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Neukirchen-Vluyn
Museum erinnert an alte Textilindustrie

Neukirchen-Vluyn: Museum erinnert an alte Textilindustrie
Historische Kleidungstücke zählen zu den Höhepunkten der Ausstellung. Bei dem schwarzen Kleid im Hintergrund sowie dem Herrenanzug links handelt es sich um die Kleidung eines Brautpaars. FOTO: Christoph Reichwein
Neukirchen-Vluyn. Fünf Unternehmen der Bekleidungsbranche waren im 19. Jahrhundert in Neukirchen-Vluyn ansässig. Daran erinnert der jetzt wiedereröffnete zweite Teilbereich des ortsgeschichtlichen Museums. Von Petra Riederer-Sitte

Nachdem das Museum Neukirchen-Vluyn nach der Brandschutzsanierung im November die erste Teileröffnung präsentiert hatte, folgte jetzt der zweite Schritt der Wiedereröffnung. Unter dem Motto "Textilgeschichte NV und Bekleidung" wird in der Ausstellung an den Beginn der Industrialisierung in Neukirchen-Vluyn erinnert und die Blütezeit der örtlichen Textilindustrie und Bekleidung aus verschiedenen Zeiträumen anschaulich dargestellt.

"Neukirchen-Vluyn war in den letzten Jahrzehnten durch den Bergbau geprägt, aber im 19. Jahrhundert gab es hier fünf Unternehmen, die sich um Bekleidung gekümmert haben", erklärte Bürgermeister Harald Lenßen in der Feierstunde. Dem zum Jahresende geplanten dritten Schritt der Wiedereröffnung, mit der Erweiterung im Dachgeschoss, sieht Lenßen zuversichtlich entgegen: "Es bleibt spannend, es bleibt interessant, die Geschichte der Ausstellung entwickelt sich." Zu verdanken sei dieser positive Verlauf einerseits der großzügigen Unterstützung durch Förderer, andererseits aber auch dem unermüdlichen Engagement der Mitarbeiter.

Museumsleiterin Jutta Lubkowski wies auf die Bedeutung der Textilgeschichte für den Ort hin und erzählte von der beschaulichen Zeit, "als noch die Webstühle in Neukirchen-Vluyn klapperten und jeder Bauer am Niederrhein ein Flachsfeld hatte, um seine Familie mit Bekleidung zu versorgen". Ein solcher Webstuhl, auf dem das Leinen zu Stoff verarbeitet wurde, ist eins der Prunkstücke des kleinen, aber feinen Museums, das sich seinen Besuchern einladend hell und freundlich präsentiert. Mit Piktogrammen werden die einzelnen Arbeitsschritte erklärt: vom Säen, Raufen, Riffeln und Rotten bis zum Spinnen, Wickeln und Weben. Ein viel bestaunter Höhepunkt der Ausstellung ist eine Gruppe menschengroßer Puppen in Originalbekleidung "von früher", darunter auch ein Brautpaar: die Braut wie damals üblich im schwarzen Kleid, der Bräutigam mit Zylinder und Vatermörder. Zwischen vielen kleinen Schätzen wie dem Gründungsstein des "Dömchens" mit der Jahreszahl 1643, kuriosen "Haarbildern als Andenken und Freundschaftskult", einem niederrheinischen Totenbrett oder preußischen Säbeln und französischen Degen gibt es imposante Industrie-Zeitzeugnisse wie die "Mammut-Steppmaschine" der Firma Gebr. Kremers aus dem Jahr 1955.

Neben der Kaffeerösterei Jans mit Dröppelminna und Kennermischung lädt der Kolonialladen Göschel mit Ata-Pulver und Hoffmanns-Tropfen zur Zeitreise ein, im Frisörsalon Kühn bringen Tosca und Uralt Lavendel die Besucher zum Schwärmen: "Wie schön, das kenne ich auch alles noch."

Auch für seine kleinen Besucher hat das Familienmuseum einiges zu bieten. So können sie zum Beispiel in einer Holzmühle Kaffeebohnen mahlen, an Duftschubladen mit Kräutern schnuppern, mit Malvorlagen eigene Frisuren entwerfen oder an den Monitoren alte Fotos bestaunen. "Die gehen damit ganz unbefangen um", freut sich Museumsmitarbeiterin Michaela Krauskopf über das Interesse der Kinder an denmodernen Medien-Stationen, die "viel mehr Flexibilität, mehr Atmosphäre, mehr Stimmung" ermöglichen.

Das Museum, Pastoratsstraße 1, ist mittwochs und samstags von 15 bis 17 Uhr sowie an Sonntagen von 11 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr geöffnet. An jedem zweiten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei, also für den 14. Mai einplanen: Geschichte entdecken im Museum Neukirchen-Vluyn.

Quelle: RP
 
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