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Neukirchen-Vluyn
Kammermusik zupackend und zart

Neukirchen-Vluyn: Kammermusik zupackend und zart
Ein beeindruckendes Konzert erlebten die Zuhörer in der evangelischen Dorfkirche in Vluyn. FOTO: kdi
Neukirchen-Vluyn. Nach dem tschechischen Auftakt konfrontierte das Kammermusikfest Kloster Kamp seine Besucher in einer Soirée in der Dorfkirche Vluyn noch einmal mit den beiden Länderschwerpunkten des diesjährigen Programms. Französische Romantik und Dvorák sorgten auch diesmal für ein ausverkauftes Konzert.

"Sie loben die Schönheit, Klarheit und Aufrichtigkeit meiner Gedanken - was will ich mehr?" Mit diesen Worten umriss der Komponist Camille Saint-Saëns sein Selbstbild und das Urteil seiner Mitwelt. Schönheit und Klarheit prägen auch seine Fantasie für Violine und Harfe op. 124. Die vom Komponisten sehr geschätzte Harfe erfüllt die Forderung nach Schönheit und Eleganz, während Klarheit und einfache Formung durch das Nebeneinanderrücken einer Fülle musikalischer Einfälle erreicht werden.

Die Harfenistin Marie-Pierre Langlamet und der Geiger Giora Schmidt spielten die Fantasie brillant und mit einem unvergleichlichen Charme, der dem fasziniert lauschen Publikum eine Viertelstunde reinsten Klangzaubers bescherte. Wie sehr der alternde Saint-Saëns von seinem jüngeren Kollegen Claude Debussy beeinflusst wurde, bestätigte sich in der folgenden Triosonate, in der Marie-Pierre Langlamet gemeinsam mit Alja Velkaverh (Flöte) und Aida-Carmen Soanea (Viola) eindrucksvoll den Bezug zur musikalischen Welt des 18. Jahrhunderts herstellten und an die spanisch-mediterranen Anklänge, wie sie auch in der Fantasie zu erkennen waren, anknüpften. In Fachkreisen gilt die Sonate als Debussys bestes Kammermusikwerk. Ein Prädikat, an dem die drei Musikerinnen in ihrer hochvirtuosen Interpretation keinen Zweifel ließen.

Nach der Pause ging es weiter mit Dvoráks Streichquintett op. 77, in dem der Komponist die klassische Quartettbesetzung um einen Kontrabass erweiterte und so dem Klang eine enorme Tiefe verlieh. Die temperamentvolle Sprache des Stücks war die richtige Herausforderung für die Geiger Gil Sharon und Ingo de Haas, den Bratscher Razvan Popovici, den Cellisten Floris Mijnders und den Bassisten Gunars Upatnieks, die mit packendem Zugriff und doch wunderbar zart in den elegischen Passagen den bodenständigen und volkstümlichen Charme des Werks hinreißend wiederzugeben wussten.

(prs)
 
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