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Neukirchen-Vluyn
Lektüre tauschen in der "Villa Kunterbuch"

Neukirchen-Vluyn. Eine Initiative von Gewerbetreibenden in Neukirchen-Nord hat ein Häuschen aufgestellt, wo Interessierte Bücher abgeben und mitnehmen können. Es befindet sich auf dem Gelände der Bäckerei Schomaker an der Weserstraße. Von Stefan Gilsbach

Viele Menschen besitzen alte Bücher, die sie bereits ausgelesen haben und nicht mehr brauchen. Doch was tun mit dem Schmökern, die Staub fangen und Platz wegnehmen? Diese Frage stellte sich jüngst auch die Unternehmerin Sylvia Westphal aus Neukirchen-Vluyn. Sie fragte ihren Mann, den Fotografen Michael Ricks: "Wo kann man hier im Ort eigentlich alte Bücher abgeben oder tauschen?"

Ricks erinnert sich: "Ich fragte bei der Stadt nach, dort erklärte man uns, es gebe ein kleines Tauschregal im Projektzimmer an der Hochstraße, das auch nicht immer zur Verfügung steht." Und so reifte bei dem Ehepaar und dann auch bei anderen Unternehmern des Gewerbegebietes Neukirchen-Nord die Idee, ein Häuschen aufzustellen, in dem man Bücher abstellen und andere dafür mitnehmen kann. "Der Name ,Villa Kunterbuch' stammt von meiner Frau", sagt Michael Ricks.

Am Wochenende wurde das Häuschen eröffnet, dazu wurde passenderweise eine Buchstabensuppe gelöffelt. Und offensichtlich trifft das Angebot einen Nerv. "Rund 150 Bücher stehen schon drin", sagt der Fotograf. "Platz hätten wir für 500 bis 60 Exemplare." Erst gestern, berichtet er, habe eine ältere Dame mehrere Kisten mit Lesefutter zur Verfügung gestellt. "Damit könnten wir mehrerer Regale füllen."

Erfreulich ist für die beiden Initiatoren, dass die benachbarten Firmen die Idee auf vielfältige Weise unterstützt und gesponsert haben. "Wir haben einen guten Draht zu den Unternehmen hier", sagt Ricks, der sich auch in der Interessengemeinschaft Neukirchen-Nord engagiert, die unter anderem das Gewerbeparkfest ins Leben gerufen haben.

Die gute Zusammenarbeit zeigte sich schon bei der Suche nach dem Standort der "Villa Kunterbuch". Die Stadt Neukirchen-Vluyn konnte leider nicht mit einer geeigneten Fläche dienen. Fündig wurden die Bücherfreunde auf dem Gelände der Bäckerei Schomaker an der Weserstraße. Der Bio-Bäcker aus Rheurdt hatte seine Produktion vor einigen Monaten dorthin verlagert und führt inzwischen auch einen Laden mit Gastronomie. "Das Gelände ist öffentlich zugänglich", sagt Michael Ricks.

Auch bei der Stadtverwaltung freut man sich über diesen Vorstoß und hat das Projekt auch mit einer Geldsumme unterstützt. "Der Standort ist genial, er ist gut einsehbar, was hoffentlich einen Schutz gegen Vandalismus bedeuten wird", erklärt Frank Grusen vom Stadtmarketing. Sieben Tage in der Woche stehe die "Villa Kunterbuch" für Interessierte bereit.

Das Prinzip ist einfach: Wer gelesene Bücher nicht mehr benötigt, legt diese in die Regale und nimmt sich im Tausch dafür andere Bücher mit. Wer seine Bücher "nur" spenden möchte, kann dies selbstverständlich auch tun.

Die Resonanz in den sozialen Netzwerken ist ermutigend. Auf der Facebook-Präsenz der Stadtverwaltung reagierten Nutzer auf die Nachricht von der Einweihung des Bücherhäuschens mit Kommentaren wie "Super, da kann ich direkt die Regale ein bisschen auffüllen" oder "Tolle Idee, freue mich riesig darüber".

Ähnliche Angebote sind in den vergangenen Jahren in mehreren Städten entstanden. So gibt es auch im Schaephuysener Ortskern ein öffentliches Bücherregal.

Demnächst wird es Infos zur "Villa Kunterbuch" auch im Internet unter www.villa-kunterbuch.de geben. Informationen rund um den Gewerbepark Neukirchen-Nord sind auf der Seite www.gpnn.de zu finden.

Quelle: RP
 
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