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Neukirchen-Vluyn
Motorradfirma: Ringen um den neuen Standort

Neukirchen-Vluyn: Motorradfirma: Ringen um den neuen Standort
Bernd Brands sucht seit längerer Zeit nach einem Grundstück, auf dem er Geschäft und Heim errichten kann. Das hat ihn in Neukirchen-Vluyn schon viel Geld und Nerven gekostet. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Seit Jahren bemüht sich Bernd Brands, Inhaber von "BB Motorcycles" um einen besseren Standort für sein Geschäft. Er fühlt sich von der Stadt unfair behandelt. Doch nun gibt es einen Lösungsvorschlag. Von Stefan Gilsbach

Wenn er das Rathaus in Neukirchen-Vluyn betreten müsse, fühle er sich mittlerweile körperlich hundeelend, sagt Bernd Brands. Der Inhaber des Motorrad-Fachgeschäftes "BB Motorcycles" an der Fritz-Baum-Allee ringt seit Jahren darum zu expandieren. Er sucht daher ein neues Grundstück, auf dem er sowohl seine Werkstatt, seinen Ausstellungsraum und ein Heim für seine Familie ansiedeln kann. Das müsste doch eigentlich gehen, sollte man meinen. Doch die Verwaltung in Neukirchen-Vluyn sieht planungstechnische Hemmnisse.

Das Problem stellt sich bislang wie folgt dar: Der Bebauungsplan des Gewerbegebietes lässt alles drei zusammen - Wohnen, Werkstatt, Handel - nicht zu. Würde Brands ein Grundstück in einem so genannten Mischgebiet wählen, hätte er ebenfalls ein Problem. Dann wäre die Werkstatt nicht konform zu dem geltenden Bebauungsplan. Das Planungsrecht machte ihm also überall Schwierigkeiten.

Der Motorrad-Fachmann darf im Gewerbegebiet nur zehn Prozent des Betriebes als Ausstellungsfläche nutzen. Das wären 25 Quadratmeter und damit deutlich zu wenig. Doch ein Verstoß würde den Unternehmer voraussichtlich eine Geldstrafe kosten. Und auch für die Größe einer Wohnung gibt es Regeln, das Verhältnis zur Betriebsfläche muss 1:3 sein. Die Wohnung wäre damit kaum größer als das jetzige Domizil der vierköpfigen Familie. "Wir wohnen sehr beengt auf der Hochstraße", sagt Brands, der mit seiner Frau zwei Söhne hat.

Im März hatte Bernd Brands noch einmal öffentlich im Fachausschuss seine Probleme geschildert, damals hörte auch der neue Beigeordnete Ulrich Geilmann zu. "Die Situation ist nicht hoffnungslos", äußerte dieser anschließend gegenüber der RP.

Tatsächlich gibt es nun einen Lösungsvorschlag: Brands könnte seine Pläne auf einem Grundstück verwirklichen, das an der Grenze des Misch- und des Gewerbegebietes liegt. Auf der eine Seite könnten so das Haus und die Ausstellungsfläche entstehen, auf der anderen die Werkstatt.

Ist das nun der Durchbruch? Brands ist mittlerweile so verbittert, dass rechte Freude bei ihm nicht aufkommen will. "Ich musste jetzt schon wieder zigtausende Euro ausgeben", sagt er. Es ging um Unterlagen, für die erneut ein Architekt engagiert werden musste. Außerdem habe die RAG Montan Immobilien kurzfristig die Quadratmeterpreise erhöht. Auch sei er, falls er diese Lösung akzeptiere, gezwungen, einen viel zu großen Gartenbereich zu erwerben. "Auf dem Grundstück, das ich ursprünglich im Auge hatte, wird nun ein Seniorenheim gebaut", berichtet er. Und dieses Vorhaben werde offenbar ohne Probleme durchgewunken.

Das findet auch Jochen Gottke, SPD-Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat, merkwürdig. "Kaum ist Herr Brands weg, wird plötzlich der Aufstellungsbeschluss geändert und ein vorhabenbezogener B-Plan für einen Großinvestor aus Düsseldorf in die Wege geleitet", wundert er sich. Die nun angedachte Lösung findet Gottke allerdings "pfiffig" und hofft, dass für den Motorrad-Fachmann endlich alles gut wird. "Es kann aber nicht sein, dass Herr Brands noch teure Gutachten erstellen lassen oder höhere Preise an die RAG zahlen muss." Auf diese Weise stoße man jene Menschen vor den Kopf, die neue Geschäfte aufbauten.

Eine Stellungnahme aus der Verwaltung - sowohl von der Wirtschaftsförderung als auch aus dem technischen Dezernat - war gestern nicht zu erhalten.

Quelle: RP
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