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Neukirchen-Vluyn
"Lass die Flinte oben, genieße den Treffer!"

Neukirchen-Vluyn: "Lass die Flinte oben, genieße den Treffer!"
Rolf Koster legt die Flinte an. Die richtige Haltung gehört zu den ersten Dingen, die ein Schieß-Anfänger lernt. FOTO: Ekkehard Malz
Neukirchen-Vluyn. Auf dem Schießstand Vluynbusch erteilt Rolf Koster ehrenamtlich Unterricht in Treffsicherheit. Gezielt wird bei ihm auf Tonscheiben. Von Stefan Gilsbach

Wie ein Ufo schwirrt die orangefarbene Scheibe durch die Luft. Doch sie kommt nicht weit - ein lauter Knall, und es regnet kleine bunte Scherben auf den Rasen. Der junge Mann senkt unwillkürlich sein Gewehr. "Lass die Flinte ruhig im Anschlag. Genieß den Treffer", rät ihm Rolf Koster. Er trägt einen Hörschutz, wie auch die beiden Männer, die heute bei ihm ihr Können mit dem Gewehr auffrischen. Immer wieder knallt es laut in der Nähe - das Gelände fürs Tonscheibenschießen liegt nicht weit vom Schießstand an der Geldernschen Straße, direkt an der Grenze zwischen Neukirchen-Vluyn und Rheurdt.

Rolf Koster trainiert hier einmal pro Woche ehrenamtlich, gemeinsam mit seinem Freund Johann Pötters. Koster kommt dafür extra aus Wesel - ein lebhafter, freundlicher Mann, dessen Begeisterung für den Schießsport und die Jagd durchaus ansteckend wirkt. Natürlich muss der Gast auch mal anlegen und abdrücken (für alle Fälle wird vorher ein Versicherungsschein ausgefüllt).

Die Patronen sehen für ein Greenhorn erschreckend groß aus - daumendick, gefüllt mit Schrot. "Mit denen schießt man beispielsweise Geflügel oder Kaninchen", erläutert Koster. Und das richtige Anlegen ist gar nicht so einfach, wie es im Film aussieht. "Mehr nach vorne beugen", ermahnt der Instruktor. Die Flinte, Marke Beretta, wiegt mehr als drei Kilo, nach einiger Zeit tun die Arme weh. "Erst einmal die Flugbahn der Scheibe verfolgen", rät der Könner und lobt: "Ja, gar nicht schlecht." Das Gewehr wird geladen. Rolf Koster löst per Fernbedienung den Start einer Tonscheibe aus. "Und jetzt abdrücken!"

Wer noch nie mit einem Gewehr geschossen hat, wundert sich, wie sehr das "Bumms" in die Schulter geht. Viele holen sich beim Üben blaue Flecken. Zwei Schüsse, zwei Mal daneben - das war wohl zu erwarten. "Bei aller Geschwindigkeit der Scheibe, man muss beim Zielen ruhig bleiben", erläutert der Lehrer. Und den Schuss müsse man am Ende so setzen, dass er dort hingeht, wo das fliegende Objekt im nächsten Sekundenbruchteil sein wird. Manche Schützen sind dabei so gut, dass sie in einem Durchgang zwei Tonscheiben treffen, die aus unterschiedlicher Richtung und Höhe kommen.

Es gibt ein "Hochhaus" und ein "Niederhaus", aus denen die Scheiben gestartet werden. Eine Unmenge davon geht beim Training zu Bruch, diesseits und jenseits der Wiese sind die Hänge mit den Überresten im leuchtenden Orange übersät. Aus Ton sind die Scheiben übrigens nicht mehr, sondern aus Kunstharz. Und der oft gehörte Begriff "Tontaubenschießen" ist ohnehin veraltet. "Früher, vor Jahrhunderten, wurde vielleicht noch zur Übung auf Tauben geschossen", erzählt Rolf Koster. Dieser Brauch ist zumindest in Deutschland Geschichte. Übrigens lassen sich die echten Vögel von dem Geknalle auf dem Gelände nicht stören und fliegen unbeeindruckt über die große Wiese hinweg.

Nach einigen Runden auf dem Schießstand gehen Koster und seine Adepten in den Schuppen und genießen einen Becher Kaffee. Alkohol ist beim Schießen tabu. Im Gestell an der Wand stehen mehrere Flinten, manche Besucher bringen ihre eigene Waffe mit, aber Koster hat für Neulinge auch Exemplare vor Ort.

Das Schießen auf Tonscheiben gilt vor allem als gute Übung für Jäger und Sportschützen. "Es gibt eigentlich zwei Gruppen, die hier auf den Stand kommen: Jene, die das Schießen erst lernen, und jene, die ihr Können auffrischen wollen." Koster selber ist Jäger seit 1976. "In unserem Freundeskreis haben wir damals alle den Jagdschein gemacht."

Was hält Koster von der zurzeit viel diskutierten Änderung des Jagdgesetzes in NRW? "Ich bin überzeugt, dass es nach der Debatte bei dem Gesetzespaket noch Abstriche geben wird. Viele Traditionen die jetzt abgeschafft werden sollen, haben sich doch bewährt."

Quelle: RP
 
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