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Neukirchen-Vluyn
Montessori-Zuschuss sorgt für Unwillen

Neukirchen-Vluyn: Montessori-Zuschuss sorgt für Unwillen
Lehrerin Anke Winter beim selbstständigen Lernen in der Montessori-Gruppe der Hundertwasserschule im Jahr 2011. Die Grundschule an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße weitet diesen Zweig der Pädagogik kontinuierlich aus. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Die Hundertwasser-Grundschule beantragt Fördergelder, um ihre Klassen komplett auf die Reformpädagogik umzustellen. Gegenwind kommt von den anderen Grundschulen. Sie sehen darin eine Ungleichbehandlung. Von Stefan Gilsbach

Auf Eltern und Lehrer der Hundertwasser-Schule in Neukirchen könnte in der nächsten Sitzung des Schulausschusses eine Enttäuschung warten. Auf der Tagesordnung steht die Entscheidung über Fördergelder für Montessori-Klassen in der Einrichtung. Die Schule hatte diese Mittel Ende Januar beantragt.

Wenn es nach der Verwaltung geht, werden diese Mittel nicht fließen. Sie empfiehlt in der Vorlage für den kommenden Bildungsausschuss als Beschluss: "Für die Sachausstattung von Montessori-Klassen in der Friedensreich-Hundertwasser Grundschule werden keine zusätzlichen Haushaltsmittel bereitgestellt." Nun müssen die Ausschussmitglieder in der Sitzung am 16. November entscheiden.

"Die Hundertwasser-Schule möchte eine vierte Montessori-Klasse einrichten", erläutert Frank Grusen, Sprecher der Stadt. Die Montessori-Pädagogik sei bei den Eltern der Grundschulkinder ungemein beliebt. Wie die Schule mitgeteilt habe, seien von 53 Anmeldungen für das laufende Schuljahr nicht weniger als 40 für die Montessori-Klassen gewesen. Mehrere Lehrerinnen seien auch eigens dafür geschult worden. Und langfristig könnte die Hundertwasserschule komplett auf Montessori-Pädagogik umsatteln, die Schulpflegschaft und die Lehrerkonferenz hätten dem bereits zugestimmt, berichtet Grusen. Im Antrag der Schule schreibt Schulleiterin Tania Lauterbach, dass man 2015 die vierte Montessori-Klasse gründen wolle. Die Schule stemmt dies finanziell selbst. 2016 sollen, wenn alles klappt, die Montessori-Klassen fünf und sechs gegründet werden, die verbleibenden Klassen im Zeitraum von 2017 bis 2019. "Die Kosten würden sich auf circa 15.000 Euro pro Klasse belaufen. Da wir dann aber komplett nur mit dem Montessorimaterial arbeiten müsste man circa 1000 Euro jährlich für Ersatzbeschaffungen kalkulieren. Somit wäre man bei einer Kalkulation von zehn Jahren bei circa 66.000 Euro", fasst die Schulleiterin zusammen.

Und hier kommen die anderen Grundschulen ins Spiel. Die Verwaltung stellt in der Beschlussvorlage fest: "Die Angelegenheit wurde im Runden Tisch Bildung am 17. September 2015 mit Beteiligung der zuständigen Schulamtsdirektorin, Frau Eicker und allen Grundschulleitungen erörtert. In dieser Sitzung haben die Leiterinnen der anderen Grundschulen erklärt, dass eine etwaige Zuschussgewährung seitens des Schulträgers zu einer Ungleichbehandlung der Schulen führen würde. Die Schulleitungen würden eine vergleichbare Bezuschussung der jeweiligen Schule begrüßen, stellen aber - aufgrund der bekannten Finanzsituation der Stadt - keine Anträge."

Die Montessori-Pädagogik ist nach der Italienerin Maria Montessori (1870 - 1952) benannt worden. Die Reformpädagogin setzte sich für offenen Unterricht und mehr Autonomie des Kindes ein. Zu ihrer Pädagogik gehören spezielle Materialien, die das Verständnis des Kindes fördern sollen, beispielsweise im Mathematik-Unterricht. Übrigens war der Künstler und Aktivist Friedensreich Hundertwasser, nach dem die Grundschule in Neukirchen benannt ist, selbst ein Montessori-Schüler.

Die Sitzung des Bildungsausschusses am Montag, 16. November, beginnt um 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses. Der Tagesordnungspunkt ist öffentlich.

Quelle: RP
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