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Neukirchen-Vluyn
Neuer Verein will Flüchtlingen schnell helfen

Neukirchen-Vluyn. Privater Helferkreis gibt sich feste Strukturen. Dem Treff 55 der Diakonie wolle man keine Konkurrenz machen. Von Josef Pogorzalek

Mit der Koordination der Flüchtlingsarbeit in Neukirchen-Vluyn hat die Stadt den Treff 55 des Diakonischen Werks betraut. Doch auch die private Hilfe vonseiten engagierter Bürger bekommt jetzt festere Strukturen. "Direkte Flüchtlingshilfe Neukirchen-Vluyn" lautete der Name eines neuen Vereins, der sich im Clubraum der Tennishalle Klingerhuf gegründet hat. Schnelle, unkomplizierte, unbürokratische Flüchtlingshilfe ist das Anliegen der Mitglieder. "Wir wollen keine Konkurrenz für die Diakonie sein, aber wir sind in manchen Sachen einfach schneller", sagte gestern Melanie von der Weiden, die in der Gründungsversammlung zur Vorsitzenden gewählt wurde. "Alles, was wir schnell schaffen, hat die Diakonie vom Tisch."

Der Ursprung des Vereins ist eine Facebook-Gruppe ("Flüchtlingshilfe in Neukirchen-Vluyn"), die Melanie von der Weiden vor einigen Monaten gegründet hat. Die Nachbarin des Flüchtlingsheims in der ehemaligen Dörpfeldschule war neugierig geworden, sie wollte wissen, wer die Menschen sind, die dort wohnen. "Ich bin mit einem Bekannten, der arabisch spricht, und einer Freundin einfach reingegangen." Über den Besuch tauschte sie sich bei Facebook aus. Die Hilfsbereitschaft wuchs. "Mittlerweile haben wir bei Facebook 504 Mitglieder."

Die private Flüchtlingshilfe habe zum Beispiel Fahrdienste für Kinder organisiert, die zur Schuluntersuchung mussten, sie begleite Flüchtlinge bei Behördengängen oder betreue Bastelnachmittage in der Dörpfeldschule. "Wir arbeiten in Rücksprache mit den Diakonie-Mitarbeitern." Ein Raum in einem Nebengebäude der Flüchtlingsunterkunft diene dem Helferkreis bislang als eigene Kleiderkammer. "Wir bekommen sehr viele Sachen gespendet", sagt Melanie von der Weiden. "Aber unser Raum ist dunkel und sehr klein." Derzeit werden deshalb dringend größere Lagerräume gesucht - sie sollten trocken sein und über eine elektrische Versorgung verfügen. "Wir hören oft von den Flüchtlingen, dass Kleidung in der passenden Größe fehlt", sagte von der Weiden. Auch an warmen Sachen herrsche Bedarf. In den Kleiderkammern der evangelischen Gemeinde oder der DRK-Kleiderkammer würden wohl nicht alle fündig.

Zur Vereinsgründung sei es auch wegen zahlreicher Geldspenden-Angebote gekommen, sagte die Vorsitzende. Ein Eintrag der "Direkten Flüchtlingshilfe" ins Vereinsregister sei in Vorbereitung. Melanie von der Weidens Stellvertreter sind die gebürtige Iranerin Schabnam Kurscheid sowie Klaus Dittmann.

In den Flüchtlingsunterkünften der Stadt leben insgesamt 404 Menschen (Stand 11. November).

Quelle: RP
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