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Neukirchen-Vluyn
Landwirte sorgen sich um die Zukunft

Neukirchen-Vluyn: Landwirte sorgen sich um die Zukunft
Diethelm Keesen führt seinen Hof bereits in vierter Generation. Der Landwirt ist um seine Zunft am Niederrhein besorgt, erklärt er. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Die Mitglieder der Ortsbauernschaft trafen sich zu ihrer Jahreshauptversammlung im Landhaus Deselaers. Von Yannic Kascholke

Diethelm Keesen ist besorgt. Besorgt über die Zukunft der Landwirtschaft in der niederrheinischen Kleinstadt. Seit 2011 ist der gelernte Landwirt, der seinen Hof bereits in der vierten Generation führt, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Neukirchen-Vluyn, die vor fünf Jahren aus den drei Ortsbauernschaften Neukirchen, Vluyn und Rayen entstanden ist. Man habe sich für die Fusion entschieden, weil die Mitgliedzahlen stetig gesunken sind.

Aktuell gehören der Bauernschaft noch etwa 120 Landwirte an. "Tendenz sinkend", wie Keesen sagt. Die Ursachen für diesen Trend sind vielseitig. Besonders die zunehmenden Auflagen machen den Bauern zu schaffen, sagt er. "Man hat das Gefühl, dass uns Landwirten die Kompetenz im Umgang mit den Tieren abgesprochen wird." Dabei möchte Keesen nichts beschönigen: "Natürlich wird mit den Tieren Geld verdient, allerdings kann man Tiere nicht zu Leistung zwingen." Ausschlaggebend sei gutes Futter, artgerechte Haltung und Pflege. Die Tierschutzauflagen seien deutlich restriktiver als bei Hobbytierhaltern. "Dabei setzten wir uns täglich durch unseren Beruf mit dem Wohl der Tiere auseinander."

Diese zunehmende Bürokratie sei gerade für kleinere Betriebe nicht zu leisten. "Daran gehen viele zugrunde." Ein weiteres Problem sei der stetige Schwund an Agrarflächen, bedingt durch Siedlungs- und Wohnungsbau, Ausgleichsflächen und Auskiesung. "Selbst wenn beispielsweise nach der Auskiesung die Flächen renaturiert werden, haben sie niemals dieselbe Qualität an fruchtbaren Böden wie vorher." Die Pacht- und Grundstückspreise steigen zusätzlich noch weiter. Auch der Bergbau setzt den Bauern zu: Nachdem das Ende des Bergbaus am Niederrhein nun endgültig ist, sollen auch die jährlichen Ausgleichszahlungen für die durch den Bergbau entstandenen Schäden an Agrarflächen und Gebäuden eingestellt werden. Durch eine Einmalzahlung wolle die RAG "einen Schlussstrich ziehen", sagt Keesen: "Der Bergbau stiehlt sich aus der Verantwortung."

Auf die Frage, wie die Situation der Landwirte in zehn Jahren aussehe, zeichnet der Landwirt ein düsteres Bild: " Die Geschwindigkeit wird steigen. Betriebe müssen wachsen, um zu überleben. Der Trend geht Richtung Großbetriebe. Die Vielfalt stirbt."

Das liege auch daran, dass viele kleine Betriebe im Nebenerwerb betrieben werden. "Weil sie zu wenig abwerfen." Wenn ein Generationswechsel bevorstehe, entschieden sich die Kinder häufig, lieber einen anderen Job hauptberuflich auszuführen.

Keesen selbst führt seinen Betrieb ebenfalls nebengewerblich. Ein zweites Standbein hat er als landwirtschaftlichen Lohnbetrieb. Er und seine Mitarbeiter übernehmen Erntearbeiten für andere landwirtschaftliche Betriebe.

Quelle: RP
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