den seriösen juristischen wie versicherungstechnischen Rahmen hinwies. "Wir vermitteln keine Putzhilfe, sondern es geht um einfache Hilfen in Privathaushalten in der Nachbarschaft", so Ulrich. Der soziale Aspekt, das Miteinander von Jung und Alt im Zeitalter des demografischen Wandels, ist ganz oben angesiedelt und soll zur Lebensqualität in den eigenen vier Wänden mit beitragen und der Jugend den Kontakt zur älteren Generation ermöglichen.

Quelle: RP
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