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Neukirchen-Vluyn
Kerzen, die von Herzen kommen

Neukirchen-Vluyn: Kerzen, die von Herzen kommen
Ingrid Pipplies fertigt Kerzen für jede Gelegenheit. Auch die Motive sind immer wieder andere. 2006 hatte sie das Kerzenmachen für sich als Hobby entdeckt. Mit dem Erlös aus dem Verkauf unterstützt sie Kinderdörfer. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Aus 120 Kilo gespendeten Kerzenresten hat Ingrid Pipplies aus Neukirchen-Vluyn mehr als 700 neue Kerzen in unterschiedlichen Formen und Farben gemacht. Den Erlös spendet sie an ein Kinderdorf in Ghana. Von Sabine Hannemann

Ingrid Pipplies hat die Vorbereitungen für ihre 13. Kerzen-Verkaufsausstellung abgeschlossen. Die Kerzen hat sie nach Farbe, Form und Motiv sortiert, wie die Aufschriften der Kartons verraten. Mehr als 700 Exemplare hat sie in ihrem aktuellen Kerzenjahr, wie sie den Zeitraum der Produktion nennt, hergestellt. 120 Kilo Kerzenreste hat sie dafür eingeschmolzen und verarbeitet. Am Freitag, 28., und Samstag, 29. Oktober, jeweils von 10 bis 17 Uhr besteht die Möglichkeit, handgefertigte Kerzen an der Heckrathstraße 5 in Neukirchen-Vluyn zu kaufen. "Da werden meine Kunden Schlange stehen", sagt sie, weil sie es so in den Vorjahren erlebt hatte.

Neben stimmungsvollen Kerzen zu den jeweiligen Gelegenheiten hat sie solche für besondere Momente wie den Jahreswechsel im Angebot. "Das sind Glücksschweinchen, die an Silvester angezündet werden. 20 Minuten brennen sie. Zum Jahreswechsel eine tolle Idee", sagt Ingrid Pipplies. Einige der Schweinchen haben es sogar bis nach Amerika geschafft. Wenn Ingrid Pipplies ihre schmucke Kerzenausstellung in ihrem Wohnzimmer eröffnet, hat sie zusammengerechnet 32 Tage lang nur Kerzen gegossen. "Mancher Vorgang dauert bis zu fünf Stunden", erzählt die Neukirchenerin. Ihr Sortiment ist ausgewogen und fängt bei Adventskerzen an, reicht über Exemplare mit maritimen oder floralen Motiven, erfreut durch einen Spruch. Manches Motiv wird über die sogenannte Serviettentechnik aufgebracht, andere Kerzen bürstet sie und gibt ihnen Struktur. "Ich habe auch Tannenzapfen-Kerzen", erzählt die Kerzenmacherin. Der Werkkeller ihres Mannes Manfred ist ihr Arbeitsfeld. Dort stehen Weckkessel, in denen sie in Konservendosen Kerzenstumpen und -reste schmilzt und reinigt. Die Qualität einer Kerze hängt nämlich nicht vom Docht ab. "Ich arbeite mit Kerzenresten verschiedener Qualitäten, die bei mir über das Jahr abgegeben werden. Die sortiere ich zuerst nach Farben", berichtet sie über die Vorbereitungen. Arbeiten, die bis zum eigentlichen Kerzengießen hochgerechnet 21 Tage in Anspruch nehmen. Von jeder Kerzenserie hat sie eine Probekerze, die sie abbrennt, um über Brenndauer und -qualität Bescheid zu wissen.

Angefangen hat sie mit ihrem Hobby 2006. Den Erlös der Ausstellungen spendet sie dem Internationalen Verband westfälischer Kinderdörfer. Das Spendengeld geht an ein Kinderdorf in Ghana, an das eine Augenklinik angegliedert ist. "Mein Vater hatte eine Tante, die blind war. Nicht sehen zu können, war für mich als Kind kaum vorstellbar", sagt die 78-Jährige. Als Patientin des Moerser Augenarztes Dieter Grünholz lernte sie die Arbeit der Kinderdörfer kennen und engagierte sich mit ihrem Motto "Kerzen mit Herz für Kinder in Not." Ingrid Pipplies: "Er hat damals ehrenamtlich in Ghana operiert und konnte vielen helfen." Mehr als 2300 Euro spendete sie 2015 an das Kinderdorf und unterstützt die ehrenamtliche Arbeit der Augenärzte. Nun denkt sie allmählich ans Aufhören. "Mir hat die Arbeit unheimlich viel Spaß gemacht. Dabei habe ich viele Leute kennengelernt. Ich weiß, dass das Spendengeld direkt ankommt. Kinder werden operiert und können wieder sehen. Für mich ein wirklich gutes Gefühl."

Quelle: RP
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